Olympische Nachlese Rio 2016 – MK 34-16

Die Tage der sportlichen Wettkämpfe bei den diesjährigen olympischen Spielen in Rio, der Hauptstadt Brasiliens, sind vorbei und die Sportler sind bereits wieder in ihrer Heimat angekommen. Eine prunkvolle, protzige und teure Abschlussfeier im Hauptstadion Maracana, mit Eintrittspreisen von 820 € und eine verlöschende olympische Flamme beendete die olympischen Spiele, die IOC-Präsident Thomas Bach mit dem Adjektiv „wundervolle Spiele“ in seiner Schlussrede bezeichnet hat. Somit war nur den betuchten Besuchern der Zugang zur Abschlussfeier überhaupt möglich. Der Präsident des IOC setzte damit die Serie der vollendeten Superspiele, zumindest sprachlich fort, um sich damit nur nicht von seinen Vorgängern zu unterscheiden. Aber waren es wirklich wundervolle Spiele wie es Thomas Bach im Stadion bezeichnet hat? Wohl nicht wirklich, weil etliches im Argen war und beileibe nicht wundervoll.

Für die teilnehmenden Sportler waren es natürlich ihre olympischen Spiele, auf die sie sich vier Jahre lang vorbereitet hatten, um mit der Zielsetzung eine Medaille zu gewinnen ihre persönliche Bestleistungen zeigen wollten. Die Freude dieser sportlichen Teilnehmer ist kennzeichnend für den wahren olympischen Gedanken, den Piere de Coubertin als Begründer der modernen Olympischen Spiele im Jahr 1880 äußerte, als er diese wieder ins Leben rief. Den Sportlern möchte ich ihre Freude auch nicht aberkennen, obwohl diese sicherlich durch einige Punkte betrübt wurde.

Wieder mal waren es keine kostengünstigen Spiele, weil der Kommerz alles von oben herab bestimmte. Das Kostenvolumen von mehreren Milliarden zweigte das Land Brasilien von ihrem Etat ab und hätte sicher besser das Geld in den landesinternen Aufbau gesteckt. Der Landesbereich Rio steht vor einer Notsituation ihrer Ausgabenseite. Protzig vordergründig und sparsam bzw. unvollkommen an der Einrichtungen, welche die Sportler nutzen mussten. So waren die Unterkünfte nicht wirklich optimal fertig gestellt und es gab etliche Reklamationen, die den Sportlern die gute Laune vermiest haben. Die Transfers der Sportler zu den Wettkampfstätten war suboptimal, was auch für das tägliche Essen zutraf. Natürlich könnte man jetzt sagen, es gibt immer Leute, die was zu meckern haben. Damit wäre es aber nicht treffend genug bezeichnet, weil es schlimmer war und in keinem Fall wundervoll. Organisatorische Mängel waren unübersehbar, wie die vergammelte Wasserqualität vor der Küste, dem grünen Wasser im Springerbecken und die „schlechte“ Wegstrecke der Kanuten.

Augenscheinlich schlecht besuchte Stadien, die von wenig Interesse an den Sportveranstaltungen zeugte, den Menschen einfach zu teuer waren oder ihre persönliche Lebenssituation dies als nicht wichtig erachtete. Vielleicht hätte man den Brasilianern vor den olympischen Spielen sagen sollen, dass außer ihrer eigenen Sportler auch noch andere daran teilnehmen, die ihre zu beachtenden Leistungen allen Besuchern in den Stadien zeigen wollen. Klar, zuerst ist man natürlich für die Landsleute, das ist verständlich, aber es sollte auch nicht so sein, dass die ausländischen Sportler diesen mangelnden Respekt deutlich zu spüren bekamen. Deswegen ist es unsportlich, Sportler andere Nationen auszubuhen oder auszupfeifen. Das verbietet der Anstand, denn jeder Leistungssportler sollte respektiert werden. Im Nachhinein könnte man sagen, es gibt nicht nur brasilianische Sportler und Usain Bolt, um dann als Besucher fluchtartig danach das Stadion zu verlassen. Deutlich zu spüren war der fehlende olympische Gedanke bei den Besuchern.

