{"id":620,"date":"2016-09-19T17:02:05","date_gmt":"2016-09-19T15:02:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=620"},"modified":"2016-09-19T17:07:58","modified_gmt":"2016-09-19T15:07:58","slug":"zuviel-nitrate-im-grundwasser-mk-37-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=620","title":{"rendered":"Zu viel Nitrate im Grundwasser &#8211; MK 37-16"},"content":{"rendered":"<p>In den verbreiteten Nachrichten der Fernsehsender schreckt den B\u00fcrger in diesen Tagen eine Meldung auf und zwar gibt es in bestimmten Bereichen in Deutschland zu viel Nitrate im Grundwasser. Zuviel Nitrate im Grundwasser fragt man sich, wie kann das sein und was ist zu viel? Und woher kommt das Zuviel? So kl\u00e4ren die Nachrichten auf, dass der Grenzwert der zul\u00e4ssigen Belastung in Deutschland bei 50 mg\/l liegt. Auch wurden speziell drei Bundesl\u00e4nder genannt, wo bereits 1\/3 der Anbaufl\u00e4chen \u00fcberlastet w\u00e4ren. Dem Zuschauer wird so suggeriert, dass dies ein neues aktuelles Problem sei und pl\u00f6tzlich festgestellt wurde. Mitnichten, es ist ein seit Jahren bekanntes Problem der \u00dcberd\u00fcngung von landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen durch die\u00a0gro\u00dfen Mengen der\u00a0dort aufgebrachte G\u00fclle. G\u00fclle (Jauche) sind Exkremente der Massenviehhaltung, wobei in Deutschland 200 Millionen Tonnen j\u00e4hrlich davon anfallen und zwar von 26,9 Millionen Schweinen sowie 12,7 Millionen Rindern. Das Problem hat sich erst gravierend durch die Massentierhaltung f\u00fcr Billigfleisch ausgeweitet. Mit der steigenden Nitratbelastung durch den zu viel entstehenden und zwangsl\u00e4ufig auch verwendeten D\u00fcnger zeichneten sich die Probleme beim Grundwasser bereits seit Jahren deutlich ab und die Politik hat der Entwicklung der \u00dcberd\u00fcngung \u00fcberhaupt nicht oder nicht rechtzeitig zur Kenntnis genommen und darauf reagiert. Man hat es laufen lassen.<\/p>\n<p>Somit ist es nicht nur ein Problem von Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen. Dieses Problem tritt in der Landwirtschaft \u00fcberall dort auf, wo in der Viehzucht zwangsl\u00e4ufig G\u00fclle entsteht und als D\u00fcnger auf die Wiesen und Felder gelangt. Man hat das \u00dcberma\u00df laufen lassen und die D\u00fcngeverordnung (D\u00fcV) nicht den Erfordernissen der extrem gestiegenen Viehhaltung angepasst.<\/p>\n<p>Bis zum 8. November 2010 hat es sogar noch G\u00fclleimporte aus Belgien und den Niederlanden in NRW gegeben. Die dann entstandene neue Verordnung hat zur Auflage gemacht, die G\u00fclle mit einer Drucksterilisation zu behandeln. Dieses hat die Importe gemindert, weil es nicht ausreichend Anlagen f\u00fcr diese Behandlung gab.<\/p>\n<p>Der EU wurde es bereits im Jahr 2013 zu viel und sie wollte klagen. Die Versch\u00e4rfung trat nun im Juli 2015 ein und Deutschland wurde\u00a0ermahnt, die geltenden Vorschriften im Rahmen der Vereinbarungen einzuhalten. Deutschland brauchte f\u00fcr die Umsetzung mehr Zeit, so die Begr\u00fcndung der Verantwortlichen aus Berlin. Jedoch hat Deutschland schon zu viel Zeit verstreichen lassen und das Problem liegengelassen und ausgesessen. Jetzt erfolgt die Klage beim Europ\u00e4ischen Gerichtshof. Selbst wenn jetzt Auflagen mit dem zu erwartenden Urteil auf Deutschland zukommen, den Schaden hat sich Deutschland unverantwortlich schon selbst zugef\u00fcgt.