{"id":788,"date":"2018-01-12T19:00:57","date_gmt":"2018-01-12T18:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=788"},"modified":"2018-01-12T19:14:59","modified_gmt":"2018-01-12T18:14:59","slug":"die-solidarische-buergerversicherung-pro-oder-kontra-mk-02-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=788","title":{"rendered":"Die solidarische B\u00fcrgerversicherung \u2013 Pro oder Kontra? &#8211; MK 02-18"},"content":{"rendered":"<p>Das Gesundheitssystem in Deutschland hat schon einige Reformen hinter sich, die nicht wesentliche Kostensenkungen oder eine Beseitigung der Systemprobleme erbracht haben. Dieses Gesundheitssystem soll eine Versorgung der Bundesb\u00fcrger garantieren, jedoch bei der gesetzlichen GKV soll es sich auf das Sinnvolle und Notwendige beschr\u00e4nken. Dennoch gibt Deutschland vom BIP (Bruttoinlandsprodukt) 11,3% f\u00fcr die Gesundheit der B\u00fcrger aus, was einem Geldwert von 344,2 Milliarden Euro entspricht (2015). Damit z\u00e4hlt dieses Gesundheitssystem zu den teuersten auf dieser Welt, genau gesagt ist Deutschland damit auf dem dritten Platz.<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrworter dieses Zweiklassensystems bestehend aus der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung halten dies f\u00fcr absolut optimal. In diesem gewinnorientierten Gesundheitssystem bekommen die Einen das Notwendigste und die Anderen das Bestm\u00f6gliche. Dieses soll das Gesundheitssystem der zwei S\u00e4ulen in Deutschland darstellen. Es sind Versicherte, die mit 72,56 Millionen gesetzlich (GKV) und mit 8,77 Millionen privat (PKV) versichert sind. Die gesetzlichen Kassen sind veranlasst, alle Versicherungsnehmer mit entsprechenden Merkmalen bei sich aufzunehmen. Die privaten Kassen k\u00f6nnen alle Versicherungsnehmer aufnehmen, die ihnen nach ihren Richtlinien recht und genehm sind, n\u00e4mlich die, die genug verdienen und nicht wirklich gesundheitlich belastet sind. Jedoch gibt es auch viele privat Versicherte, die es sich w\u00fcnschen, wieder in die gesetzliche Versicherung zu wechseln. Doch es geht nicht, weil sie den Moment verpasst haben oder ihr derzeitiger Status einen Wechsel nicht erlaubt. Somit zahlen diese Versicherten einen mitunter hohen Beitrag zur Krankenversicherung. Doch es gibt im System der Privaten auch Versicherte, die als fr\u00fchere Nichtzahler nun zu den Privilegierten (z.B. Beamte) geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Viele verneinen die Fakten der Ungleichbehandlung und sagen, dass alles gerecht zu geht. Dennoch ist es kein solidarisches Gesundheitssystem bei dem alle an den aufkommenden Kosten gleicherma\u00dfen beteiligt sind. Die Systemversorgung ist dennoch ungleich und stellt infrage, ob es den Standard und die Luxusvariante gleicherma\u00dfen verkraften kann, ohne dadurch Nachteile oder eine Bevorteilung entstehen zu lassen. Die Luxuszahler sagen, wir bezahlen das auch und was k\u00fcmmern uns die Kassenpatienten. Das spaltet unsere durch Spaltung schon besch\u00e4digte Bundesrepublik noch mehr. Die Kassenpatienten sagen, schau dir die Privatpatienten an, die ohne viel Wartezeit direkt zum Arzt k\u00f6nnen, schneller Termine kriegen und auch vielfach eine andere Behandlung bekommen. Nat\u00fcrlich muss man auch erw\u00e4hnen, dass die \u00c4rzte bei Privatpatienten f\u00fcr die gleiche Behandlung andere Kostenans\u00e4tze finden, die den Verordnungen entsprechen. Somit sind die Privaten lukrativer f\u00fcr den behandelnden Arzt.