Brauchen wir die Deutsche Bank wirklich? – MK 39-16

Die einstigen Jäger im Investmentbanking sind nun selbst zu den Gejagten geworden. Eine Hatz auf den Kern der Deutschen Bank hat begonnen. Eingeschworene Hedgefonds als Mitjäger in Sachen Bankgeschäfte verlassen fluchtartig ihre Hausbank und stellen sich auf Spekulationen gegen ihre ehemaligen Geschäftspartner ein. Forderungen aus den USA in der Höhe von 14 Milliarden Dollar als Strafzahlungen haben den Aktienkurs dieser einst so angesehenen Bank auf einen absoluten Tiefstand von ca. 10 € gebracht. Das Desaster nimmt erkennbar den letzten Anlauf und rächt sich für die jahrelangen exzessiven Investmentbanking-Transaktionen in Verbindung mit Aktien, Anleihen und Zertifikaten. Die damit verbundenen Spekulationen entsprachen sicherlich nicht wirklich den ethischen Grundsätzen dieser Deutschen Bank.

So hatte man sich zum Ziel gesetzt, die Finanzmärkte der Welt zu erobern. Zu den führenden Banken auf der Welt wollte der Vorstand mit der Deutschen Bank gehören. Es lockte die Wall Street und London als globale Finanztransaktionsstandorte. Nach der aufgehobenen Trennung des Investmentgeschäfts und den üblichen Bankgeschäften fielen alle Schranken und so stürzten sich die Banker in viele Geschäfte in der Finanzwelt verbunden mit einem hohen Risiko ohne wirkliche Finanzreserven im Rücken. Es wurde zu einem Geschäftsgebaren nach interner Auslegung der Richtlinien, also nach Gutdünken, ohne ethische Grundgedanken. Mit diesen Geschäften kam die Verlockung der Renditen in zweistelliger Höhe den Anlegern gerade recht und diese bejubelten ihre Deutsche Bank. Und so trieben die Investmentbanker über 20 Jahre ihre schonungslosen Geschäfte und die waren unter der Leitung von Anshu Jain außerhalb der seriösen Transaktionen besonders ausgeprägt. So lange die getätigten Geschäfte mit hohen Renditen verbunden waren, gaben die Anleger der Führung der Deutschen Bank recht und es bestätigte sich der Gewinnerkurs. Nach und nach sickerte das oftmals zweifelhafte Geschäftsgebaren an die Öffentlichkeit, die Finanzwelt und die Geschäftspartner waren davon nicht angetan und überhaupt nicht begeistert. In dieser Zeit der Offenlegungen hat der Ruf der Deutschen Bank schon gelitten und viele Menschen fragten sich: Was ist das für eine Bank und welche Art Geschäfte wickeln sie überhaupt ab? Die Finanzwelt betrachtete die Vorgänge kritisch und die Deutsche Bank rückte in den Focus der Aufsichtsbehörden.

Nach etlichen kontroversen Äußerungen von Vorständen der Deutschen Bank in der Öffentlichkeit waren viele Menschen von einem extremen Arroganz entsetzt und distanzierten sich von der Mentalität dieser Führungskräfte. Diese propagierten die These, uns kann sicherlich niemand als Deutsche Bank etwas anhaben, wir sind über allen Dingen erhaben. Man erinnert sich noch an die Äußerung des damaligen Chefs Hilmar Kopper über Handwerkerrechnungen in Höhe von 50 Millionen Euro, die wohl Peanuts wären. Diese Aufgeblasenheit hat dem Ruf der Deutschen Bank geschadet.

Die weltweite Finanzkrise im Jahr 2008 hat dann viele Länder und auch Banken voll erwischt. Diese geplatzte Finanzblase in Verbindung mit faulen Hypothekengeschäften in den USA hat für die ersten Rückschläge der Deutschen Bank gesorgt. Aber sie zählte damals zu den Banken, die keine staatliche Stützung in der Krise benötigten. Dennoch begann die Misere der Deutschen Bank durch die weiteren Veröffentlichungen von zweifelhaften Geschäften. So gab es die Offshore-Leaks, die im Jahr 2013 mit Informationen über Transaktionen der Deutschen Bank in mehreren Steueroasen, welche von einem Konsortium von Journalisten aus 46 Ländern an die Öffentlichkeit gelangten. Dabei ging es um verschleierte Offshore-Konstrukte, welche mit Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Korruptionsgeldern in Verbindung gebracht wurden. Mit diesen Konstrukten könnte die Deutsche Bank durch eine Verschleierung von Geldströmen Straftaten begünstigt haben. Diese Konstrukte hat das Bankinstitut in einer Broschüre interessierten Kunden offeriert mit der Gründung eines Managements und der Verwaltung von Trusts, Firmen und Stiftungen in Steuerparadiesen schmackhaft gemacht.

Hinzu kamen dann 2014 die Luxemburg Leaks, mit sogenannten Steuervermeidungsmodellen der Deutschen Bank als Licht, wieder in Verbindung mit Steueroasen. Die Serie setzt sich fort mit der Manipulation der Referenzzinssätze von LIBOR und EURIBOR im Jahr 2012, welche die Zinssätze regelt, die diverse Geldgeschäfte der Banken untereinander betrifft. Mit der manipulierten Begünstigung der Zinsen zu ihren Gunsten hat die Deutsche Bank allein im Jahr 2008 500.000.000 Millionen Euro verdient. Die riskanten Hypothekengeschäfte in den USA im Jahr 2012 betrafen verbriefte Hypotheken, bei der die Deutsche Bank Tochter „Bank National Trust“ 1,4 Millionen Familien aus ihren Häusern vertrieben hat. Dabei soll es Dokumenten- und Unterschriftenfälschungen gegeben haben. Diese Aktionen wiederum bedeuteten unter der Leitung von Anshu Jain Gewinne in Milliardenhöhe für die Deutsche Bank. Weiter gab es noch die Nahrungsmittelspekulationen, das Land Grabbing und die Palmölaffäre der Deutschen Bank, die hinsichtlich Umweltschutz und Geldgeschäften mit Nahrungsmitteln starke Zweifel an dem Globalplayer aufkommen ließen. Und so ließe sich diese Negativliste noch beliebig weiter fortsetzen.