Für das größte Problem bei der diesjährigen Olympiade hat IOC-Präsident Thomas Bach persönlich gesorgt. Er hat die russische Mannschaft nicht kategorisch von den Spielen ausgeschlossen, obwohl kollektives Staatsdoping nachgewiesen war. Ein Akt der nicht nur von vielen Menschen scharf kritisiert wurde, sondern auch bei den Sportlern für Entsetzen sorgte. Wie sollen Sportler mit Konkurrenten umgehen, die nachweislich gedopt waren und neben ihnen an den Start gehen. Leider war ein Aufbäumen der „sauberen“ Sportler nur bei den Schwimmwettkämpfen zu spüren. Die Sportler haben ihre Abneigung gezeigt, was wesentlich häufiger passieren müsste, damit die Organisatoren aufwachen. Denn man muss es auch klar sagen, das die Organisatoren des IOC eine Fürsorgepflicht gegenüber den Sportlern haben und diese absolut nicht wahrnehmen wollen. Das widerspricht dem olympischen Gedanken, dem alle Sportler und auch die Organisationen unterliegen. Es gibt auch keine fadenscheinige Gründe, die in irgend einer Art und Weise die Einnahme von leistungsfördernden Mittel rechtfertigen könnte. Sportler die nachweislich gedopt waren oder sind müssen in einem Ausschlussverfahren aus dem Leistungssport verschwinden, dass heißt, sie sind auf Lebenszeit zu sperren, allein um nicht gedopte Leistungssportler zu schützen. Allerdings sind die Methoden der Prüfungen auf der gesamten Welt im Sport unzureichend, mangelhaft und funktionieren vielfach auf nationaler Ebene nicht. Es darf eben keinen Staatssport geben, der kriegsähnlich ausgeprägt ist und Konkurrenten bekämpft und in der Folge davon wird gedopt ohne Rücksicht auf Verluste.

Es reicht eben nicht aus die olympischen Spiele wundervoll und protzig zu betreiben, es muss auch das sportliche Umfeld stimmen. Das IOC und insbesondere Thomas Bach hat es nicht geschafft eine Wende einzuleiten, sondern es geht weiter so, wie in den Jahren vorher schon praktiziert. Wo bleibt der olympische Gedanke des Gründers Piere de Coubertin und die Idee einer fairen sportlichen Auseinandersetzung von Athleten. Im Moment ist man weit davon entfernt und die Sportler selber sollten darauf hinweisen und sich nicht in einen Regelmechanismus hineinpressen lassen. Ansonsten olympischer Gedanke ade.

29.08.2016 – WM

Zerrbild der Türkei nach dem Putschversuch – MK 29-16

Die Nachrichten über einen Militärputsch in der Türkei haben am 16. Juli alle Europäer in helle Aufregung versetzt. Schnell war klar, dass ein Teil des türkischen Militärs versucht hat, die Macht im Land mit militärischer Gewalt zu übernehmen, was jedoch gescheitert ist. Schon mehrfach wurde im Land Türkei geputscht, zuletzt im Jahr 1980, weil sich das Militär als Hüter des Rechtsstaates sieht. Im Jahr 1980 ist der Putsch gelungen und das Militär hat die Macht der Regierung Demirel entrissen, um die Operation zum Schutz und zur Sicherung der Republik bei der instabilen Lage der Türkei in den 1970-er Jahren durchzusetzen. Eine Volksabstimmung über die vom Militär vorgeschlagene neue Verfassung im November 1982 brachte eine Beruhigung für das Land mit sich. Erst die Regierung um Bülent Ecevit erwirkte ab 1999 umfassende Reformen im Zivilrecht für die Türkei, welche die Menschenrechte und die Freiheitsrechte stärkten. -Ein Militärputsch ist ein klarer Rechtsbruch und Vergehen gegen die Bürger eines Staates und ist deswegen ganz klar zu verurteilen!

Wie ist es eigentlich zu diesem Putsch gekommen? Die Politik Erdogans zielte seit einiger Zeit zunehmend auf ein Präsidialsystem in der Türkei, welches ihm die alleinige Macht garantieren sollte. Schon die letzte Wahl war darauf angelegt, die absolute Mehrheit zu erreichen. Dieses war gescheitert. Die Regierung ist zunehmend auch außerhalb des gesetzlichen Rahmens gegen Regimekritiker vorgegangen. Proteste der Bevölkerung wurden brutal durch die Polizei bekämpft und nicht zugelassen. Weiterhin hat Erdogan zumindest die Aktionen des IS geduldet, wenn nicht gar unterstützt, wie zum Beispiel mit illegalen Rohölkäufen des Staates. Journalisten, die Verbindungen zum IS aufdeckten wurden verhaftet und die Richtung der Politik blieb. Außerdem wurden die aufkeimenden Friedensaktionen mit den Kurden abrupt unterbrochen und die vermeidlichen Feinde der Türkei mit Waffen bekämpft. Dadurch hat Erdogan bei vielen Bürgern den Eindruck des starken Mannes im Staat vermittelt und so vermehrt Zuspruch erhalten. Mit der Mehrheit seiner AKP im Parlament hat es Erdogan geschafft, die Immunität von 100 Politikern der Opposition aufzuheben, um gegen diese mit zweifelhaften rechtsstaatlichen Mitteln vorzugehen. Der Staatspräsident Erdogan hat mit speziellen Maßnahmen zur Erweiterung seiner persönlichen Macht viele Grenzen überschritten und den Staat in eine unsichere Lage gebracht, dadurch auch vielen Menschen Schaden zugefügt. Die Justiz wurde zerpflückt und zahlreiche Journalisten verhaftet. Es war ein Machtstreben Erdogans ohne Grenzen, weil er ausschließlich seine persönlichen Ziele erreichen wollte. Das Land mit den Bürgern der Türkei wurde so von ihrem Präsidenten in unsichere Zeiten geführt.

