Erdogans Machtstreben – MK 31-2015

Bei den im Juni durchgeführten Parlamentswahlen hat sich der Traum des Präsidenten der Türkei für ein Präsidialsystem sprichwörtlich in Luft aufgelöst. Die parlamentarische Mehrheit hat die AKP von Erdogan verpasst, weil die kurdische Partei HDP seiner Partei einen hohen Stimmenanteil abgenommen hat. Es waren 13% der Wählerstimmen, die mit der frischen und wählerfreundlichen Politik der Kurden die Menschen angezogen hat. Nun gibt es bis zum heutigen Tag keine offizielle Regierung in der Türkei, weil Erdogan eigentlich niemanden an seiner politischen Seite haben möchte, jedoch geht es ohne Partner nicht. Mit all seinem Streben will er sicherlich nur Neuwahlen erreichen

Nun hat ja im Süden der Türkei ein Sprengstoffanschlag stattgefunden, bei dem viele Jugendliche getötet wurden. Bekannt hat sich zu dem Anschlag bisher niemand. Ist das Zufall? Erdogan befindet sich innenpolitisch aus seiner Sicht in einer Zwickmühle. Außenpolitisch will er als der Kämpfer gegen den Terrorismus dastehen und es sieht auch auf den ersten Blick so aus.

Nach dem Bombenanschlag hat eine beispiellose Verhaftungswelle in der Türkei stattgefunden. Es wurden Sympathisanten des IS, der PKK und sowieso der linken Bewegung verhaftet. So will Erdogan erreichen, dass in den Augen der Bevölkerung (Wähler) Terroristen ausschaltet werden, die PKK bekämpft wird, um wieder mehr Ansehen für sich und seine Partei zu gewinnen.

Sein Ziel wird es wohl sein, dass von ihm angestrebte Präsidialsystem in der Türkei einzuführen, um seine Macht weiter auszubauen. Diese Macht würde ihn mit seiner AKP sicher weiter beflügeln und ihn nach seiner persönlichen Wahrnehmung in die Nähe von Atatürk rücken. Sein Pracht-, und Protzpalast steht ja schon und das in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet. Man versuchte seitens der Exekutive mit Verfügungen dagegen vorzugehen. Bisher ohne Erfolg.

Mit seinem Machtstreben hat Erdogan einen Weg eingeschlagen, der für ihn selber sicher der ideale Weg ist, um seine Ziele zu erreichen. Jedoch hat er den Friedensprozess mit der PKK abgebrochen und beschwört so wieder Anschläge herauf. Die Kurden allgemein will er so in eine Ecke drängen, dass diese so als nicht tragbar angesehen werden. Jedoch haben die Kurden an sich und die PKK nichts miteinander gemein und der kurdische Präsident Barzani, der autonomen Kurdenregion im Irak, distanziert sich ausdrücklich von der Gewalt. Aber Erdogan wirft alle Kurden praktisch in einen Topf, um einen Staat Kurdistan in jedem Fall zu verhindern. Das diese Machtpolitik Erdogans auch zwangsläufig unschuldige Menschen töten wird, scheint vom Präsidenten der Türkei dafür billigend in Kauf genommen zu werden. Es ist eine Politik, die die Türkei nicht befriedet und ihr keinen wirklichen Nutzen bringt.

Nun geht der Präsident Erdogan gegen Terroristen mit militärische Gewalt vor und bekämpft den IS und die PKK. Jedoch konzentrieren sich die Angriffe der Luftwaffe überwiegend auf Stellungen und Einrichtungen der PKK. Wie beobachtet wurde, hat es in den Gebieten des Islamischen Staates kaum Einsätze gegeben. Wer in eine Richtung denkt, könnte damit eine Art Taktik erkennen, die auch als Duldung zu verstehen ist.

So drängt Erdogan die Kurden allgemein in eine Ecke und versucht dadurch eine Schwächung der HDP, der kurdischen Partei, zu erzielen. Wenn es im gelänge, diese Partei bei der Wahl wieder unter die 10%-Hürde drücken zu können, dann wäre sein Präsidialsystem in der Türkei wieder in greifbare Nähe gerückt, denn dann wäre die HDP nicht im Parlament vertreten.