Die Strafzahlungen für die mit den Transaktionen verbundenen Gesetzesverstöße hat die Deutsche Bank finanziell geschwächt und ihren Ruf ruiniert. Diese ehemals bedeutende Bank in Deutschland wird auf die damit verbundene Bedeutung eingeschrumpft. Zwar wurden jetzt die Strafzahlungen aus den USA auf 5,4 Milliarden abgeschwächt, aber dadurch wären die Rücklagen der Deutschen Bank schon aufgezehrt. Ihr neuer Chef John Cryen beklagte, dass Spekulanten den Kurs so nach unten getrieben haben und kritisierte so deren Geschäftsgebaren. Dabei vergisst er wohl wissentlich, dass diese Handlungsweise jahrelang auch das Geschäftsmodell der Deutschen Bank mit ihren Spekulationen war. Der internationale Finanzmarkt spekuliert nun darauf, dass das deutsche Bankunternehmen sich nicht mehr selbst von den Lasten befreien kann. Diese riskanten und zweifelhaften Geldgeschäfte der Deutschen Bank hatten schon den Charakter einer verantwortungslosen Selbstzerstörung über Jahrzehnte. Die hohen Renditen haben die Verantwortlichen gegenüber der Realität abheben lassen und sie verlockt, immer höhere Risiken einzugehen.

Nun steht die Bank am Abgrund und die Mitarbeiter bangen um ihren Arbeitsplatz. Und die Verantwortlichen haben noch Boni kassiert und in Ehren die Deutsche Bank verlassen. Auf die Frage zurückzukommen, brauchen wir die Deutsche Bank, wäre die Antwort eigentlich nein, weil die für Bankgeschäfte erforderliche Seriosität dieses Geldinstitut niemals wieder erlangen kann. Dennoch wird schon darüber spekuliert, ob der Staat wieder einmal eingreifen muss. Deutlich muss man sagen, nein nicht schon wieder und das muss bei diesem erworbenen schlechten Ruf durch faule Geschäfte wirklich nicht sein, wenn da nicht die Verbindlichkeiten mit den Verknüpfungen zu den Kunden sowie Aktieninhabern wären. Die Finanzwelt muss selbst sagen, wir retten dieses international tätige Geldinstitut aus Deutschland. Eine Rettung der Deutschen Bank durch den deutschen Staat hätte politische Folgen, weil dieser jetzige katastrophale Zustand der Deutschen Bank durch ihre eigenen Machenschaften entstanden ist. Und viele Menschen haben viel Geld durch die internationale Vernetzung dieses Geldinstituts verloren.

Der Markt der Finanzwelt hat sich deutlich verändert und es bedeutet nichts Gutes, wenn die Bankinstitute tausende Mitarbeiter entlassen. Die Zinspolitik der EZB hat die Geldgeschäfte der Banken auch nicht gerade positiv beeinflusst. Es sieht wirklich so aus als würde sich am Finanzhimmel etwas zusammen brauen. Hoffentlich wird es nicht so schlimm wie im Jahr 2008.

04.10.2016 – WM

Denn sie wissen nicht was sie tun (sollen)! – MK 38-16

Im Fokus der Berichterstattungen über die Schlacht in Aleppo schaut die Welt zu, wie die dort noch lebenden Menschen abgeschlachtet werden. Die Zerstörung der Stadt minimiert den Lebensraum der Menschen. Der Machtapparat Assad hat mit seinen Verbündeten, in der Hauptsache Russland, diese Stadt in einem gnadenlosen Kampf um die Machtverhältnisse in Syrien mit ihrem Bombardement zu einer Tragödie werden lassen, zu einem Überlebenskampf der Menschen in einer sehr schlimmen unmenschlichsten Art. Bei dem zynischen Kampf gegen die Rebellen, die sich zu ihrem Schutz unter den Einwohnern in dieser Stadt befinden, wird der Tod der unbeteiligten Menschen billigend in Kauf genommen.

Bei diesem erbarmungslosen Einsatz der syrischen Luftwaffe und den Flugzeugen Russlands kommen Waffen zum Einsatz, die in der Genfer Konvention geächtet sind und somit diese Barbarei verursachen. Es sind bunkerbrechende Bomben, Streubomben, Brandbomben, Fassbomben und neuerdings auch von Russland ein Waffensystem, welches am Explosionsort mit einer chemischen Reaktion in einem 200m-Radius der Umgebung den Sauerstoff entzieht und die so erfassten Menschen bei lebendigem Leib verbrennen lässt. Es sind Kriegsverbrechen, die dort stattfinden und dessen hat sich der Machthaber Assad und Russland schuldig gemacht.

Die letzte Waffenruhe sollte die Gelegenheit bieten, die Menschen in Aleppo mit Lebensmittel und Medikamenten versorgen zu können. Die UN stand mit ihrem Hilfskonvoi vor der Stadt und wartete auf den Beginn dieser Aktion. Dazu kam es leider nicht mehr und mit ziemlicher Sicherheit haben die Truppen Assads und Russlands diesen Hilfskonvoi bombardiert, und so hat es viele Tote und Verletzte dort gegeben. Dieses war der Auftakt für den Endkampf um Aleppo. In der Stadt befinden sich noch 200000 Menschen, so schätzt man. Die Einwohner sitzen in der Falle und können nicht fliehen. Eine Alternative wäre noch aufzugeben. So findet das dort statt, weswegen Russland sich überhaupt mit seinen Waffensystemen dort befindet, denn es ist überhaupt nicht mehr die Rede vom IS. Es geht eindeutig nur um die Unterstützung des Machtapparates Assad, der schon seit 2011 seine Unmenschlichkeit an der Bevölkerung von Syrien praktiziert.