Und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Ein verunsichertes Land stolpert so durch den missglückten Putsch in die Lage der absoluten Instabilität. Nein, man kann es sich nicht vorstellen, dass dies von Erdogan so gewollt oder geplant wurde, weil es einfach keinen Sinn macht. Jedoch könnte es wohl so sein, dass Erdogans Geheimdienst die Ansätze früh erkannten und deswegen Gegenmaßnahmen einleiten konnten. Die Putschisten mussten verfrüht handeln und die Aktionen waren zum scheitern verurteilt. Mittels Medien hat Erdogan die Menschen für seine Zwecke auf die Straße geschickt, um gegen den Umsturz zu protestieren, was mit einem hohen Gefahrenpotential verbunden war. Diese Turbulenzen führten zu teils chaotischen Szenen auf den Straßen. In den Auswirkungen des Putsches hat dies zu 265 Toten geführt. Der Präsident überlebte den Putschversuch nur mit Glück und Zufall.

Nach den Vorgängen hat Präsident Erdogan den Putschversuch als „göttliche Fügung“ bezeichnet und von nun stattfindenden „Säuberungen“ gesprochen. In dieser Ausnahmesituation wird nun drei Monate per Dekret regiert und es war schon die Rede von einer Verlängerung. So begann dann die Jagd auf Gegner oder vermeintliche Gegner durch geplante Aktionen der Polizeiorgane. Wer, wo und wie verhaftet werden sollte war sicherlich schon in früherer Zeit in den „schwarzen Listen“ von Präsident Erdogan festgelegt, denn soviel Zeit ist nach dem Putschversuch nicht vergangen. So kam es dazu, dass über 10000 Beschuldigte in Haft kamen. Es wurden verhaftet: Staatsbedienstete, Richter, Staatsanwälte, Hochschuldozenten, Lehrer, Journalisten und viele Bürger, die verdächtigt wurden, an dem Putschversuch beteiligt gewesen zu sein. Außerdem kam es nach Regierungsaussagen zu einer radikalen „Bereinigung im Militärwesen“. Zusätzlich kam es zu Schließungen von Wohltätigkeitsorganisationen, Gewerkschaften und Stiftungen, vieles davon deswegen, weil sie dem früheren Weggefährten Gülen nahe gestanden haben sollen. So kam es zu dem großen Rundumschlag von Erdogan als Rache oder besser durch die günstige Situation des gescheiterten Putsches. Alles was irgendwie den Machtdrang von Erdogan stören könnte fiel unter den Begriff Putschisten, Terroristen, Anhänger von Gülen und die waren Gegner, Gegner, die es auszuschalten galt. Alles soll unter dem Oberbegriff Rechtsstaatlichkeit ablaufen, was jedoch kaum jemand glauben mag.

Die Aufwiegelung der Menschen als Erdogans schärfste Waffe spaltet die Bevölkerung der Türkei gravierend und trennt damit Befürworter oder Gegner der Politik des nach absoluter Macht strebenden Präsidenten. Es breitet sich allgemeine Angst in der Türkei unter den Menschen aus, die auch teilweise zu Panikreaktionen führt. Hinzu kommt noch, dass 11000 Pässe für ungültig erklärt wurden, um die Menschen zu verbannen, die vielleicht dem Chaos entfliehen wollten. In einem Anflug von überzogenem Machtgebaren kam es seitens der Regierung der Türkei zur „Rückbeorderung“ der im Ausland arbeitenden türkischen Wissenschaftler. So erinnern alle Maßnahmen an eine Art Hexenjagd auf alles und jedes, was irgendwie die Machtentwicklung des Regimes Erdogan in der Türkei stören könnte. So möchte wahrscheinlich später einmal Präsident Erdogan in einem Atemzug mit dem Gründer der Türkei Cemal Atatürk genannt werden. Den entsprechenden Palast hat er sich ja schon bauen lassen. Das passt also schon einmal.

