Nun kämpfen sie gemeinsam und mit aller Konsequenz gegen den Islamischen Staat und das jeder auf seine Weise. Was auf den ersten Blick wirklich beeindruckend ist, verliert beim näheren Betrachten seine überzeugende Wirkung auf den, der die politische Situation in Syrien kennt.
So hat Machthaber Erdogan nur vordergründig seinen Kampf gegen den IS auf dem Plan. Bei der letzten Wahl in der Türkei hat seine AKP nämlich nicht die absolute Mehrheit erreicht und das ist dem Präsidenten sauer aufgestoßen. Hat er sich doch bei einem Mehrheitssieg erhofft, in der Türkei ein Präsidialsystem zu erschaffen, indem er selber alle Macht in seinen Händen hält. Wie man weiß, das ging gehörig schief. Nun war bei Erdogan guter Rat teuer und er ersann eine Methode für einen Wahlsieg, die die Türkei mittlerweile in der Konsequenz schon an einen Abgrund des Zusammenhalts geführt hat.
Erdogan kündigte der PKK den Frieden auf und wirbelte so alles durcheinander, was diesen Gegner als den absoluten Feind der Türkei darstellt. Natürlich will man die Taten von Terroristen nicht gutheißen, jedoch hat Erdogan nun die PKK für sich instrumentalisiert, um diese weiter in der Bevölkerung in Misskredit zu bringen und zusätzlich auch die Kurden ausgrenzt. Dadurch hat er sich eine Stärkung seiner AKP erhofft. Nach außen verbreitet die Regierung ihren Kampf gegen den IS und die PKK.
Es ist erwiesen, dass die türkische Armee fast ausschließlich Angriffe gegen die Kurden geflogen hat und das ohne Rücksicht auf die gemäßigten Kurden, die auch gegen den IS kämpfen. Die Folgen haben wir alle in den Berichterstattungen gesehen. Die politische Landschaft hat sich in der Türkei gravierend zum Nachteil verändert. Erdogan hat sich mit seiner verbohrten Haltung eine Türkei des Misstrauens erschaffen. Ein Misstrauen gegen den Staat mit seinen gewaltsamen Einsätzen vernehmlich gegen kurdische Einrichtungen ist entstanden.
Jedoch hat Erdogan seine Wähler unterschätzt, denn die haben seine Taktik durchschaut. Sein gesätes Misstrauen gegenüber bestimmten Volksgruppen hat die Wähler nicht auf seine Seite gebracht. Seine Aktivitäten bezüglich Wahlsieg sind gescheitert und er hat bei seinen ausgetüftelten Gemeinheiten die Türkei in einen unsicheren Staat verwandelt. Wenn Menschen in diesem Durcheinander ihr Leben verlieren scheint völlig egal zu sein.
So hat Erdogan mit seinem angeblichen Kampf gegen den IS diesen nur gestärkt, auch deswegen, weil Kurden auch gegen den IS kämpfen, aber diese Kurden hat er ja auch bekämpft. Sein Kalkül der Macht hat nicht funktioniert, sein Machtapparat ist außer Kontrolle und ersinnt neue machtfördernde Taktiken. Was er auch macht funktioniert nicht und sein Präsidialsystem in der Türkei ist zum Scheitern verdammt. Natürlich sind seine Aktivitäten für die Türkei betrachtet nicht mehr so schnell umkehrbar und die Lage ist mehr als unsicher im Land.
Beim russischen Machthaber Putin sieht die Lage allerdings etwas anders aus. Nach seiner politischen Ausgrenzung in der Welt, bedingt durch seine gesteuerten Aktivitäten in der Ukraine ist Russland auch wirtschaftlich etwas ins Abseits geraten. Auch der stark gefallene Ölpreis macht seinem Land zusätzlich zu schaffen.
Sein Streben nach neuerlichem Machtbeweis für seine Nation Russland hat ihn veranlasst nach weltpolitischer Anerkennung zu suchen. Nun kam ihm sicherlich so der IS in den Sinn, um zur Allianz der Gegner einen Zugang zu finden. Mit der Absicht gemeinsam gegen einen Feind zu kämpfen, der mehr als Russland geächtet wird kann sich ein Kampf so nur positiv zeigen, so wahrscheinlich die Gedankenspiele des russischen Präsidenten. Nur Ansehen zu erringen ist natürlich nicht so einfach, wenn man nicht das tut, was man sagt.