Dennoch schaut nicht nur Deutschland sehr genau zu bei den Aktivitäten des Präsidenten Erdogan und mahnt auch die abgebrochenen Friedensbemühungen zur PKK an. Es scheint so zu sein, dass Erdogan mit seiner Brechstangenpolitik unbedingt sein absolutes Ziel des Präsidialsystems erreichen will, koste es was es wolle und wenn es Menschenleben sind.

03.07.2015 – WM

Die Türkei und der Islamische Staat – MK 30-15

Hat die Türkei es nun eingesehen mit der Allianz einiger Staaten gegen den IS zu kämpfen? Nein, natürlich nicht! Erdogans Plan seine Macht über die Grenzen der Türkei auszudehnen sind eindeutig und abrupt gescheitert. Seit dem Bestehen des IS hat die Türkei wie die Presse schon berichtete diese Terroristen anscheinend großzügig mit Waffen unterstützt und Kämpfer dafür im eigenen Land ausgebildet. Außerdem hat die Türkei verletzte Kämpfer des IS im Land gepflegt und wieder an ihre Front geschickt. Die türkische Grenze war für neu angeworbene Kämpfer geöffnet, damit diese in ihre Kampfgebiete ziehen konnten.

Mit diesem Machtstreben erhoffte Erdogan sich als Preis dafür eine rein sunnitische Achse von der Türkei über Syrien und den Irak. Der von der Türkei gehasste Machthaber Assad von Syrien sollte mit diesen Taktik des stillen Duldens und Förderns des IS geschwächt werden. Außerdem hat Erdogan alles dafür getan, die Kurden klein zu halten. Und hat den IS gewähren lassen. Der Allianz im Kampf gegen den Islamischen Staat hat er als mögliche Minimalaktion des guten Willens nicht den grenznahen Flugplatz zum Starten und Landen der Flugzeuge zur Verfügung gestellt. Nur um keinen Kämpfer des IS gegen sich aufzubringen. Eine wahrhaft edle Tat dieses selbst ernannten „Sultans“ Erdogan.

Wenn man sich als Alchimist versucht und nicht weiß, was man in seinem Topf für Mittelchen zusammen rührt, dem kann der Topf auch eventuell mal explodieren. Erdogans Politik der sunnitischen Front ist ihm im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren geflogen. Das geplante große Reich der Sunniten ist geplatzt. Nun ist die Türkei selber Ziel des Islamischen Staats geworden und die Situation kann sich weiterhin zunehmend katastrophal auswirken, weil es im Land viele Sympathisanten gibt, die sich gegen den Staat wenden könnten.

Nun greift die Türkei mit ihren Kampfflugzeugen Stellungen des IS in Syrien an, was ja durchaus als legitim bezeichnet werden kann. Jedoch holt Erdogan zu einem Rundumschlag aus und will gleichzeitig auch die Kurden bekämpfen. Es ist ein perfider Plan, auch deswegen, weil sich die Kurden als harte Kämpfer gegen den IS schon bewährt haben. Den Friedensprozess, welcher im Jahr 2013 begann, hat Erdogan dadurch abgebrochen, obwohl er diesen ab Anfang des Jahres 2015 noch unterstützt und gefördert hat. Die PKK hat umgehend geantwortet und den Waffenstillstand als beendet bezeichnet.

Erdogan hat noch einmal in seinem Alchimistentopf kräftig gerührt ohne zu beachten, dass er durch seine harte Haltung gegenüber den Kurden der Türkei keinen wirklichen Dienst erweist. Warum will oder kann er den Kurden keine autonomen Rechte gewähren und auf sie zu gehen, wie er es schon gemacht hat?

So ergeben sich jetzt für die Türkei zwei Fronten, die nicht kalkulierbar und schwer einzuschätzen sind. Gewalt erzeugt wieder Gewalt und kann zu keinem Frieden unter den Türken und den Kurden führen, weil es der Machthaber Erdogan so beschlossen hat. Außerdem wird der IS in der Türkei weiter aktiv Anschläge planen. Dem Machtmenschen Erdogan gleitet sein geplanter Machtbereich einfach aus den Fingern und ist für ihn nicht mehr greifbar. Nun rächt sich diese Politik der Duldung und Förderung eines vermeintlichen Verbündeten der sunnitischen Achse, nämlich dem Islamischen Staat. So ist einem Präsidenten plötzlich seine Taktik abhanden gekommen und richtet sich nun gegen ihn selbst und die Türkei. Eine Politik über alle Köpfe hinweg hat sich in keinem Land je auf Dauer bewährt. Wackelt nun der Stuhl Erdogans in seinem Amt kräftig und könnte gar umstürzen?