Die Wirtschaft der Türkei wird extrem unter dieser Entwicklung leiden und bei dieser Verunsicherung ziehen Investoren ihr Kapital ab. Der Einbruch der Wirtschaft wird sich deutlich zeigen und zu Veränderungen im Warenaustausch mit Europa führen. Bei den Reisegesellschaften ist es jetzt schon zu spüren, dass die Touristen vermehrt ausbleiben. Sicherlich führt diese unsichere Situation auch bei etlichen Bürgern der Türkei dazu, dass man sich einen Aufenthalt außerhalb der Türkei vorstellen kann. Die bekannte Entwicklung der konzentrierten Macht war in der Türkei noch nie von langer Dauer, das zeigt die Geschichte. Zusätzlich ist spürbar, dass sich die Türkei durch die Konzentration der Regierungspartei AKP im Parlament zu einem islamischen Staat entwickeln könnte und so die Trennung von Staat und Religion wieder verloren geht.

Man muss sich zwangsläufig die Frage stellen, ob die EU-Eingliederungsgelder in Milliardenhöhe seit 2007 überhaupt bei der Türkei eine Sinn ergeben. Diese sollten schwerpunktmäßig zur Förderung der Demokratie, der Zivilgesellschaft sowie der Rechtsstaatlichkeit in der Türkei dienen und sicher stellen, dass die Türkei die Aufnahmekriterien für den Beitritt in die Europäische Union erreichen kann. Nun wirkt die Entwicklung zu einem autoritären Regime dem entgegen. Die Fördergelder zwischen 2007 und 2013 betrugen bereits 4,8 Milliarden Euro und es sollen noch weitere Gelder fließen. Die Entwicklung in der Türkei für eine Aufnahme in die EU würden wirkungslos verpuffen. Wie will Erdogan nun weiter vorgehen? Kommt es wirklich wieder zu einer demokratischen Rechtsstaatlichkeit ohne Einschränkung der Menschenrechte? Zurzeit gibt es für viele Fragen zur Entwicklung in der Türkei keine Antwort, weil sich der Staat in einer abstrusen Situation befindet. Kann sich die Lage in der Türkei mit den Säulen der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte wieder stabilisieren? Die Forderung der Wiedereinführung der Todesstrafe ist dafür kein gutes Zeichen. Welchen Weg geht nun die Türkei?

26.07.2016 – WM

Brexit oder doch nicht? – MK 24-16

Die Briten haben über ihren Verbleib in der EU abgestimmt und die Befürworter des Austritts haben das Referendum für sich entscheiden können. Jetzt müsste normalerweise die Prozedur des Ausscheidens zur Verhandlung mit der EU-Kommission in Gang gesetzt werden. Doch im Land der Briten regt sich Widerstand gegen die Durchführung des Referendums, zurecht wie ich finde.

Die Abwicklung dieses Referendums war von Beginn an, also der Festlegung überhaupt, recht zweifelhaft. Wie schon im letzten Artikel bemerkt, hat David Cameron als Premierminister dieses Referendum ausgelöst, weil er sich parteipolitisch bei den Tories bedrängt fühlte. Einer der Verursacher war der ehemalige Bürgermeister Jonson von London. Nur um dem Druck auszuweichen hat Cameron diesem Referendum zugestimmt. Wahrlich ein politischer Balanceakt per Excellence, der ausschließlich parteipolitische Belange befriedigen sollte. Ein Premierminister spielt um die Belange seines Landes, für das er einen Eid abgelegt hat, Schaden von ihm abzuwenden. Auch die Vorbereitungen zum Referendum und die Bedingungen hatten den Normalwahlcharakter und nicht die einer Schicksalswahl für Großbritannien.

Über Jahre hinweg hat David Cameron über viele Belange zur Europäischen Union geschimpft und starke Zweifel angemeldet. Die Bürger Großbritanniens haben so den Eindruck vermittelt bekommen, dass ihr Land nur gequält wird und hohe Abgaben leisten muss. Über die Vorteile einer Mitgliedschaft in der EU scheint man nicht viel Worte verloren zu haben. Das hat sich so über viele Jahre hingestreckt. Nun plötzlich vor dem Referendum hat Cameron die Briten beschworen, doch für den Verbleib zu stimmen, weil Großbritannien die Europäische Union braucht. Wie könnte Politik noch unglaubwürdiger sein, bei einem solchen Verhalten des Premierministers.