Die Schande der unterlassenen diplomatischen Lösung lastet schwer auf dem UN Sicherheitsrat, dem auch das Veto-Mitglied Russland angehört. Eine schwer einzuschätzende Gemengelage jeglicher militärischer Gewalt, die dort in Syrien stattfindet, hat es für die Vertreter der Länder unmöglich gemacht, eine diplomatische Lösung für diese Konflikte zu finden. Es ist eine perfide Blauäugigkeit einiger Länder, die dort in dieses Gremium getragen wird. So schätzt die UNO, dass es bereits in den Jahren der militärischen Konflikte in Syrien 400000 Tote gegeben hat. Wer noch glaubte, dass es eine unmilitärische Lösung geben könnte und die Diplomatie einen Weg zur Vernunft findet muss, wendet sich resigniert ab. So muss man letztlich doch irgendwann feststellen, dass es der falsche Weg ist die Einwohner Syriens als einkalkulierter Kollateralschaden mit den Rebellen wegzubomben. Die Menschen bangen um ihr Leben und wer weg kann, flieht aus den Kampfgebieten. Die Flüchtlingsströme verzweifelter Menschen haben wir noch leibhaftig vor Augen.

Aber wie ist es überhaupt in dem Land Syrien zu dieser verzweifelten Lage gekommen? Nein, erst einmal ist es nicht der IS, denn der hat sich erst später eingemischt. Dieses Land Syrien befindet sich bereits seit fünf Jahren in diesem mörderischen Zustand, denn eindeutig Krieg kann man dazu nicht sagen. Den Auslöser hat Präsident Assad selber betätigt, der mit seiner Minderheit der Alawiten allen anderen Gläubigen seinen Zwang des Systems Assad auferlegen wollte. Ein Machterhalt um jeden Preis ohne Rücksicht auf irgend jemanden, das wurde dann zum System Assad. Die Menschen haben so unter der Willkür des Machtapparates gelitten und zwar durch Verhaftungen und der damit verbundenen Folter in den Gefängnissen. Die sozialen Ungleichheiten prägten sich unter der Führung von Assad weiter aus. Die Folgen davon waren Armut und verzweifelte Menschen im Land Syrien. Eine von den Oppositionellen angeprangerte Vetternwirtschaft führte zwangsläufig zu Verhaftungen und Unterdrückungen. Widerspruch bekämpfte Assad ausschließlich mit Gewalt. So führten ethnische Unterdrückungen letztlich zur offenen Gewalt. Das führte zu Verhaftungen von Zivilisten, im Austausch gegen Dschihadisten, die freigelassen wurden. Davon hat sich Assad versprochen, dass diese gegen die rebellierende Bevölkerung vorgeht. Ebenfalls bezog dann Assad eine Zeit lang den IS in sein Machtgebilde ein, unter demselben Aspekt. Die Lage ist so eskaliert und außer Kontrolle geraten, für Assad und auch für seine Gegner.

Letztlich kam es zu Überlagerungen bei den Konflikten. Es waren lokal die Anhänger Assads, die als Gegner rivalisierenden Milizen den Kampf ansagten. Regional gibt es den Iran, die arabischen Golfstaaten, die Türkei mit Problemen bei der PKK und so wollen einige die Macht von Assad erhalten, andere wie die arabischen Golfstaaten und auch die Türkei nicht für Assad kämpfen, sondern ihr eigenes Süppchen kochen. Hinzu kommt auf der internationalen Ebene Russland, die USA und ausländische Dschihadisten, die schon bestehende Interessen Anderer noch einmal durcheinander wirbeln. Und es gibt keinen Stopp an den umliegenden Landesgrenzen. So kämpft mittlerweile auch die libanesische Hisbollah für Assad, ebenfalls dem Iran nahestehende Milizen seit 2012 auch für Assad. Letztlich ist dann noch hinzu gekommen der sogenannte Islamische Staat, der in Syrien und dem Irak aktiv ist. So sind die dort lebenden Menschen stets zwischen irgendwelchen Fronten, das ist bei der Gemengelage nicht vermeidbar.

Klar ist auch, dass die USA lieber Assad im Exil sehen würden. Russland kämpft ausschließlich für sich selbst an irgendwelchen Fronten, so auch da, um wieder anerkannte Weltmacht zu werden und um Entscheidungen in der Welt maßgeblich mit gestalten zu können. Die arabischen Staaten betreiben den Sturz von Assad, um ihre eigenen Favoriten an die Macht zu bringen. So ist Saudi-Arabien mit ihrer Islamischen Front dabei, Katar hat seine Dschabhat Fatah al-Scham im Kampfgeschehen und letztlich unterstützen Teile der saudischen Führung auch noch den IS, weil ihr gewollter Wahhabismus im eigenen Land den propagierten Zielen des IS gleichkommt. Es ist die wahre authentische Lehre des Islam, im Kampf gegen alles Fremde.