<\/p>\n<p>Klar, die Experten in Sachen D\u00fcngung f\u00fcr die Landwirtschaft sagen zur G\u00fclle, dass dies ein hochwertiger D\u00fcnger sei mit hohen Gehalten von Stickstoff, Phosphor und Kalium. Nitrate sind die Salze und Ester der Salpeters\u00e4ure (NHO3). Den Fachleuten ist dabei nicht zu widersprechen, denn das ist sicher korrekt. Jedoch ist es vielfach auch in anderen Bereichen so, dass das Ma\u00df der Dinge, also die Dosierung, ma\u00dfgeblich f\u00fcr gut oder schlecht entscheidend ist.<\/p>\n<p>Die bestehende D\u00fcngemittelverordnung schr\u00e4nkt allerdings schon jetzt die Ausbringung von G\u00fclle ein und das zeitlich als auch mengenm\u00e4\u00dfig. Auch sind nahe liegende Gew\u00e4sser zu sch\u00fctzen und bestimmte Gebiete von der Ausbringung der G\u00fclle ausgeschlossen. Au\u00dferhalb der Vegetationszeit ist die Ausbringung ausgeschlossen, somit verboten. In dieser Zeit f\u00fcllen sich die Tanks mit G\u00fclle bis zum \u00c4u\u00dfersten und dr\u00e4ngen den Landwirt so zur Leerung. Ein weiteres Kriterium zur D\u00fcngung ist, dass der Landwirt alle 5 Jahre Bodenproben der Fl\u00e4chen nehmen muss, um so einer \u00dcberd\u00fcngung entgegenzuwirken. Jedoch wenn dass System der D\u00fcngeverordnung einwandfrei nach den notwendigen Erfordernissen funktionieren w\u00fcrde, h\u00e4tten wir nicht das Dilemma der erh\u00f6hten Nitratwerte im Grundwasser. Die Wasserversorger haben die Probleme mit dem Nitrat und m\u00fcssen Brunnen stilllegen oder ein Mischwasser erzeugten, das die Nitratwerte im gesetzlichen Rahmen h\u00e4lt. Oftmals gibt es eine aufwendigeTechnik bei den Wasserwerken, die dann die Umkehrosmose und die Nanofiltrierung einsetzen, um die Salze aus dem Wasser zu entfernen. Dieses kostet alles viel Geld und w\u00e4re ohne Nitratproblem nicht erforderlich. Den Aufwand der Trinkwasseraufbereitung k\u00f6nnte man sich sparen und das gesparte Geld f\u00fcr andere Dinge besser verwenden.<\/p>\n<p>Etliche Landwirte kommen so auf die Idee mit der entstehenden G\u00fclle aus der Viehzucht oder den Resten erzeugter Produkte eine Biogasanlage zu betreiben. Die EU bezuschusst die so mit einem Fermenter betriebenen Anlagen. Dabei ist die Ausbeute an Methan bei Schweine- oder Rinderg\u00fclle gegen\u00fcber anderen Stoffen wie Maissilage nicht so effektiv und steht am Ende einer Nutzungstabelle. So ergibt sich aus Schweineg\u00fclle 28 m\u00b3\/t und aus Rinderg\u00fclle 25 m\u00b3\/t nutzbares Methan. Eine Mischung von Stoffen ist somit immer der bessere Weg eine Biogasanlage zu betreiben. Nach der Nutzung der Biomasse in der Anlage ist eine Kompostierung m\u00f6glich. Aber auch der D\u00fcnger ist danach von h\u00f6herem Wert, weil der Stickstoff f\u00fcr die Pflanzen besser verf\u00fcgbar ist, die G\u00fclle tropft nach der Ausbringung von Pflanzen besser ab, es ergibt sich eine geringere Geruchsbel\u00e4stigung und umweltfreundlicher ist es auch noch, weil weniger Methan ausgast. Nat\u00fcrlich gibt es die Gasanlagen haupts\u00e4chlich in den Gegenden mit viel Vieh, denn ein Transport der G\u00fclle\u00a0in eine Gegend mit geringerer Nitratbelastung ist nicht lohnend und wird ohne finanziellen Anreiz nicht gemacht. Dennoch bleibt mit allen Ma\u00dfnahmen der Nutzung