<\/p>\n<p>Nun kommen doch pl\u00f6tzlich (obwohl eigentlich schon l\u00e4nger) einige Politiker auf die Idee, eine andere Krankenversicherung ins Leben zu rufen. Sie wird als solidarische B\u00fcrgerversicherung bezeichnet, die alle von einigen so liebgewonnenen Regeln der noch existierenden Systeme platt machen m\u00f6chte. Dabei steht die finanzielle Nachhaltigkeit und die Finanzierungsgerechtigkeit im Vordergrund und soll solidarisch alle entstehenden Kosten einer f\u00fcr alle gerechten Krankenversicherung beinhalten. Dort sind vereint als Versicherte gleicherma\u00dfen der Arbeitnehmer, der Beamte, der Abgeordnete und auch der Selbstst\u00e4ndige. Nat\u00fcrlich soll nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dass es ordnungspolitisch und gesundheits\u00f6konomisch doch zugegeben fragw\u00fcrdig ist, aber sozialpolitisch und solidarisch hoch zu bewerten w\u00e4re, wenn es zu einer Vereinigung kommen k\u00f6nnte. Manche Verantwortliche sind absolut dagegen, weil es doch so gut l\u00e4uft in Deutschland mit dem Gesundheitssystem. &#8211; Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter muss sowieso ein einheitlicher Versicherungsmarkt entstehen, weil die Kosten aus dem Ruder laufen. Wer soll dann wem den Rettungsanker zuwerfen? Im Moment sind die Vorteilswahrer und Besitzstandswahrer des Status Quo auf den Barrikaden und bringen ihre Schreckensszenarien zur B\u00fcrgerversicherung unters Volk. Aber w\u00fcrde das neue System der B\u00fcrgerversicherung wirklich soviel Nachteile bringen und h\u00e4tte gar keine Vorteile f\u00fcr das Gesundheitssystem und seine Versicherten?<\/p>\n<p>Wenn man die benannte B\u00fcrgerversicherung als Anlass n\u00e4hme einige Schw\u00e4chen im Gesundheitssystem gleichfalls zu \u00e4ndern, was dann letztendlich nicht hei\u00dft, dass es zwangsl\u00e4ufig auch teuer werden muss. Alle Beitragszahler dieser neuen Versicherung zahlen in einen Topf ein, aus dem dann gesch\u00f6pft werden kann. Die Kassen der GKV und PKV w\u00fcrden ihre Mitglieder nach den gleichen Festlegungen betreuen. Bestimmte Zusatzleistungen k\u00f6nnten die Privaten weiterhin anbieten, wie Zahnersatz, Kosten\u00fcbernahme von IGEL etc. Das kann auch tats\u00e4chlich dazu f\u00fchren, dass der Beitragssatz geringer ausf\u00e4llt. Jeder zahlt seinen Beitragssatz nach der H\u00f6he des Einkommens aus allen Quellen seiner Einnahmen. Die erbrachten Leistungen des Systems w\u00e4ren f\u00fcr alle gleich gut oder zumindest angemessen. Das w\u00e4re jedoch erst der Anfang der Ver\u00e4nderungen. Es ist eine Transparenz der Digitalisierung anzustreben, um Doppelbehandlungen und Doppelkosten zu vermeiden. Verbunden damit w\u00e4re es, unn\u00f6tige und belastende Behandlungen f\u00fcr den Patienten zu vermeiden. Erst dadurch ist eine Optimierung des Systems m\u00f6glich. Dieses wurde derzeit mit der Gesundheitskarte angestrebt, aber in der Konsequenz nicht vollzogen, wobei die Kosten immer in den Vordergrund gedr\u00e4ngt wurden. Klar ist jedoch, dass sich diese gewaltigen Regulierungs- und Kontrollsysteme erst nach vielen Jahren bew\u00e4hren und sich auch im Vergleich der Kosten-Nutzen-Rechnung durchaus positiv zeigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es zeigt sich immer wieder, dass sich trotz Verhandlungen der Kassen mit den Pharmaunternehmen, die Medikamentenpreise im Vergleich mit anderen Staaten in Europa sich auf dem h\u00f6chsten Level bewegen. Geht man seitens der Pharmaunternehmen einfach davon aus in Deutschland, die h\u00f6chsten Preise im System herauszukitzeln? Die Gewinnmargen dieser Unternehmen mit Gesundheitsprodukten sprechen eine deutliche Sprache. Mit einer Abschaffung der Fallpauschalen