Wie soll es möglich sein, jemals wieder eine Befriedung für das Land Syrien zu erreichen? Wäre die Lage ohne Assad und sein Regime anders als sie jetzt ist? Für alle Beteiligten ist aus den Konfliktparteien mit ihren unterschiedlichen Interessen ein „Gordischer Knoten“ entstanden. Wer kann dieses Problem der Konflikte im arabischen Raum lösen und die verschiedenen Glaubensrichtungen des Islams einigen. Wenn irgendwann überhaupt, so verstreichen sicherlich darüber einige Jahrzehnte, soviel ist sicher, alles Andere würde überraschen. Nur für die verzweifelten Menschen in Todesangst ist überhaupt nichts sicher.

Die Machtgier, die Geldgier und die Gewalt deformieren die Menschen auf unserer Erde, machen sie zu Unmenschen, indem sie jegliches Mitgefühl und die erforderliche Menschlichkeit für ein Zusammenleben dadurch verlieren. Können sich die Menschen dieser Erde jemals auf ein Miteinander besinnen?

27.09.2016 – WM

Zu viel Nitrate im Grundwasser – MK 37-16

In den verbreiteten Nachrichten der Fernsehsender schreckt den Bürger in diesen Tagen eine Meldung auf und zwar gibt es in bestimmten Bereichen in Deutschland zu viel Nitrate im Grundwasser. Zuviel Nitrate im Grundwasser fragt man sich, wie kann das sein und was ist zu viel? Und woher kommt das Zuviel? So klären die Nachrichten auf, dass der Grenzwert der zulässigen Belastung in Deutschland bei 50 mg/l liegt. Auch wurden speziell drei Bundesländer genannt, wo bereits 1/3 der Anbauflächen überlastet wären. Dem Zuschauer wird so suggeriert, dass dies ein neues aktuelles Problem sei und plötzlich festgestellt wurde. Mitnichten, es ist ein seit Jahren bekanntes Problem der Überdüngung von landwirtschaftlich genutzten Flächen durch die großen Mengen der dort aufgebrachte Gülle. Gülle (Jauche) sind Exkremente der Massenviehhaltung, wobei in Deutschland 200 Millionen Tonnen jährlich davon anfallen und zwar von 26,9 Millionen Schweinen sowie 12,7 Millionen Rindern. Das Problem hat sich erst gravierend durch die Massentierhaltung für Billigfleisch ausgeweitet. Mit der steigenden Nitratbelastung durch den zu viel entstehenden und zwangsläufig auch verwendeten Dünger zeichneten sich die Probleme beim Grundwasser bereits seit Jahren deutlich ab und die Politik hat der Entwicklung der Überdüngung überhaupt nicht oder nicht rechtzeitig zur Kenntnis genommen und darauf reagiert. Man hat es laufen lassen.

Somit ist es nicht nur ein Problem von Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen. Dieses Problem tritt in der Landwirtschaft überall dort auf, wo in der Viehzucht zwangsläufig Gülle entsteht und als Dünger auf die Wiesen und Felder gelangt. Man hat das Übermaß laufen lassen und die Düngeverordnung (DüV) nicht den Erfordernissen der extrem gestiegenen Viehhaltung angepasst.

Bis zum 8. November 2010 hat es sogar noch Gülleimporte aus Belgien und den Niederlanden in NRW gegeben. Die dann entstandene neue Verordnung hat zur Auflage gemacht, die Gülle mit einer Drucksterilisation zu behandeln. Dieses hat die Importe gemindert, weil es nicht ausreichend Anlagen für diese Behandlung gab.

Der EU wurde es bereits im Jahr 2013 zu viel und sie wollte klagen. Die Verschärfung trat nun im Juli 2015 ein und Deutschland wurde ermahnt, die geltenden Vorschriften im Rahmen der Vereinbarungen einzuhalten. Deutschland brauchte für die Umsetzung mehr Zeit, so die Begründung der Verantwortlichen aus Berlin. Jedoch hat Deutschland schon zu viel Zeit verstreichen lassen und das Problem liegengelassen und ausgesessen. Jetzt erfolgt die Klage beim Europäischen Gerichtshof. Selbst wenn jetzt Auflagen mit dem zu erwartenden Urteil auf Deutschland zukommen, den Schaden hat sich Deutschland unverantwortlich schon selbst zugefügt.

Klar, die Experten in Sachen Düngung für die Landwirtschaft sagen zur Gülle, dass dies ein hochwertiger Dünger sei mit hohen Gehalten von Stickstoff, Phosphor und Kalium. Nitrate sind die Salze und Ester der Salpetersäure (NHO3). Den Fachleuten ist dabei nicht zu widersprechen, denn das ist sicher korrekt. Jedoch ist es vielfach auch in anderen Bereichen so, dass das Maß der Dinge, also die Dosierung, maßgeblich für gut oder schlecht entscheidend ist.

Die bestehende Düngemittelverordnung schränkt allerdings schon jetzt die Ausbringung von Gülle ein und das zeitlich als auch mengenmäßig. Auch sind nahe liegende Gewässer zu schützen und bestimmte Gebiete von der Ausbringung der Gülle ausgeschlossen. Außerhalb der Vegetationszeit ist die Ausbringung ausgeschlossen, somit verboten. In dieser Zeit füllen sich die Tanks mit Gülle bis zum Äußersten und drängen den Landwirt so zur Leerung. Ein weiteres Kriterium zur Düngung ist, dass der Landwirt alle 5 Jahre Bodenproben der Flächen nehmen muss, um so einer Überdüngung entgegenzuwirken. Jedoch wenn dass System der Düngeverordnung einwandfrei nach den notwendigen Erfordernissen funktionieren würde, hätten wir nicht das Dilemma der erhöhten Nitratwerte im Grundwasser. Die Wasserversorger haben die Probleme mit dem Nitrat und müssen Brunnen stilllegen oder ein Mischwasser erzeugten, das die Nitratwerte im gesetzlichen Rahmen hält. Oftmals gibt es eine aufwendigeTechnik bei den Wasserwerken, die dann die Umkehrosmose und die Nanofiltrierung einsetzen, um die Salze aus dem Wasser zu entfernen. Dieses kostet alles viel Geld und wäre ohne Nitratproblem nicht erforderlich. Den Aufwand der Trinkwasseraufbereitung könnte man sich sparen und das gesparte Geld für andere Dinge besser verwenden.

