Ignorieren, tolerieren und distanzieren par excellence – MK 30-17

Die Politiker der vergangenen Regierungen und der jetzigen Regierung in Deutschland hatten stets ein grenzenloses und blindes Vertrauen in ihre gelobte Autoindustrie, der heiligen Kuh, einem Götzen gleich. So wurde alles dafür getan, dass diesem Industriezweig kein Stein in den Weg gelegt wurde und das sehr gewissenhaft. Ja, so gab es fast immer eitlen Sonnenschein und auch etliche Milliarden an Fördermitteln, die unsere Autoindustrie aufblühen ließen. Alle waren mit diesem Zustand glücklich und zufrieden, auch schon deswegen, weil die Autolobby ihren großen Einfluss geltend machte. Überraschend ist es nicht, dass viele ehemalige Politiker nach ihrem Ausscheiden ihr Geld von da an mit einer Beschäftigung in der Autoindustrie verdienten. Durch diese idealen Bedingen lebten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt alle ziemlich zufrieden, nämlich die Politiker und die Autoindustrie. Fast hört sich alles ziemlich märchenhaft an, entspricht jedoch der Realität. Wenn etwas mal nicht so klappte und es Unstimmigkeiten gab, einigten sich die Verantwortlichen der Politik und Autoindustrie in diesen Fällen zugunsten der gelobten Automacher. Dieses Aushängeschild der deutschen Autoindustrie mit ihren Innovationen an technischer Entwicklung hatte es in der Vergangenheit ziemlich leicht, die blauäugigen Politiker von ihrer Wichtigkeit für Deutschland zu überzeugen.

Die Politik in Deutschland und der Europäischen Union setzte den Entwicklern in der Autoindustrie bezüglich Abgasemissionen ihrer Fahrzeugtypen in bestimmten zeitlichen Intervallen neue Vorgaben, die sich in neuen Abgasnormen der EU zeigten. Damit waren die Hersteller der Fahrzeuge durchgängig einverstanden und haben verbindlich den Emissionsgrenzwerten zugestimmt. Dadurch entstanden die Normen Euro-1 bis Euro-6. Die Politik hat so zumindest theoretisch zu den festgelegten Klimazielen beigetragen. Nun ist ja, technisch ist einiges machbar, aber natürlich bedeuten zusätzliche Bauteile oder Einrichtungen zusätzliche Kosten, die sich dann auch im Verkaufspreis niederschlagen. Deswegen haben sich die Verantwortlichen in der Autoindustrie wohlweislich überlegt, wo denn ein Kosteneinsparpotential möglicherweise besteht. Mit minimalem Aufwand sollte diese neue Abgasnorm erreicht werden, um möglich viel an Gewinnmarge zu erzielen, was ja erst einmal nichts Verwerfliches darstellt. Dann sind jedoch durch den gierigen Gewinnoptimierungswahnsinn der Verantwortlichen bei der Autoindustrie irgendwie falsche Weichen in der Entwicklung gestellt worden. Man hatte sich zum Ziel gesetzt, die internen Abgastests ihrer Fahrzeuge so zu gestalten, als würde niemals die Absicht bestehen diese Autos auch im realen Verkehr auf der Straße einzusetzen. Heißt, dass Auto wird beim Abgastest so präpariert als wäre es ein Fahrzeug im Labor, unter Idealbedingungen. Nur so seien die Abgaswerte möglich gewesen, also fernab von der Wirklichkeit. Jedoch hat das Kraftfahrt-Bundesamt der Autoindustrie bei der Typ-Zulassung blind geglaubt. Und die Politik schaute zu und schaute zu u.s.w.