27.07.2015 – WM

Griechenland – die Bank ist geschlossen! – MK 26-15

Die Ideologen der griechischen Regierung haben sich durchgesetzt und es geschafft, eine Einigung mit den Geldgebern in letzter Minute zu verhindern. Wie die Medien berichten, hat Ministerpräsident Tsipras die griechischen Verhandlungsführer kurz vor einer Einigung in der letzten Nacht vom Verhandlungstisch abgezogen. Hat die griechische Regierung Angst bekommen, dass es doch noch zu einer Einigung kommen könnte?

In den Verhandlungen haben die Griechen ein nicht akzeptables Verhalten an den Tag gelegt und die Verhandlungspartner der Geldgeber verprellt. Auch mit der Ankündigung, ein Referendum durchzuführen zu wollen, sollte nur vielleicht taktisch eine Stärkung oder gar Verzögerung erreicht werden. Jedoch sieht es nicht so aus. So sprechen griechische Politiker gar von einer Verschwörung und heizen ideologisch den Menschen ein, sich im Referendum gegen die Auflagen zu entscheiden. Nur sind überhaupt keine Ziele bei den Verhandlungen erreicht worden. Worüber sollen die Menschen abstimmen und für was sollen sie sich entscheiden?

Die Sozialisten und Kommunisten der griechischen Regierung verkaufen ihre Alternative zu den Verhandlungen als Sieg der Verweigerung und gegen die Qualen für die griechische Bevölkerung. Diese Politiker lassen ihr Volk mit vollem Bewusstsein über die griechische Situation ins absolute Abseits laufen. Aber es wurde trotzdem klar, dass viele Griechen überhaupt nicht vom Euro weg wollen. Jedenfalls ist die Situation keine wirkliche Alternative zu den Hilfen, die die Griechen von den internationalen Geldgebern bekommen hätten, wenn sie eingesehen würden, dass bestimmte Voraussetzungen vorliegen müssen, um die Gelder fließen zu lassen.

Nun hat die griechische Regierung mit dem Ministerpräsidenten Tsipras und dem Finanzminister Vaorufakis bis zur letzten Minute gezockt und verloren. In einer völligen Fehleinschätzung der griechischen Position für die Verhandlungen hat sich die Taktik des Nein-Sagens nicht ausgezahlt. Was passiert denn jetzt, wenn die Griechen beim Referendum gegen die Regierung stimmen? Tritt Herr Tsipras dann von der politischen Bühne einfach so ab, obwohl er das Gefährt seiner Taktik voll gegen die Wand gefahren hat?

Schlimm ist eigentlich auch, dass die Regierung der Griechen ihrem Volk offensichtlich nicht die volle Wahrheit gesagt hat, um nur garnicht im schlechten Licht zu stehen. Die Sonne geht unter in Griechenland und reißt die Menschen mit in die Dunkelheit, weil die Regierung versprochen hat, gegenüber den Geldgebern hart zu bleiben. So landen die Sozialisten und die Kommunisten auf dem politischen Boden der Tatsachen und können ihr Parteibuch der Ideologien verbrennen. Die griechische Taktik bei den Verhandlungen ist nicht aufgegangen und die Menschen in Griechenland müssen, so wie es jetzt aussieht, noch mehr leiden. War das die Alternative, die für Griechenland die Lösung der Probleme bringen sollte? So ist es kennzeichnend für die Situation, dass bei den griechischen Politikern, den Medien und sicher auch bei vielen Menschen in Griechenland immer nur die anderen die Schuld an dieser Misere des Landes tragen. Vielleicht würde es helfen, sich erst einmal an die eigene Nase zu fassen. Auch ist es nicht zu akzeptieren, wenn griechische Politiker und die Medien in Griechenland die deutsche Kanzlerin und die Eurogruppe verunglimpfen.

Nun sind die griechischen Banken erst einmal geschlossen, weil die EZB die ELA-Kredite nicht erhöhen will und so die Geldautomaten kein Geld mehr ausgeben können. Der Geldtransfer unterliegt nun auch einer Kontrolle. Die Griechen haben entweder ihr Geld ins Ausland transferiert oder unterm Kopfkissen liegen. Wobei man für die Leute mit dem Geld unter dem Kopfkissen Verständnis aufbringen kann.