Etliche Landwirte kommen so auf die Idee mit der entstehenden Gülle aus der Viehzucht oder den Resten erzeugter Produkte eine Biogasanlage zu betreiben. Die EU bezuschusst die so mit einem Fermenter betriebenen Anlagen. Dabei ist die Ausbeute an Methan bei Schweine- oder Rindergülle gegenüber anderen Stoffen wie Maissilage nicht so effektiv und steht am Ende einer Nutzungstabelle. So ergibt sich aus Schweinegülle 28 m³/t und aus Rindergülle 25 m³/t nutzbares Methan. Eine Mischung von Stoffen ist somit immer der bessere Weg eine Biogasanlage zu betreiben. Nach der Nutzung der Biomasse in der Anlage ist eine Kompostierung möglich. Aber auch der Dünger ist danach von höherem Wert, weil der Stickstoff für die Pflanzen besser verfügbar ist, die Gülle tropft nach der Ausbringung von Pflanzen besser ab, es ergibt sich eine geringere Geruchsbelästigung und umweltfreundlicher ist es auch noch, weil weniger Methan ausgast. Natürlich gibt es die Gasanlagen hauptsächlich in den Gegenden mit viel Vieh, denn ein Transport der Gülle in eine Gegend mit geringerer Nitratbelastung ist nicht lohnend und wird ohne finanziellen Anreiz nicht gemacht. Dennoch bleibt mit allen Maßnahmen der Nutzung immer noch das Problem der Menge dieses biologischen Düngers in der Landwirtschaft.

Letztlich bleibt nur eine verschärfte Düngemittelverordnung, die konsequent Mengen begrenzt, die Ausbringung von Gülle so weiter einschränkt und neue Möglichkeiten aufzeigt, vielleicht diesen wertvollen Dünger industriell aufzuarbeiten. Eine deutliche Reduzierung der extensiven Viehzucht wäre auch nicht aus den Augen zu verlieren. Die Überdüngung der Böden ist durch eine zeitlich kürzere Kontrolle anhand von ausgewerteten Bodenproben auszuschließen. Unser Trinkwasser ist durchaus schützenswert und sollte oberste Priorität haben. Auch wenn die Befürworter der Gülleausbringung sagen, Nitrat selber ist nicht schädlich, außer ab bestimmten Mengen für Kleinkinder. Jedoch wird dann nach Plan verschwiegen, dass es Umwandlungsprozesse im menschlichen Körper gibt, wobei Nitrit oder Nitrosamine entstehen, die nachgewiesen krebserregend sind. Somit ist auch eine Düngemittelverordnung erforderlich, die diese Aspekte berücksichtigt und den Bürger dahingehend schützt. Bisher mussten und konnten es immer noch die Wasserversorger mit speziell aufbereitetem Trinkwasser richten, aber eine Primärlösung wäre besser und kostengünstiger, indem die Vermeidung der zu hohen Nitratbelastung das Ziel ist. Einschränken, anstatt die Folgen der Extensivität durch besondere Maßnahmen zu beheben, wäre die Ideallösung.

Allerdings gibt es das Problem der Überdüngung nicht nur in der Landwirtschaft sondern auch beim Weinbau in Deutschland. Dort wird natürlich industriell erzeugter Stickstoff in den Weinbergen ausgebracht. Diese Problematik ist  sicherlich differenzierter zu betrachten, wird jedoch erst einmal am Kriterium der Nitratbelastung durch die Stickstoffdüngung allgemein kritisch gesehen. Dennoch ist weniger oft mehr und auch noch kostengünstiger. Bodenproben können direkt klären, ob die Rebstöcke Bedarf an Düngemittel haben, das heißt, sind es über- oder unterversorgte Böden. Und eine Stickstoffdüngung hat nur in der Vegetationsphase einen Sinn. Eine zusätzliche Ausbringung von Phosphor, Kalium, Magnesium und Spurenelementen ist für einen ermittelten Düngebedarf erst nach einem festgestellt Mangel durch die Untersuchung von Bodenproben notwendig. So hat der Winzer auch seine Verantwortung für die Umwelt wahrzunehmen, indem er nur die wirklich benötigten Stoffe bei der Düngung in seinen Weinbergen ausbringt.

Karte der Nitratbelastung in Deutschland

19.09.2016 – WM

Leiharbeit und Werkverträge in Deutschland – MK 36-16

Die deutsche Wirtschaft boomt und glänzt dadurch mit der niedrigen Arbeitslosenquote von 6,1%. Mit einer erstaunlichen Exportquote sowie Exportüberschüssen ist die deutsche Industrie in einem nicht erahnten Höhenflug und verdient sich so eine goldene Nase. Das leisten in der Hauptsache viele der 43,53 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland. Die Verdienstbeteiligung für Arbeitnehmer fällt allerdings unterschiedlich aus, je nach dem, welchen Beruf man ausübt und welche Art Beschäftigungsverhältnis in der Bindung zum Arbeitgeber vorliegt. Der überwiegende Teil der Beschäftigten hat reguläre Beschäftigungsverhältnisse, die keiner Einschränkung unterliegen und wo der Verdienst stimmt.