Dann plötzlich kam es zum großen Knall, als eine amerikanische Behörde feststellte, dass es bei den Dieselfahrzeugen von VW in den Abgastests zunächst unerklärliche Differenzen gab. Was war geschehen? Man hatte eine „Schummel-Software“ bei den Abgastests entdeckt, die als Resultat auf dem Prüfstand andere Werte registrierte als bei realen Tests. Diese Software erkannte, wenn das Fahrzeug auf dem Prüfstand war und veränderte dann die Motorkennwerte mit dem Ziel, dass die Abgaswerte stimmen wie vorgegeben. In dem folgenden Monaten entwickelte sich diese „Schummel-Software“ zu einem der größten Skandale bei der deutschen Autoindustrie, am Anfang nur bei VW. Wohl bemerkt, es waren die Amerikaner, die dieses entdeckten und nicht das Bundesverkehrsministerium und auch nicht das Kraftfahrtbundesamt. Diese schlummerten anscheinend zu diesem Zeitpunkt noch so vor sich hin. Es war Betrug ganz eindeutig und das nicht nur bei den Autokäufern, ein Betrug in ganz großem Stil. Andere Autofirmen flogen ebenfalls auf und der Imageschaden für Deutschland und seiner Autoindustrie war und ist noch beträchtlich. Ein Wahnsinn zu denken, so etwas wird nicht aufgedeckt!!!

Ab diesem Zeitpunkt (2015) wurde in ganz großem Still bei der Politik und den Autobauern intern und auch in der Öffentlichkeit ganz groß sowie spektakulär diskutiert. Im Jahr 2017 mündet dieses in den großen Diesel-Gipfel, der am Mittwoch, dem 02.08.2017 stattfindet. Die Teilnehmer sind aus der Politik, der Autoindustrie, den Gewerkschaften, jedoch ohne einen Vertreter der Verbraucher. Man kann deswegen sagen, dass die heilige Kuh Autoindustrie in ein ganz tiefes Loch gefallen ist. Nur, wer zieht sie wie da wieder raus? Ein Dilemma mit besonderen Ausmaßen hat Deutschland erreicht. Was muss nun geschehen?

Ministerpräsident Armin Laschet (NRW) hat sich nun auch zu einem wahrscheinlich bahnbrechenden Kommentar durchgerungen. Man dürfe jetzt die Dieselfahrzeuge nicht aus den Städten verbannen oder gar stilllegen, weil man sonst die CO2-Klima-Ziele bis 2020 in Gefahr sieht. Und man müsse doch unbedingt die Arbeitsplätze im Auge behalten. Natürlich stammt dies nicht aus seiner Feder, er hat es aus Einschätzungen von „Fachleuten“ wiedergegeben. Wenn also 18 Millionen Dieselfahrzeuge ihre CO2-Werte in die Luft pusten kann dies zu den Klimazielen beitragen? Ministerpräsident Laschet könnte schlüssigere Ziele benennen und zwar in der Art, dass er die Braunkohleverbrennung reduziert oder der Windenergie in NRW den Weg ebnet und nicht wie angekündigt blockiert. Denn damit gefährdet er nicht die 80000 Arbeitsplätze der Industrie für Windenergie! Damit würde er bei der CO2-Reduktion punkten. – Er sollte auch an die Bürger denken (seine Wähler), die diese Diesel-Schadstoffe „zwangsinhalieren“ und das hauptsächlich auch in den Städten von NRW.

Es wird immer so argumentiert, dass ein Dieselfahrzeug doch 20 % weniger Treibstoff verbraucht und das allein zählt doch! Das ist jedoch eine oberflächliche Wahrheit und in Wirklichkeit eine sogenannte Milchmädchenrechnung. Es ist auch eine andere Interpretation möglich! – Man muss zur konkreten Betrachtung auch wissen, dass ein Benziner pro Liter Treibstoff 2370 g CO2 ausstößt, ein Dieselfahrzeug aber 2650 g CO2, also 11,8 % mehr an Treibhausgas (ein Liter ist ein Liter). Gut, es fährt damit eine etwas längere Strecke. Dabei ist der geringere Kraftstoffverbrauch eines Dieselfahrzeuges im ersten Moment ein Argument für geringere Emissionen, aber nur anscheinend. Entscheidend ist jedoch die gesamte Öko-Bilanz eines Dieselfahrzeugs. Der Dieselmotor hat eine mindestens um die Hälfte längere Lebensdauer als ein Benzinmotor (mehr Kilometer). Dadurch bewegt sich das Dieselfahrzeug auch viel länger auf Deutschlands Straßen und emittiert seine Abgase, eben deswegen, weil auch in dieser Zeit Kraftstoff verbrannt wird. Es erzeugt Feinstaub und stößt giftige Abgase (NOx+CO) aus, nämlich Stickoxide und Kohlenstoffmonoxide. So verpufft der Vorteil des geringeren Verbrauchs recht schnell (für die Umwelt), weil die Dieselmotoren eine viel längere Lebenszeit (mehr Kilometer fahren) haben und bei einem Benziner schon die nächste schadstoffärmere Generation dran ist oder vielleicht ein Elektrofahrzeug. Dazu kommt noch, dass bei der Herstellung eines Dieselfahrzeuges erheblich mehr Ressourcen zum Einsatz kommen, nebst zusätzlichem AdBlue (Harnstoff) beim Tanken. Durch die aufwendigere Technik bei Dieselfahrzeugen sind diese auch um einen nicht unerheblichen Teil teurer als ein Benzinfahrzeug. Somit fällt trotz besserer Energieausnutzung bei der Verbrennung von Dieselkraftstoff die Ökobilanz schlecht aus.

