Am Mittwoch den 12.8.2015 erschütterten zwei Explosionen die Stadt Tianjin in China mit ihren 15 Millionen Einwohnern. Die Explosionen hatten eine Wirkung von 21 t TNT, so die Fachleute und fegten mit ihren Druckwellen über das Hafengelände und über die Stadt weg. Mit den Explosionen wurden viele Gebäude der Stadt regelrecht verwüstet. Es starben dabei mit einer zurzeit festgestellten Zahl über 112 Menschen und es wurden Hunderte teils schwer verletzt. Zum jetzigen Zeitpunkt gelten 200 Menschen immer noch als vermisst. Mit der Zerstörung kam das Chaos und die Angst über die Menschen, die keinerlei Informationen hatten, was eigentlich passiert war.
Die Feuerwehren und Hilfskräfte waren im Dauereinsatz, um den Menschen zu helfen und die Brände zu bekämpfen. Mit den beginnenden Untersuchungen zur Ursache konnten die Spezialkräfte feststellen, dass sich die Explosionen in einem Gefahrgutlager der betreibenden Firma Ruihai ergeben haben. Diese Firma betreibt die gesamte Anlage des Geländes.
Nach zahlreichen Prüfungen haben die Spezialisten festgestellt, dass die Bestände von Natriumcyanid (Natriumsalz der Blausäure) , durch einen Brand ausgelöst, explodiert sind. Die bestimmenden Vorschriften gestatten einen Lagervorrat von max. 10 Tonnen. Jedoch wurden dort hunderte Tonnen dieser Chemikalie gelagert, was ein eklatanter Verstoß gegen die dort geltenden Sicherheitsbestimmungen ist. Gebraucht wird dieses Natriumcyanid für z.B. Galvanisierungsprozesse, also um Metalle mit anderen Metallen durch eine Elektrolyse zu beschichten.
Neben der Zerstörung hat sich aus dem Natriumcyanid in Verbindung mit der Luft ein Blausäuregas entwickelt. Mit der Explosion und dem Wind konnte sich dieser gefährliche Stoff in großem Umfang über die Stadt ausbreiten und ins Wasser gelangen. Das Gelände war deswegen nur mit Atemschutz zu betreten, um nicht das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Untersuchungen haben einen erhöhten Wert in Referenz zum zulässigen Wert dieses Schadstoffes festgestellt und das nicht nur im Wasser, sondern auch auf dem Land. Dieser Wert ist 27 Mal so hoch. So mussten die Menschen dort schleunigst in einem Umkreis von 3 km evakuiert werden, um nicht noch mehr Menschenleben zu gefährden. Der Tod durch Blausäure ist grausam.
Die Regierung hat keine eindeutigen und klaren Informationen über die Vorgänge für die Einwohner der 15 Millionenstadt Tianjin verbreitet. Die Rettungskräfte waren hoffnungslos mit der prekären Situation überfordert und nicht auf Fälle dieser Art eingestellt. Denn dieses Natriumcyanid schließt das Löschen eines Brandes mit Wasser aus. So hat die Regierung auch 50 Webseiten für ihre Berichte bestraft, weil sie nur Gerüchte und unbestätigte Informationen verbreitet haben sollen.
Klarer feststellbar ist jedoch, dass sich die Baubehörden nicht an bestehende Vorschriften gehalten haben, die einen minimalen Abstand von 1000 m bei der Bebauung von Wohnhäusern zu einer Lagerstätte mit Gefahrgütern dieser Art vorsehen. Mit der dort gelagerten Menge von einigen hundert Tonnen dieser Chemikalie wurden Sicherheitsvorschriften auf eine schon kriminelle Art und Weise missachtet. Das Gefährdungspotential erhöhte sich um ein Vielfaches und blieb von den Kontrollbehörden unentdeckt. Der unbedarfte Umgang mit Gefahrstoffen ist sicherlich im Allgemeinen ein großes Problem in der Volksrepublik China. Gefährdende Verunreinigungen oder Verseuchungen von Flüssen sind an der Tagesordnung und werden immer wieder von den Medien gemeldet. Die Luftverschmutzung durch Abgase erleben die Chinesen jeden Tag und ist für die Menschen im Alltag ein großes Problem. Generell liegt der Umweltschutz dort im Argen. Dort hat China einen sicherlich großen Nachholbedarf.