Dieses Referendum hat überhaupt nicht die Belange von Nordirland, Wales und Schottland berücksichtigt, die vornehmlich gegen einen Brexit gestimmt haben. Weiterhin ist die Wahlbeteiligung von 72% ein Armutszeugnis für die Beteiligten an diesem Referendum, einer Schicksalsabstimmung. Erschreckend war für uns Außenstehende die verheerende Argumentation der Brexit-Anhänger, insbesondere von Nigel Farage (UKIP) und Boris Jonson (ehem. Bürgermeister von London), die mit vielen Halbwahrheiten sowie Unwahrheiten die Menschen praktisch gegen die Europäische Union aufgehetzt haben. Selbst auf ihrem Wahlkampfbus stand schon als Hauptargument eine Unwahrheit, nämlich die Posse von 319 Millionen täglich für die EU von Großbritannien. Auf das Befragen von Nigel Farage, ob dieses Geld denn nun in die Gesundheitskassen fließen können, hat dieser das vehement verneint. Das erste Hauptargument gegen die EU ging damit schon einmal flöten. So haben ganz klar falsche Informationen viele Menschen in ihrer Wahl auf einen falschen Weg gebracht und damit zur Abstimmung gegen die EU. Das Land wurde von der Partei UKIP durch Nigel Farage und gleichfalls von Boris Jonson gnadenlos für ihre Zwecke auseinander getrieben. Nach dem Referendum wurde es recht still um Boris Jonson!

Nein, so kann man das Vereinigte Königreich nicht den Populisten überlassen Herr Cameron! Der Anzettler dieser Aktion einer Spaltung des Landes hat schnell das Boot verlassen und seinen Rücktritt verkündet. Das Land bäumt sich nun zurecht auf, besonders die jungen Menschen, die zu 70% für den Verbleib in der EU stimmten und die wollen mit einer Petition ein zweites Referendum erreichen. Das macht besonders die Halbherzigkeit dieses Referendums den Bürgern außerhalb Großbritanniens klar. Auch die zugehörigen Staaten Schottland, Wales und Nordirland haben die Reißleine schon gezogen und wollen beim Brexit nichts mehr mit England zu tun haben, was ein staatliches Desaster ist und das Vereinigte Königreich auseinanderreißen würde.

Das Wahlergebnis in Großbritannien haben die Briten für ihr Land zu verantworten und niemand sollte ihnen da reinreden. Jedoch müssen sich die Briten nun viele Kommentare zum Referendum gefallen lassen. Diesen Ausgang der Wahl hat das Vereinigte Königreich mit seinen Menschen wahrlich nicht verdient. Zumal die populistischen Argumente dubios verbreitet wurden. Das britische Parlament könnte dieses Referendum missachten und seine eigene Entscheidung treffen, aber dann würde sich die Politik noch unglaubwürdiger auf die Menschen auswirken. Dennoch wäre es möglich in letzter Sekunde noch den Not-Aus Taster zu drücken, denn der Austrittsbrief liegt dem Präsidenten der EU-Kommission noch nicht vor und dabei haben es selbst die Brexit-Befürworter damit nicht eilig. Natürlich weiß man nicht, ob Brüssel einen zunehmenden Verhandlungsdruck begründet durch das Referendum der Briten tolerieren könnte, wenn ja, dann sicherlich nicht zu denselben Konditionen wie vor der Wahl, wenn überhaupt. Vielleicht haben die EU-Befürworter mit ihrer Petition eine Chance, wobei es sicherlich auch mit der Anzahl der Beteiligten zusammenhängt. Großbritannien muss um seinen Erhalt kämpfen und darf sich nicht von einer nach Rückwärts gerichteten Politik der EU-Gegner beeinflussen lassen. Diese Menschen haben sicherlich noch nicht die Veränderungen der globalisierten Welt mit den extremen Herausforderungen für uns Menschen wirklich wahr genommen und wähnen sich in ihrer Welt, einer eher unrealistischen Welt, aber dieser Wandel erfordert vor allen Dingen Zusammenhalt.

Den jungen Menschen in Großbritannien darf die Zukunft nicht verbaut werden, denn die fühlen sich eher bei der Europäischen Union gut aufgehoben. Gemeinsam ist die Europäische Union stark, jedoch mit Großbritannien stärker. Aber, die Briten müssen es selbst am besten wissen. Wahrscheinlich ist es jedoch, dass sich die Briten bei einem Austritt „recht warm anziehen müssen“ und das bedeutet nichts Gutes. Allein deswegen ist es jedoch clever von Premier Cameron, die Austrittsverhandlungen mit der EU von seinem Nachfolger durchführen zu lassen. Dennoch, er ist der einzige Verursacher für das sich jetzt abspielende Desaster, was ja schon wirtschaftlich feststellbar ist. Dieses ist jedoch erst der Anfang.

Eine in die Jahre gekommene Europäische Union muss dringend der Zeit entsprechend aktualisiert werden und ihren Mitgliedsstaaten mehr Eigenständigkeit gewähren. Ein grundsätzliches Regelwerk für die EU festzulegen also übergeordnet, das ist die Aufgabe der Europäischen Union. Arbeitslosigkeit, Staatsschulden und eine ausgeprägte Steuervermeidung oder Steuerflucht beeinträchtigen eine funktionierende Europäische Union. Die Menschen nehmen die EU natürlich war, verstehen jedoch nicht wirklich, welche Dinge überhaupt aus Brüssel zu regeln sind. Es fehlt eine klare Informationspolitik durch die EU-Politiker. Nur mit Informationen ist eine Bewertung der Aufgaben überhaupt erst möglich. Jedoch hat auch jeder Bürger eine gewisse Informationspflicht!

