{"id":794,"date":"2018-02-13T18:20:27","date_gmt":"2018-02-13T17:20:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=794"},"modified":"2018-02-13T18:20:27","modified_gmt":"2018-02-13T17:20:27","slug":"der-turbo-arbeitsmarkt-deutschlands-mk-06-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=794","title":{"rendered":"Der Turbo-Arbeitsmarkt Deutschlands &#8211; MK 06-18"},"content":{"rendered":"<p>In den fr\u00fchen Wirtschaftsjahren gab es in der jungen Bundesrepublik Deutschland Zeiten mit aktiver Hochkonjunktur, denn es gab nach dem 2. Weltkrieg Nachholbedarf in allen Bereichen, was eine normale Entwicklung war. \u00c4hnliches hat im 21. Jahrhundert die Agenda 2010 von Kanzler Schr\u00f6der mit gravierenden Eingriffen in die Mechanismen des Arbeitsmarktes erreicht und einen Boom bis zum heutigen Tag ausgel\u00f6st. Es war die Antwort auf eine zunehmende Globalisierung. Beides wirkte nun \u00f6konomisch gut zusammen. Die deutsche Wirtschaft \u201ebrummt\u201c und es ist fast schon be\u00e4ngstigend, mit welchen Steigerungsraten. In den Anf\u00e4ngen der jungen Bundesrepublik haben die Arbeitnehmer gut und ohne gravierende Nachteile von dem Wachstum der Wirtschaft profitieren k\u00f6nnen. In den heutigen Zeiten des Turbo-Arbeitsmarktes haben sich etliche Nachteile f\u00fcr viele Arbeitnehmer ergeben, wo die Agenda 2010 einen erheblichen Anteil hat. Es ist eine entfesselte Arbeitswelt, die den Arbeitgebern einige M\u00f6glichkeiten durch entsprechende Gesetze f\u00fcr den \u201elockeren\u201c Umgang mit ihren Mitarbeitern er\u00f6ffnet hat. Von vielen Firmen wird der variable Umgang mit Mitarbeitern genutzt und von etlichen auch ausgenutzt. So scheint es bei verschiedenen Firmen einen Umgang mit Mitarbeitern zu geben, die an Ware oder Sklaven erinnert. Auch ist es in dem Zusammenhang nicht \u00fcberraschend, wenn in Deutschland von Mitarbeitern 947 Millionen \u00dcberstunden (Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) geleistet wurden und das f\u00fcr lau, weil die Unternehmen meinen, das so machen zu k\u00f6nnen oder zu wollen.<\/p>\n<p>Etwas \u00fcberspitzt formuliert w\u00fcnschen sich etliche Arbeitgeber wohl den idealen Mitarbeiter, der immer der Firma zur Verf\u00fcgung steht, nie krank ist, nat\u00fcrlich super qualifiziert ist, ohne Einschr\u00e4nkungen \u201efunktioniert\u201c, stets eine 110%-tige Leistung bringt, sehr flexibel sein muss, zu \u00dcberstunden stets bereit ist, vielleicht auch ohne Bezahlung und letztlich, wenn es denn sein muss, auch noch eine Bezahlung erh\u00e4lt, die nat\u00fcrlich nicht zu hoch sein darf. Diese ziemlich bissige Einsch\u00e4tzung trifft sicher bei einer unbekannten Anzahl von Firmen voll und ganz zu, aber bei den meisten Firmen wird die Arbeitskraft eines qualifizierten Mitarbeiters sehr wahrscheinlich doch wertgesch\u00e4tzt. Wenn da nicht die Einschr\u00e4nkungen w\u00e4ren, die die Arbeitnehmer in zwei Lager spaltet. Die Einen mit etwa 70% der Besch\u00e4ftigten haben eine feste Anstellung, identifizieren sich durch die Verbundenheit mit der Firma voll und ganz. Sie k\u00f6nnen ihr Leben planen und das mit einiger Sicherheit, zumal dann auch durch ein abgesichertes Einkommen, welches tariflich einen vergleichbaren Standard bietet, unterst\u00fctzt. Die Anderen nennt man Arbeitnehmer in einem atypischen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis. Diese Art Arbeitsverh\u00e4ltnis ergibt sich durch Befristung, Zeitarbeit, Teilzeit und geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte. In der Regel machen viele dieser gut ausgebildeten Arbeitnehmer dieselbe Arbeit wie die festangestellten Mitarbeiter, jedoch mit Lohnabstrichen bis zu 20% und weiteren Einschr\u00e4nkungen. Sie haben keine M\u00f6glichkeit ihr Leben langfristig zu planen, f\u00fchlen sich nicht wirklich mit der zeitlich begrenzten Arbeitsstelle verbunden und f\u00fchlen sich gleichfalls auch noch ausgenutzt. Wie hoch ist wohl ihre Motivation und die psychische Belastung einzusch\u00e4tzen?