Etwas problematischer ist es bei den Arbeitnehmern, die nur einen Zeitvertrag haben und das Ende der Beschäftigung absehbar ist. Dieses ist die erste Art von Arbeitsstellen, die den Erwerbstätigen verunsichern, seine Einkünfte schwankend gestalten und die Lebensplanung negativ beeinflussen. Dabei will oder kann der Arbeitgeber diesen Mitarbeiter nicht fest anstellen und bewegt sich wie ein Kapitän auf schwankendem Schiff. Eine wirklich feste Bindung und eine wirkliche Loyalität kann so eigentlich zur Firma nicht entstehen. Die Sicherung des Mitarbeiters mit seiner fachlichen Qualifikation kann bei einer Firma nur die Festanstellung sein, die mit gutem Verdienst den Mitarbeiter bindet. Letztlich macht es sich für die Firma auch bezahlt loyale Beschäftigte in der Firma zu wissen. So stöhnen viele Firmeninhaber darüber, nicht die richtigen Mitarbeiter zu bekommen, obwohl sie die dann auch nicht wirklich gut behandeln. Natürlich gibt es diese eine Art Chefs und auch andere Chefs, die nachhaltig Mitarbeiter beschäftigen.

Oftmals ist es für die Erwerbstätigen durch die gezahlten Niedriglöhne oder Gehälter nicht möglich, sich zusätzlich mit einer privaten Rente abzusichern. Die Altersarmut ist so vorprogrammiert und die Zukunft im Alter sieht düster aus. Eine besondere Form eines Beschäftigungsverhältnisses ist die gewerbliche Leiharbeit und ebenfalls die Möglichkeit, sogenannte Werkverträge abzuschließen. Es ist sicherlich vielfach je nach Leiharbeitsfirma eine Art moderne Sklaverei, die Menschen trotz fachlicher Qualifikation in eine Entlohnung zweiter Klasse zwingt. In Deutschland ist diese Verleihpraxis von Menschen gesetzlich im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgelegt. Dort ist festgelegt, wie lange der Arbeitnehmer an seinem Einsatzort bleiben darf, sehr viel mehr eigentlich nicht. Der Arbeitsvertrag besteht nur mit der Leihfirma und der bietet in besten Fall in der Festanstellung feste Wochenstunden und Urlaub, wobei diese in der Regel von der Normalbeschäftigung negativ abweichen. Die Bezahlung entspricht natürlich nicht unbedingt einem Tarifvertrag und liegt deutlich unter der Bezahlung der Stammmitarbeiter einer Firma, wo der Leiharbeitnehmer zurzeit arbeitet, auch wenn er dieselbe Arbeit verrichtet. Es ist ein gravierender Verstoß der Gleichbehandlung, welcher vom Gesetzgeber allerdings so gewollt ist und somit auch toleriert wird. Sicherlich ist der Anteil der Leiharbeitnehmer von ca. 1 Million gegenüber den Gesamtbeschäftigen mit 2,3% gering. Wer sich aber einmal in der Mühle der Leiharbeit befindet und das aus unterschiedlichen persönlichen Gründen ist ziemlich geknechtet, obwohl er sich mit seiner Arbeitskraft nicht erkennbar schlechter einsetzt als sein Kollege Stammmitarbeiter an derselben Arbeitsstelle. Es ist so diese Zweiklassengesellschaft in der Arbeitswelt entstanden.

Wer allerdings glaubt, dass Leiharbeit eine deutsche Erfindung ist, der irrt gewaltig. Die Anfänge liegen in Amerika um die Zeit von 1948, wo die Zeitarbeitsfirma „Manpower“ gegründet wurde. In Deutschland beginnen die ersten Aktivitäten bereits 1960, wobei das Bundesverfassungsgericht erst das Monopol der Behörden aufheben musste, um so den Zugang der privaten Verleihfirmen zur Zeitarbeit zu ermöglichen. Bereits 1972 entstand das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, um eine staatliche Kontrolle zu erreichen und praktisch Lizenzen für die Leiharbeitsfirmen zu erteilen. Eine markante Regel legte jedoch damals fest, dass ins Baugewerbe erst einmal keine Leiharbeitnehmer durften. In den Jahren bis 2003 erhöhte sich per Gesetz die Beschäftigungsdauer von Leiharbeitnehmern an einem Arbeitsort der Fremdfirma.

Der „Dammbruch“ ereignete sich erst in dieser Welt der Leiharbeit im Rahmen der Agenda 2010 mit einer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes unter Kanzler Schröder im Zusammenwirken mit Wirtschaftsminister Clement. Die Beschränkung der Überlassungsdauer von Leiharbeitnehmern fiel weg und führte zu einer freien Auslegung der Beschäftigung von Leiharbeitnehmern in den Firmen. Nun brachen für Leiharbeitsfirmen praktisch goldene Zeiten an und Firmen konnte ihre Kosten für Mitarbeiter deutlich senken, indem sie ihre Stammbelegschaft reduzierten. So entstanden vielfach aus der Stammbelegschaft noch mehr Leiharbeitnehmer mit natürlich niedrigeren Kosten für die Firma. Kein Wunder also wenn qualifizierte Fachkräfte zu etlichen Firmen die Mitarbeiter suchen ein gespaltenes Verhältnis haben. Man degradierte so die Kompetenz und das Selbstwertgefühl vieler Mitmenschen mit einer Fachausbildung, verbunden mit einer deutlich geringeren Verdienstmöglichkeit. Klar und eindeutig gesagt betrifft das Beschriebene nicht nur Ausnahmen in diesem besonderen Bereich der Arbeitswelt. Denn ursprünglich war Leiharbeit in bestem Sinn nur zum Kapazitätsausgleich in Firmen geschaffen worden. Die einsetzende Gewinnmaximierung in etlichen Firmen und der damit verbundene Missbrauch von Zeitarbeit hat erst den Schlund des Pseudoarbeitsmarktes Leiharbeit geöffnet. Günstigstenfalls konnte der Leiharbeitnehmer von der Firma, der er gerade seine Arbeitskraft zur Verfügung stellte, in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden. Das waren die Aussichten in dieser Art der Beschäftigung.

