{"id":578,"date":"2016-05-03T16:28:14","date_gmt":"2016-05-03T14:28:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=578"},"modified":"2016-05-03T16:29:36","modified_gmt":"2016-05-03T14:29:36","slug":"das-risiko-der-atomkraftwerke-in-belgien-mk-17-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=578","title":{"rendered":"Das Risiko der Atomkraftwerke in Belgien &#8211; MK 17-16"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2003 hat die damalige Regierung Belgiens den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2025 verk\u00fcndet. In Belgien sind zwei Atomkraftwerke in Betrieb und dieses sind die Anlagen in Doel an der Schelde und Tihange an der Maas. Die Anlage in Doel hat vier Kraftwerkbl\u00f6cke und bei der Anlage in Tihange sind es drei. Eigentlich sollen oder sollten die Anlagen nur maximal 40 Jahre in Betrieb bleiben, jedoch hat sich der Status bei dem \u00e4ltesten Reaktorblock 1 von 1970 seit dem Jahr 2015 ge\u00e4ndert. Denn eigentlich sollte dieser \u00e4lteste Reaktorblock am 1. Okt. 2015 abgeschaltet werden. Dieser hat jedoch von der amtierenden Regierung Michel eine Genehmigung \u00fcber weitere 10 Jahre Betriebszeit durch einen Beschluss vom 4. Juli 2012 erhalten. So soll die Betriebszeit aller Bl\u00f6cke in Tihange im Jahr 2023 bzw. 2025 enden.<\/p>\n<p>Nun kann man davon ausgehen, dass bei einer Atomkraftanlage, die bereits 40 Jahre in Betrieb ist, etliche Betriebselemente nicht mehr dem neuesten technischen Stand entsprechen und deswegen mit verschlei\u00dfbedingten Ausf\u00e4llen zu rechnen ist. Obwohl immer wieder betont wird, dass dies bei den sicherheitsrelevanten Elementen nicht der Fall ist. So schreckte die \u00d6ffentlichkeit auf als bekannt wurde, dass die Reaktorbeh\u00e4lter etliche Tausend Haarrisse aufweisen und das in unterschiedlicher L\u00e4nge. Jedoch hat die belgische Atomaufsichtsbeh\u00f6rde (FANC) ungeachtet dieser Tatsache den weiteren Betrieb im Mai 2013 genehmigt und dieses nicht als gravierendes Sicherheitsrisiko eingestuft. Auch gelangten Informationen \u00fcber angeblich schon bei der Fertigung entstandene besagte Risse bei den Reaktordruckbeh\u00e4ltern an die Presse. Es war ein Verwirrspiel, denn bei neuerlichen Ultraschallpr\u00fcfungen wurde festgestellt, dass die Anzahl der Risse und ebenfalls die L\u00e4nge dieser Risse zugenommen haben. Durch die thermische,\u00a0mechanische und nukleare\u00a0Belastung im Laufe von 40 Jahren Betriebszeit w\u00e4re es nat\u00fcrlich auch denkbar, dass das Material verspr\u00f6det ist und die erforderlichen Festigkeitseigenschaften nicht mehr besitzt, was jedoch fachlich bei der belgischen Atomaufsichtsbeh\u00f6rde nicht so gesehen wird. Alles wirkte auf die besorgten Menschen nicht unbedingt seri\u00f6s.<\/p>\n<p>Was sollte man von diesen Aussagen \u00fcberhaupt halten, denn die Bedenken auch der Umweltsch\u00fctzer konnte man nicht zerstreuen. Denn man muss wissen, dass der Reaktorbeh\u00e4lter sich im Prim\u00e4rkreislauf befindet und w\u00e4hrend des Betriebes einem Wasserdruck zwischen 154 und 160 bar ausgesetzt ist, damit bei der Erw\u00e4rmung des Wassers durch die thermische Energie der Brennst\u00e4be kein Dampf entstehen kann. Es sind demnach hohe mechanische Belastungen, die auf den Reaktorbeh\u00e4lter einwirken. Sehr irritierend wirkte die Nachricht, dass das K\u00fchlwasser auf 40\u00b0 Celsius vorgew\u00e4rmt wird, um die thermische Belastung m\u00f6glichst klein zu halten, weil diese sich letztlich auch als mechanische Belastung zeigt. Also war jetzt die Gefahr der Risse im Reaktorbeh\u00e4lter doch gr\u00f6\u00dfer und wollte man mit dem angew\u00e4rmten K\u00fchlwasser das System schonen?