<\/p>\n<p>Vielfach gibt es die Pauschalmeinung, dass unsere Wirtschaft so gut l\u00e4uft und es allen Arbeitnehmern auch entsprechend gut gehen muss. Dem ist nicht so, weil die Einschr\u00e4nkungen in Verbindung mit der Arbeitsstelle doch ziemlich belastend sind. Normal haben die Arbeitgeber eine gefestigte Verantwortung f\u00fcr ihre abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten, aber m\u00f6chten sich vielfach nicht binden, weil es ihnen zu unsicher ist, Mitarbeiter zum Stamm der Besch\u00e4ftigten zu z\u00e4hlen. Die Konjunktur k\u00f6nnte ja mal schwanken und die Auftr\u00e4ge zur\u00fcck gehen. Diese Risiken hatten Unternehmer schon immer und das auch zu fr\u00fcheren Zeiten. Sind die heutigen Unternehmer \u00e4ngstlicher mit dem was sie tun? Das kann man nicht unbedingt bejahen. Jedoch kann man es begr\u00fcnden mit extrem gewinnorientierten Unternehmen, die optimieren was das Zeug h\u00e4lt und schieben so ihr h\u00f6chstes Gut, n\u00e4mlich die Mitarbeiter, ins Abseits. Es ist eine Risikominimierung auf Kosten der Arbeitnehmer. Auch scheuen sich etliche Unternehmer nicht davor, die Tarifbindung zu verlassen und treten aus dem Arbeitgeberverband aus. Die Auswirkungen sind jedoch nicht nur f\u00fcr Arbeitnehmer unkalkulierbar sondern in unvermutetem Ma\u00dfe auch f\u00fcr die Firmen mit den dynamisch getrimmten Unternehmern. In Zeiten der Hochkonjunktur k\u00f6nnten Fachkr\u00e4fte schon auf den Gedanken kommen sich eine bessere Arbeitsstelle zu suchen und das f\u00fchrt dazu, dass der Arbeitgeber dann h\u00e4nderingend Fachkr\u00e4fte sucht, er aber zur Anstellung nicht mehr die ziehenden Argumente zur Verf\u00fcgung hat. Manche Unternehmer verkennen, dass gute Mitarbeiter f\u00fcr die Firma wertvoll sind. Ein Bauer schlachtet schlie\u00dflich auch nicht seine beste Kuh, da w\u00e4re er sch\u00f6n bl\u00f6d.<\/p>\n<p>Nun l\u00e4uft die Konjunktur immer noch gut und viele Firmen suchen h\u00e4nderingend nach gut ausgebildeten Mitarbeitern. Mancher Unternehmer hat immer noch nicht erkannt, dass er sich nur mit guten Mitarbeitern seine &#8222;goldene Nase&#8220; verdienen kann. So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Firmen f\u00fcr Mitarbeiter nicht wirklich attraktiv darstellen. Die Methoden in der Welt der Unternehmen haben sich nicht ver\u00e4ndert und so haben es viele Chefs bis zur Perfektion geschafft, die Gesetze zur Besch\u00e4ftigung von Mitarbeitern weidlich f\u00fcr ihre Zwecke zu optimieren.<\/p>\n<p>Es gab auch eine Zeit in Deutschland, wo es die Firmen scheuten Mitarbeiter auszubilden, weil es doch so teuer war. Das hat sich Gott sei Dank wieder ge\u00e4ndert. Doch es ist f\u00fcr qualifizierte Fachkr\u00e4fte zurzeit so, das sie es sich leisten k\u00f6nnen, mit Gl\u00fcck zur Festanstellung einen attraktiven und einladenden Betrieb auszusuchen. Die Unternehmen sollten sich also anstrengen, wie sie gute Mitarbeiter an sich binden k\u00f6nnen. Mit guten Mitarbeitern verdienen sie ihr Geld. Absolut falsch ist jedoch, die Mitarbeiter nur als Unkostenfaktor zu sehen. Deswegen w\u00e4re es gut, um loyale Mitarbeiter zu bekommen, die Bedingungen in den Firmen zu verbessern, Zeitarbeit \u00fcberhaupt abzuschaffen oder zumindest sachgrundlose Zeitvertr\u00e4ge abzuschaffen und bei weniger Qualifizierten mehr zu bezahlen als den Mindestlohn. Die Unternehmer werden feststellen, dass ein attraktiver Arbeitsplatz wie ein Magnet f\u00fcr Fachkr\u00e4fte wirkt und das gute Arbeitsbedingungen f\u00fcr Mitarbeiter eine gute Investition f\u00fcr die Zukunft ihrer Firma darstellen. Die Zukunft ist gesichert f\u00fcr die Firma, den Unternehmer und gleichfalls f\u00fcr die Arbeitsstellen der Mitarbeiter. Und glauben sie gar nicht meine Herren Unternehmer, dass sie damit Geld verschenken, au\u00dfer sie w\u00e4ren der Meinung, dass Mitarbeiter ein l\u00e4stiges \u00dcbel sind. So sollte es nicht nur die gew\u00fcnschten flexiblen Mitarbeiter f\u00fcr Firmen geben, sondern auch flexible Unternehmer, die ihre Angestellten zu sch\u00e4tzen wissen und einen modernen, zeitgem\u00e4\u00dfen Betrieb ihr Eigen nennen.