Nun will es unsere Arbeitsministerin Nahles richten und das AÜG ändern. Proteste in der Vorankündigung im November 2015 gab es schon durch Herrn Dulger von Gesamtmetall. Die Lobby hat schon im Vorhinein Einspruch erhoben und gegen mögliche Beschränkungen protestiert. Ja, ja, es könnte ja was vom Gewinn durch die Lappen gehen. Jedoch hat sich Gesamtmetall schon immer bei Veränderungen schwer getan und das schon zu Zeiten von Herrn Hundt. Der absolute Turbo-Kapitalismus war noch nie eine gute Grundlage für eine gerechte Gleichbehandlung von Arbeitnehmern und veränderte Sozialstrukturen. Jedoch muss man auch sehen, dass es zwischen 2003 und 2013 Verbesserungen bei der Leiharbeit per Gesetz gegeben hat, aber eben oft nur mit marginalen Auswirkungen auf die Entlohnung der Mitarbeiter.

Der neuerliche Entwurf von Frau Nahles zum Arbeitnehmerüberlassungsgesetz sieht vor, dass nach 9 Monaten der Leiharbeitnehmer wie der Stammarbeitnehmer zu entlohnen wäre und nicht erst nach 12 Monaten ohne Überstunden. Abweichungen sollen aber durch Tarifverträge möglich sein. Es sei der Grundsatz zu Equal Pay festzulegen, allerdings mit der tariflichen Öffnungsklausel. Mitnichten ist so eine Wende der Zweiklassenentlohnung einzuleiten. Weiterhin müssen also so Menschen ihre Arbeit in Vollzeit verrichten, ohne wirklich Vollzeitlöhne zu erhalten. Es wird dann auch weiterhin so sein, dass 5,7% der Leiharbeitnehmer wie 2015 Harz IV beziehen müssen. Es wird dann auch weiterhin so sein, dass es Lohnzuschüsse zur Leiharbeit an Arbeitgeber gibt. Es wird auch weiterhin so sein, dass eine Altersarmut für viele Leiharbeitnehmer schon so gut wie sicher festliegt.

Die sich an die Nase packen müssen sind die Inhaber oder die Verantwortlichen von Betrieben der Metall- und Elektroindustrie (36%), dem Maschinenbau (11%) und dem Fahrzeugbau (10%), die Menschen als Fachkräfte von Leiharbeitsfirmen dauernd beschäftigen. Wenn es irgendwie möglich ist, sollten Firmen nur loyale Stammmitarbeiter haben, die leistungsgerecht entlohnt werden. Zugegeben, ja, das ist reines Wunschdenken von mir, aber toll wäre es schon. Man muss sich wohl grundsätzlich die Frage stellen, wie der Anspruch auf Arbeit im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland auszulegen ist. Natürlich steht auch vieles andere im Grundgesetz und……..

Bei den wirklich „tollen“ Werkverträgen wird eine einzelne Arbeitnehmerüberlassung unterlaufen. So kauft dann ein Unternehmen (Leihfirma) eine ganze Arbeitsleistung ein. Es ist die totale Abkoppelung von der realen Arbeitswelt verbunden mit der verbindlichen Auslieferung der Arbeitnehmer an die Festlegungen der Leihfirma, wo sie beschäftigt sind. Auch da will die Regierung nun nachbessern und zwar mit Kriterien für die Abgrenzung zu normalen Arbeitsverhältnissen, festgeschrieben in einem Gesetz. Außerdem soll es eine Informationspflicht für den Betriebsrat geben, die bis jetzt nicht besteht. So soll durch Transparenz der Missbrauch von Werkverträgen per Gesetz eine Eindämmung erfahren und das unter der Obhut von Arbeitsministerin Nahles. Da kann man den Entscheidern wirklich nur ein frohes Schaffen wünschen. Vielleicht merkt es ja jemand in der Öffentlichkeit, dass sich etwas zum Positiven verändert, denn die Nachfrage nach Fachkräften steigt.

12.09.2016 – WM

Der digitale Rausch der Gesellschaft – MK 35-16

Ticken Sie noch analog oder befinden Sie sich bereits im digitalen Zeitalter. Aber mal im Ernst, bekommen Sie noch alles auf die Reihe was rundherum jeden Tag an Emails, Telefonaten, Informationen, Berichten und Fernsehsendungen auf Sie einströmt. Ohne jetzt wirklich YouTube oder andere Videodienste zu erwähnen, ist es oftmals schon recht mühsam, alles vom Kopf her verarbeitet und sortiert zu bekommen. Oftmals hat man jedoch den Eindruck, dass durch permanente Informationsströme und die darauf erwarteten Reaktionen die Gesellschaft vom eigentlichen kommunikativen Dasein des Menschseins abgelenkt und regelrecht daran gehindert wird den normalen menschlichen Kontakt mittels Sprache, Mimik und Gestik auszuleben.