27.06.2016 – WM

Ist der Brexit die Lösung für die Briten? – MK 23-16

Nun findet zum ersten Mal in der Geschichte Großbritanniens eine historische Wahl statt. Dieses soll am 23. Juni als Referendum zur Abstimmung der Bürger über den Verbleib des Landes in der Europäischen Union durchgeführt werden. Diese Wahl hat wahrlich eine historische Bedeutung und entscheidet darüber, ob England zur begrenzenden Nationalität zurückkehren will oder weiter Mitglied einer Gemeinschaft sein möchte. Soviel ist zum jetzigen Zeitpunkt klar, dass es eine knappe Entscheidung sein wird. Dieser Ausstieg wäre kein Ausstieg auf Probe, sondern endgültig.

Dabei steht Europa gerade jetzt vor gewaltigen Herausforderungen wie der Bewältigung der Flüchtlingskrise, dem aufkommenden Terrorismus, den ungebremsten wirtschaftlichen Problemen sowie ein sich extrem entwickelnder Rechtspopulismus, der Europa in eine egoistische und nationalistische Richtung drängt. Nein, Probleme dieser Art kann man nur gemeinsam in Europa lösen und sich gegenseitig stützen, damit unsere Europäische Union stark bleibt und das kann man eben nur in einer Gemeinschaft. Nur die gemeinsame Wirtschaftskraft der Europäischen Union kann in der globalisierten Welt auf Dauer bestehen und so im internationalen Machtringen eine erst zunehmende Rolle spielen. Nationale Alleingänge braucht Europa jetzt nicht, nicht in einer Zeit offensichtlicher Schwäche.

Die Briten sollte sich besinnen und darüber nachdenken, wie sie von der Europäischen Union wirtschaftlich über Jahre profitieren konnten und das Vereinigte Königreich dadurch einen wirtschaftlichen Schub bekommen hat. Gut, den Euro hat Großbritannien noch nicht als Währung aus der Europäischen Union übernommen, aber gerade vom europäischen Binnenmarkt und dem damit verbundenen freien Handel hat das Land profitiert. Die Idee eines freien Europa mit einer gefestigten Demokratie durch Frieden, Freiheit, Menschenrechte und Solidarität machen doch die Europäische Union aus und sind ihre Stärken. Auch die kulturelle Vielfalt der Mitgliedsländer ist zu keinem Zeitpunkt ein Problem gewesen, weil die Europäische Union ein loser Staatenverbund ist. Das alles wollen die Briten aufs Spiel setzen?

Aber wie ist es eigentlich zu diesem Referendum gekommen? Die Querelen in der Europäischen Union sind bekannt und wurden oft vom Premierminister Cameron geschürt. Wie in einer großen Familie gab es immer mal wieder Streit, der meistens nichts Grundsätzliches betraf und man den Eindruck hatte, David Cameron wollte es immer wieder mal versuchen, bessere Bedingen für das Mitgliedsland Großbritannien herauszuholen. Jedoch wäre es rein oberflächlich betrachtet, wenn man es so sehen würde. Es bestehen schon strukturelle Probleme in der Ausrichtung der EU und vor allen Dingen in der Umsetzung von europäischen Richtlinien und Gesetzen. Man könnte meinen, dabei kommen die Nationalen Interessen etwas zu kurz. Einige Länder wie auch Großbritannien kommen sich von der Europäischen Union gegängelt vor. Aber wie sollte man sich unter 28 Ländern wohl einigen können, bei so viel sozialen Unterschieden und spezieller, kultureller Prägungen. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass es wie in einer langjährigen Ehe stets ein Geben und Nehmen sein wird, denn das ist der grundsätzliche Geist der Gemeinschaft dieser EU. Mal muss man verzichten, mal profitiert man als Staat von den Entscheidungen aus Brüssel. Und die Briten haben gut davon profitiert. Nur so kann Gemeinschaft funktionieren. David Cameron hat sich zum Referendum aus politischem Kalkül entschlossen, auch weil er vielleicht nur so dem politischen Druck ausweichen konnte. So hat er noch vor gar nicht langer Zeit die Werbetrommel dafür gerührt, dass es England ohne EU besser gehen würde. Nun ist alles plötzlich ganz anders und der Premierminister warnt sogar vor dem Austritt. Alle politischen Kreise sind aufgeputscht und unruhig, besonders die Brexit-Befürworter. Dazu zählt Cameron jetzt nicht mehr und er wünschte sich sicher, dass sich der Schlamassel zum Positiven auflösen würde. Ja, ja, die Geister, die man rief…. Den Investoren klingeln jetzt schon die Ohren und die Industrie in England befürchtet Einbrüche bei dem Warenaustausch. England hätte auf einen Schlag keine Handelspartner mehr und der Finanzstandort London wäre so infrage zu stellen. Somit würde ein Austritt aus der Europäischen Union nichts Gutes bedeuten, auch nicht für die verbleibenden EU-Länder. Aber auch für die Bürger in Großbritannien würden sich etliche Nachteile ergeben, weil sich die Finanzlage des Landes ändert. Steuererhöhungen und die Kürzung von Sozialleistungen wären die Folge. Und mit der Konjunktur würde es ebenfalls abwärts gehen in Großbritannien. Würden wohl nach einem Austritt Großbritanniens auch noch andere Staaten einen Austritt in Erwägung ziehen?