<\/p>\n<p>Die Politik hat erst die Voraussetzungen geschaffen, die Arbeitnehmer in einigen Punkten stark unter Druck setzen, die es erm\u00f6glicht hat, dass sich ein Arbeitsmarkt bilden konnte, der Arbeitnehmer trotz guter fachlicher Ausbildung in teilweise fragliche Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse dr\u00e4ngt. Es bildete sich auch auf dem Arbeitsmarkt eine ausgepr\u00e4gte Zweiklassengesellschaft, die zum Wohle der Unternehmer die Gesellschaft spaltete und selbst Facharbeiter und Studienabg\u00e4nger benachteiligt. Welche Motivation gibt es f\u00fcr Auszubildende sich einen Beruf auszusuchen, der die fachlichen F\u00e4higkeiten nach dem Abschluss als Facharbeiter oder Fachkr\u00e4fte mit Studienabschluss nicht dieselben Chancen erm\u00f6glicht, die jeder andere in demselben Beruf auch hat und dann der Zufall entscheidet. Die Politik hat es durch f\u00f6rdernde Ma\u00dfnahmen, ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Unternehmen, geschafft, dass eine soziale Spaltung zum Vorteil eines ausgepr\u00e4gten Turbo-Kapitalismus entstehen konnte. Die Politik ist nicht in der Lage, Korrekturen der Ungleichbehandlungen durchzuf\u00fchren. So hat man es einfach hingenommen, dass sich soziale Gesellschaftsstrukturen zum Vorteil der Unternehmer, aber zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschlands bilden konnten. Bei vielen so Benachteiligten muss der Staat den Besch\u00e4ftigten einen Lohnzuschuss bezahlen, der die Unternehmer auf Staatskosten dadurch weiter mit h\u00f6heren Gewinnen versorgt. Die Politik lie\u00df bez\u00fcglich der Chancengleich f\u00fcr eine Ausbildung von Minderbemittelten es einfach so laufen und konnte so letztlich den Arbeitsmarkt f\u00fcr Fachkr\u00e4fte nicht positiv f\u00f6rdern, was als Folge zu geringeren Ausbildungsraten f\u00fchrte. Auch die steigende Tarifflucht l\u00e4sst zwar die Kreativit\u00e4t der Unternehmer erahnen, die jedoch die Weitsicht v\u00f6llig vermissen l\u00e4sst. Letztlich ist es wohl so, dass sich zufriedene Arbeitnehmer nur dort an ihrem Arbeitsplatz loyal zeigen, wo ihr Chef ihre Leistungen f\u00fcr die Firma respektiert und entsprechend honoriert.<\/p>\n<p>Die Politik ist ganz klar gefordert, nicht nur die Unternehmen im Blick zu haben, sondern auch die Menschen in den Unternehmen zu sehen und nicht zu vergessen. Es reicht einfach nicht aus, zu sagen, die Wirtschaft l\u00e4uft, schauen sie sich die guten Zahlen an! Die Politik muss deutlich mehr bewirken, als nur die Konjunktur im Auge zu haben. Denn selbst Unternehmen haben eine soziale Verantwortung. So sollen letztlich Unternehmen auch dem Gemeinwohl dienen und deswegen wird in der Bundesrepublik die \u201esoziale Marktwirtschaft\u201c mit Ausgleich von sozialen und \u00f6konomischen Interessen verfolgt. Deswegen stehen die Politiker und die Unternehmen in der Verantwortung zu ihren B\u00fcrgern bzw. Mitarbeitern, aber auch zu ihrem Heimatland Deutschland.<\/p>\n<p>13.02.2018 &#8211; WM<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den fr\u00fchen Wirtschaftsjahren gab es in der jungen Bundesrepublik Deutschland Zeiten mit aktiver Hochkonjunktur, denn es gab nach dem 2. Weltkrieg Nachholbedarf in allen Bereichen, was eine normale Entwicklung war. \u00c4hnliches hat im 21. 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