Ja, sogar abscheulich finde ich es, wie die Kommunikationsmöglichkeiten zu denen der Mensch fähig ist missachtet werden und die Menschen dann nur noch zu einem Tippen sowie Schieben auf dem Smartphone verdammt sind. Die Möglichkeiten der Sprache und der Verständigung verkümmern und verfremden so die Menschen. Der Rausch der Digitalisierung hat die Menschen in ihrem Bann genommen und so auch schon zu einer veränderten Gesellschaft geführt. So gilt es oftmals nur noch Emails zu checken, im Blog zu schreiben oder zu lesen, natürlich den „Freunden“ in den sozialen Medien zu posten, auch den „Gefällt-mir-Klick“ nicht zu vergessen und sich so absolut dem modernen „Digitalismus“ auszuliefern. Der Datenaustausch vollzieht sich immer schneller und drängt die Menschen so zwangsläufig zu den erwarteten schnelleren Reaktionen. Natürlich zwischendurch noch eine Fernsehsendung schauen, quasi im vorbeigehen, Radio oder MP3 mit dem Smartphone hören ist auch kein Problem. Letztlich kommt dann noch Amazon mit seinem Dash-Button als Heilbringer der Menschheit und will uns die Dauerabhängigkeit für unkontrollierte Bestellungen sanft aufzwingen. Au weia, fast hätte ich vergessen, die neusten Nachrichten mit der entsprechenden App abzurufen, denn es könnte ja ein Sack Reis irgendwo in China umgefallen sein. Und dann ist man auch noch fast bei Rot über die Ampel gegangen, aber man wollte ja nur die SMS fertig schreiben. Solche Dinge passieren dann und das immer öfter.

Die permanente Informationsüberflutung durch die zunehmende Digitalisierung hat uns moderne Menschen voll erwischt und fixiert uns gegen unsere Natur in uns selbst. Diese Reizüberflutung durchdringt den Menschen förmlich und gilt als Auslöser für geistige Erschöpfung, Stress und Depressionen. Somit verändert dieser Informationsstress unsere Gehirnaktivitäten und führen zu veränderten Reaktionen. Die Sache der Digitalisierung drängt sich permanent in der Vordergrund und die Menschlichkeit verkümmert, bleibt somit auf der Strecke. Datensüchtige gibt es auch schon bei den Jüngeren, aber auch bei den Erwachsenen mit zunehmender Tendenz. So wird wohl auf Dauer diese Informationsflut auch die kognitiven Fähigkeiten beim Menschen verändern, wohl eher nicht verbessern. Es ist die Fähigkeit einer Aktion, um Wissen zu verarbeiten. Es sind im einzelnen die Wahrnehmung, das Erinnern, das Denken und der Einsatz unserer Sprache. Es sind somit Leistungen des Gehirns Sinnesreize zu bewerten und zu verarbeiten. Weiterhin umfassen die kognitiven Fähigkeiten sämtliche Wahrnehmungen unseres Intellekts, verbunden mit der verstandesmäßigen Grundlage. Dieses führt in der Regel zu neuen Gedächtnisinhalten, die den Menschen in die Lage versetzt Situationen einzuschätzen, zu bewerten und daraus Schlussfolgerungen abzuleiten. Die Frage ist jedoch, wie verändert sich der Mensch im digitalen Zeitalter mit seinen Fähigkeiten?

Sicherlich, unserer modernes Gehirn kann sich auf neue Anforderungen recht gut einstellen. Aber, unser Gehirn braucht auch Erholung, Entspannung und das ist der entscheidende Punkt in dieser Betrachtung. Das Gehirn kann jedoch auch nicht gut mit einer permanenten Reizüberflutung umgehen und das ist in unserem digitalen Zeitalter oftmals der Fall. Also, man kann es drehen und wenden wie man will, unter Daueraktivität werden wir krank.

Natürlich kann unser Gehirn auch die Informationen vielfach nutzen, um neue Gehirnareale zu aktivieren. Dieses kann sicherlich auch zu neuen Fähigkeiten führen. Aber die Gefühlswelt wird sich wohl verändern, die menschliche Kommunikation verkümmern und es werden wohl dann auch etliche Fähigkeiten des Menschen einen fortwährenden Veränderungsprozess durchlaufen. Im 24 Stunden-Dauerinformationsstress kann der Mensch nicht wirklich mehr den Ansprüchen der modernen Gesellschaft langfristig gerecht werden. Die Folge wird wohl sein, dass das Gehirn streikt und schlichtweg die Arbeit verweigert oder komplett einstellt. Der Mensch ist krank.

Gibt es nun einen Ausweg in dieser modernen Welt der Digitalisierung? Klar, gibt es und der ist einfach. Es ist wie vieles beim Menschen eine Sache der Dosierung, die dem Gehirn die Möglichkeit gibt Informationen zeitnah zu filtern und für sich auszuwerten. Denn aufhalten wird diese technische Entwicklung der Digitalisierung wohl niemand. Ein zwischenzeitlicher Erholungsprozess tut das Seine und erlaubt dem Gehirn sich von seinen ihm zugemuteten Aufgaben zu erholen. Wohl dem Menschen, der dieses so umsetzen kann und sich nicht mit Unwichtigkeiten oder auch Nichtigkeiten belastet. Man muss auch als moderner Mensch nicht alles wissen, geschweige denn können. Die Perfektion ist als Mensch nicht erreichbar. Wenn einmal ein paar Informationen an einem vorbei fließen sollten, ist es auch nicht so schlimm. Derjenige, der nicht selbst filtern kann, soll heißen, ein jüngerer Mensch sollte unter einer verantwortungsvollen Betreuung dazu geleitet werden. Die Hauptsache ist doch, dass wir uns in unserer Lebenssituation auf das für uns Wichtige konzentrieren können und den Bezug zu den Mitmenschen und zu unseren menschlichen Gefühlen nicht verlieren. Denn Herausforderungen durch technische Entwicklungen hat es auch schon immer für die Menschen gegeben, jedoch wurde ein wesentlicher Punkt stets beachtet, nämlich Aktivität und Ruhe ausgewogen im Tagesablauf zu gestalten. Die Frage ist jedoch letztlich, wie lange können wir dieses für uns persönlich noch regeln?

06.09.2016 – WM