Die ganze Situation in Griechenland befindet sich erst einmal im totalen Schwebezustand und die Menschen sind verunsichert und auch verängstigt. Wie soll es weiter gehen, wo die Verhandlungen doch abgebrochen wurden? Gibt es wirklich keine Lösung mehr für das griechische Dilemma? Nun ja, Herr Tsipras ist erst einmal mit seinem Referendum aus dem Schneider und muss seine Wahlversprechen nicht brechen. Sieht so kluge Politik aus?

29.06. 2015 – WM

Griechenland – rien ne va plus (nichts geht mehr)? – MK 25-15

Um in der Sprache der Spielbank zu bleiben könnte man sagen, den Griechen gehen die Jetons aus, um weiter am Spiel teilnehmen zu können. Die Zeit des Handelns läuft nun Ende des Monats Juni aus, weil fünf Monate ohne wesentliche Aktivitäten der griechischen Regierung von Ministerpräsident Tsipras Griechenland verlaufen sind. Offensichtlich sind die Versprechungen an die Wähler vor der Wahl für die Regierung etwas Unumstößliches, was es nicht anzutasten gilt. Sicher, ihren Wählern gegenüber ist Syriza linientreu geblieben und das wohl auch kompromisslos. Bis jetzt sieht es jedoch nicht so aus, als wäre es die Lösung aller Probleme, den Sparplänen den Kampf anzusagen.

Es ist eine Folge dieser zögerlichen Politik, die nur von anderen erwartet, dass sie sich bewegen sollen. So werden vermutlich bis zum Monatsende 2-3,6 Milliarden Euro in Griechenlands Kassen fehlen, weil die Steuereinnahmen drastisch weggebrochen sind. Die direkt Leidtragenden sind die Rentner und die Staatsbediensteten, die wohl eine Kürzung ihrer Bezüge erfahren müssen oder es gar keine Auszahlung der Gelder gibt. Hinzu kommt noch die fällige Gesamtrate von 1,6 Milliarden für die Kredite am Ende des Monats Juni. Viele Griechen eilen derweil zur Bank und heben ihre Gelder von den Konten ab, aber nur die Normalbürger, weil die Reichen ja ihr Geld schon im Ausland haben. Die EZB hat schon zum Ausgleich Notkredite an die griechische Zentralbank ausgezahlt, um diese zu stützen.

Die Regierung in Griechenland lamentiert, dass es nichts Schlimmeres als die diktierte Sparpolitik der Geldgeber geben kann, was dem Land schadet. Doch, es sind noch viel gravierendere Einschnitte für Griechenland möglich! Wenn das Land aus dem Euro ausscheidet, dann wird es für die Griechen katastrophal sein. Das Land blutet weiter aus und ist auf weitere Hilfen angewiesen. Will Herr Tsipras und Herr Vaorufakis das so haben?

Nein, niemand möchte es, dass Griechenland aus dem Euroraum aussteigt. Nein, niemand möchte es, dass es den Griechen noch schlechter geht. Nein, auch die meisten Griechen wollen nicht aus dem Euroraum ausscheiden. Mit den vereinbarten Maastrichter Verträgen ist keine Mitgliedschaft von Staaten in der EU auf Zeit vorgesehen, sondern damit ausschließlich ein dauerhafter Verbleib verbunden. Nur Griechenland selber entscheidet darüber, ob es bleibt oder gehen will. Jeder wirkliche Europäer wünscht sich ein Verbleib Griechenlands in der EU, weil es sonst bei einem Austritt den Euroraum auf Dauer schwächen könnte. Die EU kann weiterhin nur im Gesamten stark sein und ihre politischen und wirtschaftlichen Ziele verfolgen und auch erreichen.

Die Auszahlung von 7,2 Milliarden Euro steht im Raum, aber wohin mit dem Geld? Welche Erwartungen kann ein griechischer Ministerpräsident haben, wenn er zu keinerlei Reformen in seinem Land bereit ist, die zweifelsohne eine Grundlage zur Verbesserung der eigenen Finanzlage sind. Will man die Lage nicht erkennen oder ist die griechische Regierung nur starrköpfig, weil sie es den Wählern so versprochen hat?