Außerdem weiß man auch in der Politik seid einiger Zeit schon nachweislich, dass die Stickoxide auf Deutschlands Straßen vielen Bürgern Schaden zufügen und das in Form von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die stammen in der Hauptsache eben von Dieselmotoren. So wissen es die Politiker, schauen aber einfach weg. Dabei haben sie doch den Eid geschworen, „Schaden vom deutschen Volk abzuwenden“. Wenn man dazu noch die dadurch früher Verstorbenen durch das Inhalieren von Stickoxiden einbezieht sowie die Erkrankten hinzu zählt, ist das ein großer menschlicher und Volkswirtschaftlicher Schaden, der dadurch entsteht. Aber bei der Autoindustrie schaute und schaut immer noch die Politik wie paralysiert auf die Arbeitsplätze, so wie das sitzende Kaninchen vor der Schlange. Nur nicht bewegen und nichts falsch machen, koste es was es wolle!

Man kann sich getrost die Frage stellen, warum Dieselfahrzeuge weniger Hubraumsteuer bezahlen und der Dieselkraftstoff steuerlich entlastet wird? Ebenso stellt sich die Frage, warum es bei den Autos noch keine Begrenzungen gibt, ausgedrückt bei den PS und dem Hubraum. In vielen Dingen hat die EU schon Regulierungen getroffen, wie bei den Lampen, Staubsaugern und dem Standby-Modi von Elektrogeräten. Nur bei den Autos gibt es keine Begrenzungen, die auch bei den Klimazielen helfen würden und so für die Umwelt gut wären. (Ebenso bei den Flugzeugen!) Warum fragt sich das mancher Bürger? Solange das Auto in Deutschland ein Prestige-Objekt bleibt und kein Umdenken in Sachen Klimaschutz auch bei der Politik stattfindet, solange ufern die „Klotzfahrzeuge“ (SUV) der Autoindustrie aus.

Seitens der Automobilkonzerne hätte man wohl viel früher den Weg einschlagen können, zu Elektrofahrzeugen, Hybridfahrzeugen, Wasserstofffahrzeugen und Fahrzeugen mit Brennstoffzelle. Speziell die deutsche Autoindustrie hat den Startzeitpunkt dieser Zukunftstechnologien verschlafen. Klar ist, man wollte erst mit den bestehenden Systemen genug Geld abschöpfen. Jetzt ist der Zeitpunkt des Distanzierens gekommen, nämlich von der Politik zur deutschen Autoindustrie. Wenn sich jetzt noch die vermuteten Absprachen (Kartell) bestätigen sollten, na dann gute Nacht liebe Autoindustrie. Und jetzt kann die Politik nicht mehr wegschauen, weil ihre heilige Kuh auf glattem Eis ins Straucheln geraten ist. Wie konnte das alles nur, wohl wissentlich geplant, überhaupt in Deutschland geschehen? Warum hat die Politik der deutschen Autoindustrie immer wieder Zugeständnisse gemacht? Warum hat die Politik, zumindest eine bestimmte Zeit, wohlweislich weggesehen wenn es um die Vorzeigeindustrie der Autobauer ging? Dieser Betrug (Software) der Automobilkonzerne in Deutschland macht uns Bürger fassungslos! – Nun gilt es den Diesel-Gipfel abzuwarten. Was trauen wir den Autoindustrie und der Politik zu, die Probleme ernsthaft zu bereinigen?

01.08.2017 – WM

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