<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeit, die Umweltsch\u00fctzer und auch einige Politiker stuften diese Vorg\u00e4nge als unkalkulierbares Risiko ein. Anfangs nicht so sehr in Belgien, hatte man zumindest den Eindruck, aber im Umkreis von Aachen wurde man hellwach, denn bis nach Tihange sind es nur 65 Kilometer Luftlinie. Im Falle eines Unfalls ist der Reaktorbeh\u00e4lter sicher kaltem K\u00fchlwasser (Maas) ausgesetzt, was man jetzt tunlichst vermeidet. Was passiert beim Unfall eigentlich, wenn der Reaktorbeh\u00e4lter Schaden nimmt und es zu einem Bruch kommt? Kommt es zum Austritt von radioaktiv verseuchtem Wasser oder gar mehr? Der Reaktorsicherheitsbeh\u00e4lter w\u00fcrde im Fall eines Schadens beim Reaktorbeh\u00e4lter mit einer Million Liter Wasser aus dem Notk\u00fchlsystem geflutet, die in einem Speicher bereitstehen. Die Brennst\u00e4be w\u00e4ren inaktiv und nur noch die Nachzerfallsw\u00e4rme w\u00fcrde das Wasser aufheizen, was einer W\u00e4rmewirkung von 5-10% des Normalbetriebes entspricht. Nach einer bestimmten Zeit m\u00fcsste dann dieses K\u00fchlwasser in einen K\u00fchlkreislauf gelangen, um die Nachw\u00e4rmeabfuhr garantieren zu k\u00f6nnen. Also doch keine so gro\u00dfe Gefahr, die durch einen Reaktorunfall besteht?<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte beruhigter sein, wenn nicht die Informationen \u00fcber Jodtabletten die \u00f6ffentliche Runde machen w\u00fcrden. Diese Jodtabletten sind zu einem genau bestimmten Zeitpunkt vor einer sich verbreitenden radioaktiven Wolke einzunehmen, die Schilddr\u00fcse dadurch mit Jod (Kaliumjodid) zu s\u00e4ttigen, um die Anreicherung von radioaktivem Jod in der Schilddr\u00fcse zu verhindern. Dieses hat das Sicherheitsgef\u00fchl der Bev\u00f6lkerung ziemlich ramponiert und eher f\u00fcr Unsicherheit gesorgt. Also nicht den maroden Reaktor Tihange aus dem Baujahr 1970 abschalten? Die Jodtabletten sollen es im Falle eines Falles richten? Es h\u00f6rt sich absolut paradox an, was es auch ist. Besser und sicherer w\u00e4re es doch, den Reaktor abzuschalten! F\u00fcr verunsicherte B\u00fcrger bedeutet dies auch eine permanente Angst gegen\u00fcber eventuell eintretenden Ereignissen bei einem Atomunfall direkt vor der Haust\u00fcr von Aachen. Ist es also nur Panikmache mit dem vermeintlichen Risiko durch die Haarrisse im Reaktorbeh\u00e4lter? Ist das Risiko durch die Sicherheitseinrichtungen im Atomkraftwerk Tihange wirklich dadurch minimiert und kalkulierbar?<\/p>\n<p>Die St\u00e4dte Region Aachen hat nun gegen\u00fcber dem belgischen Staat eine Klage angestrengt, weil die Bewertung einer Umweltvertr\u00e4glichkeit f\u00fcr die Entscheidung zu einer Laufzeitverl\u00e4ngerung fehlt. Ebenso hat das Land NRW und Rheinland-Pfalz am 9. Februar 2016 eine Beschwerde bei der UN und der EU-Kommission gegen die Laufzeitverl\u00e4ngerung eingereicht.<\/p>\n<p>Die belgische Atomaufsichtsbeh\u00f6rde hat etliche Jahre vorher f\u00fcr die belgischen Atomkraftwerke eindeutige Standards festgelegt, die jedoch nach einiger Zeit konkret nur noch f\u00fcr die Ausf\u00fchrung bei Neubauten von AKW in Belgien gelten sollen. Problem ist, dass es in der Europ\u00e4ischen Union keine klaren Regelungen f\u00fcr die Betriebsausnahmen von Atomkraftwerken gibt. Jedes Land kann es anscheinend so machen wie es das m\u00f6chte. Ist es wieder eine machtlose Europ\u00e4ische Union wie man es schon ein paar Mal bei anderen Dingen feststellen konnte? Der aktuelle Status bei dieser Angelegenheit zeigt viele Fragezeichen auf und sorgt bei den Menschen in unmittelbarer N\u00e4he des Atomkraftwerkes, aber auch in einem weiteren Umkreis f\u00fcr eine gro\u00dfe Unsicherheit und Besorgnis. Wer kann es richten und f\u00fcr Klarheit sorgen? \u00dcbrigens, die Brennst\u00e4be f\u00fcr das AKW stammen aus Deutschland, genauer aus dem Ort Lingen (Ems)?! Und beim AKW Doel bei Antwerpen sieht es nicht anders aus, denn dort gibt es auch Laufzeitverl\u00e4ngerungen. Die Verantwortlichen sollten sich vielleicht mehr Gedanken machen und f\u00fcr Aufkl\u00e4rung sorgen!<\/p>\n<p>03.05.2016 &#8211; WM<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2003 hat die damalige Regierung Belgiens den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2025 verk\u00fcndet. In Belgien sind zwei Atomkraftwerke in Betrieb und dieses sind die Anlagen in Doel an der Schelde und Tihange an der Maas. 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