Falls wider Erwarten es doch noch eine Einigung geben sollte, muss man seitens der Geldgeber sicherstellen, dass die Gelder wirklich in der Bevölkerung ankommen und die Probleme der ausgebremsten Wirtschaft bewältigen können. Auch wäre es für Griechenland wichtig, dass Herr Tsipras seine komplett versprochenen Ziele auch umsetzt, was bis jetzt beileibe nicht passiert ist. Die Reichen sind immer noch unbehelligt, die Konten von Schwarzgeld in der Schweiz gibt es immer noch und auch die versprochenen Strukturreformen im Land gibt es noch nicht ansatzweise. So hat die griechische Regierung fünf Monate verstreichen lassen, um nur zu rebellieren. Wann befindet sich die Regierung endlich wieder auf den Boden der Tatsachen. Denn die Geldgeber haben Griechenland gegenüber schon viel Geduld aufgebracht und auch ein nicht unerhebliches Entgegenkommen gezeigt.

Herr Vaorufakis hat den Ball der Aktivitäten nun der deutschen Kanzlerin zugespielt und sie aufgefordert, doch einen ehrenhaften Abschluss anzustreben und so zu glänzen. So verspielt Herr Vaorufakis seinen letzten „Jeton“ und schiebt sich selbst ins Abseits bei den kommenden Gesprächen am Montag. Dieses wahrscheinlich letzte Zusammenkommen wird wohl klären, ob es einen GREXIT gibt oder nicht. Einen Dauertropf wird und kann es nicht ohne gegenseitige Leistungen geben. Wenn die griechische Regierung versagt, ist sie auch sicherlich danach nicht mehr im Amt, aber Griechenland aus dem Euro raus. Vielleicht reicht es Herrn Tsipras ja aus, als die unnachgiebigste Regierung Griechenlands in die Geschichte einzugehen? Nur für das Land hätte er dann nicht wirklich verantwortungsbewusst etwas getan. Nur Rebell zu sein, reicht eben nicht aus. Und die Schulden bleiben.

21.06.2015 – WM

Cyberangriff auf den Deutschen Bundestag – MK 24-15

Nun haben es die Abgeordneten des Deutschen Bundestages am eigenen Leib erfahren müssen was es heißt, ausspioniert zu werden. Es drang mehr oder weniger zögerlich an die Öffentlichkeit und das auch noch ziemlich kleinlaut, dass die Rechner der Abgeordneten das Ziel eines Cyberangriffs waren. Die Schad- und Spähsoftware konnte von den Angreifern mittels Trojanischem Pferd in das Netzwerk des Deutschen Bundestages eindringen und so einige Rechner übernehmen und ausspähen.

Das Netzwerk des Deutschen Bundestages umfasst insgesamt ca. 20000 Rechner, die miteinander vernetzt sind. Die Oberaufsicht zur Aufrechterhaltung der Funktionalität dieses Netzwerkes hat sozusagen der BSI mit seinen IT-Spezialisten. Mit großem Aufwand wurde nun bei einer Klärung des Sachverhalts festgestellt und der Öffentlichkeit klar gemacht, dass kein anderer Weg bestehen würde, als das gesamte Netzwerk neu zu installieren. Dieses wurde später relativiert und es beschränkte sich dann auf 15 Rechner des Netzwerkes, die mit der Schadsoftware infiziert sind. Von fünf Rechnern dieser 15 gab es nachweislich einen Datenabfluss. Jedoch wohin war nicht feststellbar. Die Angreifer haben ihren Angriff verschleiert und es laufen Spekulationen, wer es denn nun gewesen sein könnte.

Man muss sich nur fragen, wer Interesse an Informationen von Abgeordneten des Deutschen Bundestages haben könnte. Mit den Informationen können Privatleute nun wirklich nichts oder zumindest wenig anfangen, und so gelangen schnell ausländische Geheimdienste ins Blickfeld. Waren es die Russen, die Chinesen oder gar doch die Amerikaner? Die IT-Spezialisten berichten, dass es sich bei dieser Cyberattacke um eine professionelle Aktion gehandelt hat. So wurden die Abgeordneten wie an einem Nasenring gezogen quasi vorgeführt. Es war eine Machtdemonstration besonderer Art und das mit großer Professionalität und Konsequenz, die unsere Bundesregierung dadurch bloß gestellt hat. So kann es eben dazu kommen, wenn der Spieß umgedreht wird und man nicht mehr über den BND und die NSA selber ausspäht. Selbst ein Rechner aus dem Büro von Angela Merkel war betroffen und die Angreifer konnten namentlich mit „Angela Merkel“ gefälschte Mails in Umlauf bringen, natürlich wieder mit einem Link versehen, der zur Schadsoftware führte.

