Die Zweiklassengesellschaft im Konflikt

Wer jeden Tag mit seinem Fahrzeug im Straßenverkehr unterwegs ist und sich ziemlich an die bestehenden Regeln hält, befindet sich im tagtäglichen Konflikt mit anderen Verkehrsteilnehmern, die es nicht so genau oder schlimmer nehmen. In Aachen scheint es ein besonderer Fall zu sein, denn diese Stadt zählt zu den Gebieten, die sich bei der Autoversicherung in der höchsten Regionalklasse befinden. Also fahren die Menschen hier anders, als in anderen Gebieten mit niedriger Regionalklasse und dieses wird einem auch recht schnell klar. Man ist automatisch mit einem Mehr an Risiko im Straßenverkehr unterwegs. Klar ist auch, dass Autofahrer mit einem höheren Rücksichtpotential die Zeche für die „Verkehrsrüpel“ mit bezahlen müssen. Jedem halbwegs Vernünftigen ist klar, dass der Straßenverkehr kein Ort ist, um sein EGO auszuleben. Außerdem gehört aggressives Verhalten nicht zum Fahren mit Köpfchen. Für ein geregeltes Miteinander gibt es eine klare Vorgabe, nämlich die gültige Straßenverkehrsordnung (StVO), die ausnahmslos für alle Verkehrsteilnehmer ihre Gültigkeit hat. Außerdem ist es so wie im täglichen Leben, wo das Miteinander und die Rücksichtnahme zählt.

So teilt sich dann die Verkehrsgesellschaft der Teilnehmer und unterscheidet etliche in ihrem Tun. Einige können bei Rot fahren, können so schnell fahren wie sie wollen, brauchen nicht zu blinken, können überholen wo sie wollen, können ständig wie wild zwischen zwei Spuren hin und her wechseln, das bessere Auto geht vor schlechterem Auto, sie können wenden wo sie wollen und so ließe sich die Liste weiter fortsetzen. Die anderen dürfen leider nur bei grün fahren, müssen sich an die festgelegte Geschwindigkeit halten, müssen blinken beim abbiegen, dürfen nicht überall wenden, fahren gesittet, sind auch keine „Springer“ und so ließe sich die Liste auch weiter fortsetzen.

Aber nun mal im Ernst. Es geht nicht darum den ersten Stein zu werfen, schon allein deswegen, weil sich niemand fehlerfrei im Straßenverkehr bewegt. Was ich meine, sind die bewussten Fehler, die aus Dreistigkeit, Dummheit, verkorkstem Ego, fahrerischem Unvermögen, Ignoranz oder/und Skrupellosigkeit geschehen. Mit jedem bewussten Fehler wird auch bewusst jeder andere teilnehmende Fahrzeugführer einem höheren Risiko ausgesetzt. Jeder kann in Deutschland einen Führerschein machen und die Fahrlehrer vermitteln theoretisches Wissen und etwas Fahrpraxis. Diese Fähigkeiten werden geprüft mittels theoretischer Prüfung sowie praktischer Prüfung unter Aufsicht eines staatlichen Fahrprüfers. Jedoch gibt es keine Prüfung der menschlichen Befähigung für eine Eignung zum Führen des Fahrzeugs, welche sicher manchmal angebracht wäre. Auch scheint bei einigen Führerscheininhabern das vermittelte Wissen und die Kenntnisse schnell verraucht und vergessen worden zu sein.

Dennoch sollte eine Rücksichtnahme oberstes Gebot sein, gepaart mit möglichst regelkonformem Verhalten, nach den Vorgaben der StVO. Deswegen ist es auch so, dass der Eilige automatisch keine Vorfahrt hat, ebenso wenig der Fahrer des größeren Fahrzeugs. Manchmal habe ich das Gefühl, die Menschen verhalten sich im Straßenverkehr genau so wie im wirklichen Leben. Da ist es schon mal so, dass manche Menschen meinen, es geht nur nach ihrer Nase. Und es ist wirklich nicht so, dass der Stärkere Recht hat. Auch sind die öffentlichen Straßen keine Gokartbahn.

Man spricht zwar immer vom Individualverkehr, wenn man das auf den Straßenverkehr bezieht, jedoch sollte es schon nach festen Regeln ablaufen. Nur so ist heutzutage bei dem allgemein hohen Verkehrsaufkommen eine angemessene Sicherheit zu erreichen. Jeder Verkehrsteilnehmer ist auf die Zeichen der anderen angewiesen und sollte sie auch bekommen.

Zurzeit bieten einige Versicherer für die Haftpflichtversicherung vom Auto einen Tarif an, wodurch der Fahrzeughalter sparen kann, wenn er sich konform der festgelegten Bewertungskriterien für die Fahrweise verhält und sich ein Gerät ins Auto einbauen lässt, welches sein Fahrverhalten kontrolliert. Etliche Autofahrer werden das vermutlich ablehnen, weil sie keine Kontrolle wollen. Jedoch in vielen Fahrzeugen, speziell der Oberklasse, ist „Big Brother“ schon mit an Bord und zeichnet alle Aktionen des Fahrzeugs auf. Ein erzieherischer Effekt ist somit nicht von der Hand zu weisen. Vielleicht ist es das Instrument der Zukunft für eine gezügelte Fahrweise mancher Verkehrsteilnehmer. Irgendwann ist es sowieso in jedem Fahrzeug eingebaut und dann auch ständiger Begleiter des Fahrers oder der Fahrerin.

Somit geht es auch nicht darum, den Zeigefinger zu erheben, sondern einen Sachverhalt aufzuzeigen, der sich tagtäglich auf deutschen Straßen abspielt. Deswegen kann es bei dem täglichen Miteinander nur funktionieren, wenn jeder Verkehrsteilnehmer sich so verhält, wie es im §1 der Straßenverkehrsordnung festgelegt ist.

§1 Grundregel (StVO)

  • (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
  • (2) Jeder Teilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Es steht dort etwas grundlegend Wichtiges und ist deswegen für jeden Verkehrsteilnehmer, egal welcher Nation, auf deutschen Straßen bindend.

Jeder sollte sich mit seiner Fahrweise gedanklich kontrolliert verhalten und kein Verkehrsproblem sein. Durch mehr Gelassenheit und Aufmerksamkeit ergibt sich eine größere Verkehrssicherheit auf den Straßen. Keiner ist fehlerfrei, jedoch sind bewusst gemachte Fehler vermeidbar. Deswegen wünsche ich mir ein faires Miteinander im Straßenverkehr. Und es ist glaube ich auch so, dass sich die überwiegende Mehrheit der Verkehrsteilnehmer vernünftig im Straßenverkehr bewegt. Jedoch die Anzahl derer, die meinen sich anders verhalten zu müssen, nimmt ständig zu, leider.

Februar 2014 – WM

 

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