Selbst bei geschulten Kräften gibt es Mängel am Sicherheitsbewusstsein und falsche Reaktionen mit irregulären Praktiken. So soll es auch Feuerwehrleute dort gegeben haben, die als Aushilfskräfte arbeiteten. Dieses hat auch Parteichef Xi Jinping festgestellt.
Die dort stattfindende Untersuchung durch Spezialisten und Funktionäre soll Versäumnisse klären. Viele Menschen haben dort einfach alles verloren und konnten nur ihr Leben noch retten. Diese Menschen protestieren gegen die Regierung und wollen eine Entschädigung für ihr verlorenes Hab und Gut. Bis jetzt sieht es so aus, dass die Behörden anscheinend ohne Bedenken Bauten errichten ließen. Weiterhin gab es eklatante obskure Machenschaften, verbunden mit einer Missachtung aller Sicherheitsbestimmungen.
Ebenfalls hat man eine falsche Lagerung dieser Gefahrstoffe festgestellt, weil diese nicht kühl und auf Holzpaletten gelagert wurden. Allenfalls waren die Gefahrstoffe nicht ausreichend deklariert und somit auch nicht der Feuerwehr bekannt. So sollen auch noch die Gefahrstoffe Calciumcarbit, Kaliumnitrat, Natriumnitrat und Ammoniumnitrat dort gelagert gewesen sein. Somit als letztem Punkt erfolgte ein Löschen mit Wasser, was beim Calciumcarbit zur Entstehung von Acetylengas führt. Bei den anderen genannten Stoffen ergibt sich bei hohen Temperaturen eine explosionsartige Zersetzung. Vielleicht sind dadurch die Explosionen überhaupt erst entstanden. Aber wer weiß das zum jetzigen Zeitpunkt wirklich genau? Was die Spezialisten feststellen werden kommt sicherlich nicht unbedingt auch so klar an die Öffentlichkeit. Wahrscheinlich „rollen Köpfe“ bei den „Kleinen“ und die wirklich Schuldigen bleiben unbehelligt. Denn der Wahrheitsgehalt bei Meldungen aus China ist zweifelhaft.
Nur, wie will man dort in der Stadt Tainjin überhaupt bei der großen Verseuchung wieder zur Normalität zurück finden. Die Entsorgung der Schadstoffe ist ein gravierendes Problem und so schnell nicht möglich. Für die Menschen ist es schrecklich und ein weiter Weg zurück zur Normalität, wobei das eigene Überleben an erster Stelle steht. Wenn Verantwortliche für die Katastrophe zu finden sind, ist ein hartes Durchgreifen notwendig, jedoch kann niemand das Unglück wieder gutmachen. Mehr Kontrolle durch staatliche Institutionen ist notwendig, was die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften bei der Lagerung und Verteilung von Gefahrgut angeht. Ebenfalls eine Überprüfung aller Sicherheitsstandards des Landes ist erforderlich und wurde vom Staatschef Xi bereits angekündigt. Vielleicht öffnet sich China auch zu den Menschen, indem es seine Bürger über Vorgänge dieser Art besser und menschenwürdiger informiert. Der Machtapparat braucht sich in diesem Fall nicht in Position bringen, sondern nur auf die Menschen zugehen. Auch eine (staatliche) Entschädigung für einen Neuanfang würde den dort lebenden Menschen helfen. Sehr wichtig wäre es, aus den Vorgängen und Abläufen bei dieser Katastrophe Lehren und Schlüsse zu ziehen. Um es bei allem Schrecklichen positiv zu sehen, das werden die staatlichen Organe sicherlich auch tun.
17.08.2015 – WM