Nun ist dort sicherlich im Bundestag eine hochintelligente Technik installiert, die IT-Spezialisten betreuen. Jedoch zeigt es sich, wie schon wo anders vielfach, dass das schwächste Glied einer Kette reißen kann. Das schwächste Glied war in diesem Fall der unbedarfte PC-User, also der einzelne Abgeordnete, der einen Link in einer Email angeklickt hat und so den Schadsoftwarebefall aktivierte. In solchen Fällen nutzt keine normale Antivirensoftware oder eine Standard-Firewall etwas, um Angriffe dieser Art zu verhindern. Wie es auch sei, der BSI weist jegliches Verschulden in irgendeiner Art und Weise zurück und dieses ist bei dem Normalfall richtig.

Aber der Angriff auf den Deutschen Bundestag war eben kein Normalfall und offenbart die informationstechnische Blöße dieser staatlichen Institution, wo es anscheinend nicht wirklich Abwehrmaßnahmen gegen einen Angriff von außen gegeben hat. Nun muss man sich darüber Gedanken machen, wie zukünftig verhindert werden kann, dass Interna der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages nach außen dringen können. Vielleicht war man doch zu vertrauensselig und unbedarft beim BSI, jedoch zumindest unter den Abgeordneten des Deutschen Bundestages, ohne jemanden einen direkten Vorwurf machen zu wollen. Vielleicht sollte es zum neuen Sicherheitskonzept gehören, dass jeder Mitarbeiter, jeder Abgeordnete und jedes Mitglied der Regierung eine Sicherheitsschulung durchlaufen muss, die grundsätzlich auf die Gefahren von Cyberattacken ausgerichtet ist.

Der Angriff auf den Deutschen Bundestag ist schändlich und peinlich zugleich und kann nur der Anlass sein, die IT-Sicherheit des Deutschen Bundestages mit höchster Priorität einer grundsätzlichen Prüfung zuzuführen, um die staatlichen Behörden mit bestens geschulten Mitarbeitern besser schützen zu können. Datenspionage ist jedoch zum täglichen Standard vieler Staaten geworden, auch von Deutschland.

Der Deutsche Bundestag hat sich schon vorher darüber Gedanken gemacht, wie denn Firmen und sensible Objekte in Deutschland besser zu schützen sind. So verabschiedete der Bundestag am 12. Juni das neue IT-Sicherheitsgesetz. So werden die Energieversorger, die Banken, die Deutsche Bahn, die Netzbetreiber und die Gesundheitsversorger verpflichtet, schwere IT-Angriffe von nun an dem Bund zu melden. Dieses ist genauer gesagt, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), welches im Falle eines Falles zu informieren ist. Die Infrastruktur in Deutschland muss grundsätzlich vor IT-Attacken gefeit sein und darf ihre Funktionalität im Einzelnen nicht verlieren. Man schätzt, dass dadurch ca. 2000 Betriebe in Deutschland betroffen sind.

Die Meldungen sollen zunächst anonym erfolgen, wodurch dann das BSI diese auswertet und einen Lagebericht erstellt. Sicherlich ist der Befall mit Spähsoftware in einem Betrieb auch unangenehm in der Offenlegung, aber konkreter wäre sicher der bessere Weg und mit detaillierten Angaben.

Natürlich gibt es keinen absoluten Schutz gegen Attacken aus dem Internet weder für Privatleute noch für Firmen. Zumindest bei den Firmen muss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln der modernen IT-Technik das Ziel immer sein, das Bestmögliche zum Schutz gegen Eindringlinge aus dem Internet getan zu haben, um sensiblen Daten zu schützen. Gleichzeitig muss eine praxisbezogene Ausbildung von Mitarbeitern erfolgen, die dann die Tricks von Gaunern zumindest im Internet kennen und so geschult wachsamer sind.

16.05.2015 – WM