f\u00fcr Krankenh\u00e4usern w\u00fcrde man sicherlich etliche Schlie\u00dfungen von Krankenh\u00e4usern in l\u00e4ndlichen Gebieten vermeiden k\u00f6nnen. Den Ausgleich dazu m\u00fcsste der Bund erbringen, der in der Beteiligung jetzt bereits 14,5 Milliarden Euro f\u00fcr das Gesundheitssystem erbringt. Vielleicht sagen die Experten dazu, dass sich die Bettenkapazit\u00e4ten auf das gesunde Ma\u00df zur\u00fcck schrumpfen m\u00fcssen. F\u00fcr die Menschen ist es ein gro\u00dfer Nachteil, wenn Krankenh\u00e4user in ihrem Wohnbereich schlie\u00dfen m\u00fcssen. Wenn \u00c4rzte sich unbedingt in Ballungsgebieten ansiedeln wollen, weil sie mehr verdienen m\u00f6chten, ist dies verst\u00e4ndlich. Allerdings m\u00fcssten die auf dem Land t\u00e4tigen \u00c4rzte f\u00fcr ihre Leistungen deutlich mehr Geld bekommen, also einen zus\u00e4tzlichen Bonus als Anreiz f\u00fcr ihr vielf\u00e4ltiges Engagement.<\/p>\n<p>In einer wirklichen Reform des Gesundheitswesens w\u00e4ren die Zust\u00e4nde bei den Diensten von Hebammen, Pflegediensten, Pflegeheimen sowie grunds\u00e4tzlichen \u00dcberlegungen zur Anzahl der Fachkr\u00e4fte zu \u00fcberdenken und zu korrigieren. Das w\u00e4re finde ich obligatorisch. Allerdings ist es h\u00f6chst fraglich, ob f\u00fcr die B\u00fcrgerversicherung Pharmaunternehmen, Institutionen, Einrichtungen, \u00c4rzte oder auch andere Leistungserbringer einen Solidarit\u00e4tszuschlag einbringen w\u00fcrden, weil es ja in unserem Gesundheitssystem in erster Linie um das Geldverdienen mit der Gesundheit geht. Als es darum ging die Deutsche Einheit zu finanzieren, wurde dies f\u00fcr alle B\u00fcrger in Deutschland beschlossen.<\/p>\n<p>So kann man nur noch konstatieren, dass es wahrhaftig Mut und Weitsicht braucht, um Ver\u00e4nderungen durchzusetzen. Das es geht, sieht man beim Nachbarn \u00d6sterreich. Dort ist der Anteil vom BIP geringer und ebenfalls die Beitr\u00e4ge der Versicherten. Unsere gesetzlichen Krankenkassen sind als Solidarsystem entstanden, weil sie untereinander einen Risikostrukturausgleich festlegen. Die privaten Krankenkassen k\u00f6nnten sich an dem Risikostrukturausgleich aller Kassen beteiligen und so die solidarische B\u00fcrgerversicherung mit unterst\u00fctzen. Das w\u00fcrde zwar ihre R\u00fccklagen schm\u00e4lern, jedoch die Solidarit\u00e4t aller Krankenkassen st\u00e4rken. Und die privaten Krankenkassen w\u00fcrden weiterhin ihre Mitglieder betreuen k\u00f6nnen, zumal ein Wechsel zwischen den Krankenkassen m\u00f6glich sein wird. Alle B\u00fcrger h\u00e4tten einen guten Standard der \u00e4rztlichen Versorgung und brauchten vielleicht nicht mehr so viel daf\u00fcr zu bezahlen.<\/p>\n<p>Zurzeit haben die Krankenkassen gute R\u00fccklagen, was einen Systemwechsel beg\u00fcnstigen w\u00fcrde. Die Zustimmung in der Bev\u00f6lkerung bel\u00e4uft sich auf knapp 58%. Sollte ein Wechsel politisch nicht m\u00f6glich sein, reiht sich diese Abwendung von der Entscheidung f\u00fcr die Zukunft ein in eine Auflistung mit dem verkorksten Wohnungsmarkt, der verschobenen Rentenreform und dem ausufernden Arbeitsmarkt. Vorausschau und Weitsicht geh\u00f6rt auch zum politischen Handeln. Wie lautet der Ausspruch von Michail Gorbatschow noch mal, ach ja, \u201ewer zu sp\u00e4t kommt, den bestraft das Leben\u201c.<\/p>\n<p>12.01.2018 &#8211; WM<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gesundheitssystem in Deutschland hat schon einige Reformen hinter sich, die nicht wesentliche Kostensenkungen oder eine Beseitigung der Systemprobleme erbracht haben. 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