Mit dem Präsidenten Assad von Syrien hat Russland immer schon einen heißen Draht gehabt und diesen Herrscher unterstützt. Dabei betreibt Russland einen Marinestützpunkt am Mittelmeer, der als Außenposten erhalten werden muss. Die Waffen an Syrien hat Russland immer prompt geliefert und dem Machthaber Assad selbst in dem beschlussfassenden Gremium der UN den Rücken gestärkt. Sein angeblicher Kampf gegen den Islamischen Staat ist Makulatur, denn er bekämpft hauptsächlich Gegner von Assad, also auch gemäßigte Rebellen, die den Diktator Assad stürzen wollen. Diese Rebellen kämpfen auch gegen den IS. So ist erklärlich, dass der IS noch nie so große Geländegewinne hat machen können, wie in der letzten Zeit. Der Machthaber Assad triumphiert trotzdem und wünscht sich seinen alten Machtumfang zurück. Russland fliegt Angriffe mit Kampfbombern und setzt noch zusätzlich Raketen ein, die er von Schiffen auf dem kaspischen Meer abfeuern lässt, um militärische Stellungen anzugreifen, aber eben nicht nur die vom IS.
Letztendlich hat Putin mit seinem Machtstreben bis jetzt auch nur dem IS und einem isolierten Machthaber Assad geholfen. Der IS weitet seine Gebiete mit seinem Machteinfluss aus und der Machthaber Assad freut sich über die Luftunterstützung, die ihm mit seiner Armee erlaubt, wieder Gebiete zurück zu gewinnen, die er an Rebellengruppen verloren hatte. Der Staat Syrien existiert eigentlich nicht mehr, weil viele Städte total zerstört sind und die Menschen auf der Flucht. Die Aktivitäten von Putin und Assad werden zu noch mehr Flüchtlingen führen und das Land Syrien endgültig in den Abgrund stürzen. Eine Befriedung ist kaum in Sicht und Machthaber Assad kann wieder gegen sein eigenes Volk vorgehen. Und die Nation Russland müsste sich eigentlich noch sehr stark an Afghanistan erinnern, wo letztlich für die Soldaten nur noch eins blieb, nämlich der Rückzug.
So gibt es kein grundsätzliches Bomben für den Frieden, auch wenn man vorgibt, es aus diesem Grund zu tun. Menschen sind anscheinend bei Machthabern grundsätzlich zu Nebensache abgewertet worden und es zählt nur die Macht zu herrschen. Der Rest der noch bestehenden stabilen Strukturen werden nun im Nahen Osten endgültig zerstört. Im Sinne der Politiker mit ausgeprägten Machtstreben gilt nur der Schein den anderen gegenüber, etwas für die Menschen tun zu wollen.
Mächtig zu sein sagt nichts darüber aus, über wen oder was man wirklich Macht hat. Mächtig zu sein hat nichts mit eingeschlagenen militärischen Abwegen zu tun, die nur der Demonstration nach außen dient. Mächtig zu sein bedeutet, dass sich auch das regierte Volk des jeweiligen Landes mit dem Vorgehen ihrer Politiker einverstanden erklärt und das gutheißt, was daraus resultiert. Extremes Machtstreben von Politikern war noch nie für die Menschen gut. Der Frieden ist bei weitem wichtiger, als das abstruse Machtstreben einiger Politiker. Man kann den Menschen in den Kriegsgebieten nur bessere Verhältnisse wünschen, die sich jedoch wohl nicht so schnell wieder einstellen werden.
So ist es sehr schlimm für die Menschen in Syrien mit anzusehen zu müssen, wie ihr Lebensraum zerstört wird. Man muss jedoch auch ganz klar sehen, dass die Länder, welche Waffen produzieren und exportieren, zu denen auch Deutschland zählt, nicht ganz unschuldig an der Gewalt sind, die auf dieser Welt geschieht, weil Waffen ausschließlich nur zur Ausübung von massiver Gewalt zu verwenden sind. Unsere Mutter Erde und die Menschen haben es nicht verdient, so behandelt zu werden.
19.10.2015 – WM