immer noch das Problem der Menge dieses biologischen D\u00fcngers in der Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Letztlich bleibt nur eine versch\u00e4rfte D\u00fcngemittelverordnung, die konsequent Mengen begrenzt, die Ausbringung von G\u00fclle so weiter einschr\u00e4nkt und neue M\u00f6glichkeiten aufzeigt, vielleicht diesen wertvollen D\u00fcnger industriell aufzuarbeiten. Eine deutliche Reduzierung der extensiven Viehzucht w\u00e4re auch nicht aus den Augen zu verlieren. Die \u00dcberd\u00fcngung der B\u00f6den ist durch eine zeitlich k\u00fcrzere Kontrolle anhand von ausgewerteten Bodenproben auszuschlie\u00dfen. Unser Trinkwasser ist durchaus sch\u00fctzenswert und sollte oberste Priorit\u00e4t haben. Auch wenn die Bef\u00fcrworter der G\u00fclleausbringung sagen, Nitrat selber ist nicht sch\u00e4dlich, au\u00dfer ab bestimmten Mengen f\u00fcr Kleinkinder. Jedoch wird dann nach Plan verschwiegen, dass es Umwandlungsprozesse im menschlichen K\u00f6rper gibt, wobei Nitrit oder Nitrosamine entstehen, die nachgewiesen krebserregend sind. Somit ist auch eine D\u00fcngemittelverordnung erforderlich, die diese Aspekte ber\u00fccksichtigt und den B\u00fcrger dahingehend sch\u00fctzt. Bisher mussten und konnten es immer noch die Wasserversorger mit speziell aufbereitetem Trinkwasser richten, aber eine Prim\u00e4rl\u00f6sung w\u00e4re besser und kosteng\u00fcnstiger, indem die Vermeidung der zu hohen Nitratbelastung das Ziel ist. Einschr\u00e4nken, anstatt die Folgen der Extensivit\u00e4t durch besondere Ma\u00dfnahmen zu beheben, w\u00e4re die Ideall\u00f6sung.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es das Problem der \u00dcberd\u00fcngung nicht nur in der Landwirtschaft sondern auch beim Weinbau in Deutschland. Dort wird nat\u00fcrlich industriell erzeugter Stickstoff in den Weinbergen ausgebracht. Diese Problematik ist\u00a0 sicherlich differenzierter zu betrachten, wird jedoch erst einmal am Kriterium der Nitratbelastung durch die Stickstoffd\u00fcngung allgemein kritisch gesehen. Dennoch ist weniger oft mehr und auch noch kosteng\u00fcnstiger. Bodenproben k\u00f6nnen direkt kl\u00e4ren, ob die Rebst\u00f6cke Bedarf an D\u00fcngemittel haben, das hei\u00dft, sind es \u00fcber- oder unterversorgte B\u00f6den. Und eine Stickstoffd\u00fcngung hat nur in der Vegetationsphase einen Sinn. Eine zus\u00e4tzliche Ausbringung von Phosphor, Kalium, Magnesium und Spurenelementen ist f\u00fcr einen ermittelten D\u00fcngebedarf erst nach einem festgestellt Mangel durch die Untersuchung von Bodenproben notwendig. So hat der Winzer auch seine Verantwortung f\u00fcr die Umwelt wahrzunehmen, indem er nur die wirklich\u00a0ben\u00f6tigten Stoffe bei der D\u00fcngung in seinen Weinbergen ausbringt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.geoportal.de\/DE\/Geoportal\/Karten\/karten.html;jsessionid=22EEEE8F1539DB49F9A69F6EFD61D648?lang=de&amp;wmcid=44\" target=\"_blank\">Karte der Nitratbelastung in Deutschland<\/a><\/p>\n<p>19.09.2016 &#8211; WM<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den verbreiteten Nachrichten der Fernsehsender schreckt den B\u00fcrger in diesen Tagen eine Meldung auf und zwar gibt es in bestimmten Bereichen in Deutschland zu viel Nitrate im Grundwasser. 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