Nüchtern betrachtet sind die Befürworter der EU wohl in Wales, Schottland und Nordirland zu finden. Die Wähler in England sind gespalten und die Befürworter des Austritts hetzen die Menschen auf, verbreiten falsche und verfälschte Parolen zur Verbundenheit mit der EU. In deren Augen ist ein nationaler Alleingang die absolute Lösung für vermeintliche Probleme in Großbritannien. Ist ein Brexit wirklich ideal für das Vereinigte Königreich? Es ergeben sich eigentlich nur Nachteile für alle und die zurzeit instabile Lage der Europäischen Union würde durch den Austritt nicht verbessert. Die Rechtspopulisten wittern Morgenluft und möchten gerne alles für sich mit negativen Parolen ausschlachten. Dem muss man eindeutig Einhalt gebieten und die Bürger darüber aufklären, dass diese tollen Parolen, die Gutes bringen sollen, nur Schall und Rauch sind. Verbessern kann sich dadurch nichts in der EU, außer die Lage der Rechtspopulisten selber.

Also, es werden wahre Europäer unter den Briten gesucht, die erkennen, dass der europäische Geist für ein vereintes Europa es wert ist für Stabilität zu sorgen. Auch wenn manche Mitgliedsstaaten der Europäischen Union diese nur als Geldquelle ansehen, ohne auch Verpflichtungen zu erfüllen, so muss man diesen etwas abseits stehenden Bürgern dieser Länder sagen, niemand will wissentlich in der EU jemandem etwas wegnehmen oder streitig machen. Ein durchgängiger Egoismus ist in der Gemeinschaft der Europäischen Union fehl am Platz. Nur zusammen ist man stark, dieses zählt auch bei den Europäern. Man kann nur darauf hoffen, dass die Nationalisten und die Befürworter des Brexits in die Schranken gewiesen werden und zwar durch eine klare Niederlage. Jammern gilt also nicht und einfach aus dem Staub machen ist auch nicht gut. Die Verbundenheit in der Europäischen Union muss laufend trainiert werden und zu verbessern ist sicher einiges, darin gebe ich Herrn Cameron recht. Aber dann auch ohne Extrawurst für Großbritannien.

20.06.2016 – WM

Glyphosat in der EU neu zulassen, ja oder nein? – MK 23-16

Glyphosat, besser bekannt als das Unkrautvernichtungsmittel Roundup von Monsanto, wird vom Hersteller angepriesen als Ideallösung, um Unkräuter zu bekämpfen. Die Risiken wären minimal und das für den Acker und den Menschen. Das trifft natürlich gleichfalls auch für die erzeugten Lebensmittel zu. Dieses glorreiche Lied verkündet die Reklame der Hersteller dieses Herbizids Glyphosat. Wahrlich ein Wundermittel für alle, die Äcker oder Gärten haben. Selbst das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) kann nichts an dem Mittel entdecken, was Nachteile für uns haben könnte. Aber ist es wirklich so harmlos und unbedenklich einsetzbar?

Schon im Jahr 2015 lief die Lizenz der Zulassung von Glyphosat in der Europäischen Union aus und so kam es zu einer Zwischenverlängerung. Nun im Jahr 2016 soll darüber entschieden werden, ob das Herbizid in der EU erneut zugelassen werden kann. Es gibt mehrere berechtigte Bedenken, auch von der deutschen Bundesregierung. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, zurecht wie ich meine. Denn die Risiken sind nicht so harmlos, wie sie von verschiedenen Instituten, Verbänden, Landwirten und Herstellern dargestellt werden.

Nun muss den Anwendern dieses Herbizids klar sein, dass Glyphosat nicht bei den Unkräutern selektiert, sondern ziemlich alles vernichtet was grünt. Die Ausnahme bildet das von Monsanto stammende Saatgut, denn das ist resistent gegen Glyphosat. So ergibt sich bei der Anwendung auf dem Acker oder im Garten ein Tabula rasa Effekt. Es entstehen dann sogenannte Ackerwüsten, die nichts, aber auch wirklich nichts mehr grünen lassen. Selbst die Mikrobiologie des Bodens bekommt ihr Fett weg und verändert sich zum Nachteil der auf dem Boden wachsenden Pflanzen. Die so wichtigen Regenwürmer meiden die Ackerkrume, welche mit dem Mittel Glyphosat behandelt wurde. So entsteht dann ein idealisierter Einsatz durch den Anwender trotz etlicher Bedenken, weil der Aufwand für die Ackerflächen gesunken ist. Recht einfach ist es, den Acker mit dem Mittel zu besprühen, selbst wenn mit der Zeit ein immer größerer Aufwand erforderlich ist. Kann man den Wahnsinn stoppen? Nachweisbar ist Glyphosat mittlerweile in vielen Lebensmitteln, im menschlichen Körper und selbst in der Muttermilch.

Nachweislich erbgutschädigend und krebserzeugend soll es sein. Vielfach ist es durch Studien und Untersuchungen nachgewiesen, welche schädlichen Einflüsse Glyphosat hat. Dort wo es flächendeckend zum Einsatz kommt, nämlich in Südamerika beim Sojaanbau, leiden die dort wohnenden Menschen erheblich unter vielerlei Krankheiten. Sehr bedenklich ist der Import von Futtermitteln, die überwiegend aus Soja bestehen und die nach Untersuchungen zu zwei Drittel mit dem Herbizid belastet sind, aber auch andere Futtermittel, wo bis zu einem Drittel eine Belastung nachweisbar war. Dieses nehmen die Tiere auf und reagieren mit Krankheiten.

Das Umweltinstitut München schreibt: „Glyphosat schädigt das Bodenleben, fördert krankheitserregende Pilze, beeinträchtigt die Aufnahme von Mikronährstoffen sowie die Krankheitsabwehr der Pflanzen und mindert den Ertrag. Pflanzenkrankheiten, die bislang als beherrschbar galten, treten verstärkt auf. Besonders giftig ist Glyphosat für Amphibien, Fische und andere Wasserorganismen. Zudem bewirkt Glyphosat einen negativen Einfluss auf die Populationen von Regenwürmern, Vögeln, Spinnen und Florfliegen.“

Eine sicherlich völlig unterschätzte Gefahr ist die Ausbildung von resistenten Unkräutern, so wie es in den USA schon der Fall ist. Die Auswirkungen sind erheblich und lassen sich am Anfang vielleicht noch mit einem erhöhten Einsatz von Herbiziden regulieren, aber dann arbeitet die Zeit gegen die Anwender von Glyphosat und irgendwann geht gar nichts mehr. Die Landwirte geraten in einen Teufelskreis und auch unter einen erheblichen Kostendruck. Will man es in Deutschland soweit kommen lassen? Oder versucht man zukunftsorientiert und nicht so kurzsichtig landwirtschaftliche Produkte zu produzieren, ohne der Umwelt Schaden zuzufügen? Möchte man Zustände wie in den USA haben mit extrem erhöhten Werten, im Vergleich zur Europäischen Union, von Glyphosat in den Produkten oder nachweislich bei den Menschen im Blut bzw. Muttermilch?

Sicher ist eins, dass sich die Natur gegen genveränderte Produkte wehren wird und es sich nicht gefallen lässt, dass leichtfertig eingesetzte propagierte Idealmittel für die Landwirtschaft und andere Verwender von Glyphosat unsere Böden verseuchen? Die Natur selber wird das für sich regulieren können, aber verbunden mit erheblichen Nachteilen für uns Menschen und unsere Zukunft. Ein Überlisten der Natur ist wohl kaum möglich!

Wir müssen verhindern, dass rücksichtslose Geschäftemacher über unser Leben und unsere Umwelt bestimmen. „Geschäftstüchtige Firmen“ mit zwangsverpflichtend durchgesetzten Maßnahmen sind abzulehnen! Hoffentlich besinnt sich die Europäische Union eines Besseren und entscheidet gegen eine neue Lizenzvergabe. Sicherlich würde die Entscheidung auch negative Folgen für die Landwirtschaft haben, jedoch gibt es auch jetzt bereits geschäftstüchtige Landwirte und Obstbauern, die keine Herbizide dieser Art einsetzen und so beweisen, dass es auch ohne geht. Mehr Aufwand ja, aber unsere Umwelt dankt es uns sicherlich und wir Menschen profitieren ganz bestimmt davon dauerhaft in erheblichem Maße.

13.06.2016 – WM