{"id":422,"date":"2015-08-17T18:17:08","date_gmt":"2015-08-17T16:17:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=422"},"modified":"2015-08-17T18:17:08","modified_gmt":"2015-08-17T16:17:08","slug":"chinas-gefahrstoffchaos-in-tianjin-mk-33-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=422","title":{"rendered":"Chinas Gefahrstoffchaos in Tianjin &#8211; MK 33-15"},"content":{"rendered":"<p>Am Mittwoch den 12.8.2015 ersch\u00fctterten zwei Explosionen die Stadt Tianjin in China mit ihren 15 Millionen Einwohnern. Die Explosionen hatten eine Wirkung von 21 t TNT, so die Fachleute und fegten mit ihren Druckwellen \u00fcber das Hafengel\u00e4nde und \u00fcber die Stadt weg. Mit den Explosionen wurden viele Geb\u00e4ude der Stadt regelrecht verw\u00fcstet. Es starben dabei mit einer zurzeit festgestellten Zahl \u00fcber 112 Menschen und es wurden Hunderte teils schwer verletzt. Zum jetzigen Zeitpunkt gelten 200 Menschen immer noch als vermisst. Mit der Zerst\u00f6rung kam das Chaos und die Angst \u00fcber die Menschen, die keinerlei Informationen hatten, was eigentlich passiert war.<\/p>\n<p>Die Feuerwehren und Hilfskr\u00e4fte waren im Dauereinsatz, um den Menschen zu helfen und die Br\u00e4nde zu bek\u00e4mpfen. Mit den beginnenden Untersuchungen zur Ursache konnten die Spezialkr\u00e4fte feststellen, dass sich die Explosionen in einem Gefahrgutlager der betreibenden Firma Ruihai ergeben haben. Diese Firma betreibt die gesamte Anlage des Gel\u00e4ndes.<\/p>\n<p>Nach zahlreichen Pr\u00fcfungen haben die Spezialisten festgestellt, dass die Best\u00e4nde von Natriumcyanid (Natriumsalz der Blaus\u00e4ure) , durch einen Brand ausgel\u00f6st, explodiert sind. Die bestimmenden Vorschriften gestatten einen Lagervorrat von max. 10 Tonnen. Jedoch wurden dort hunderte Tonnen dieser Chemikalie gelagert, was ein eklatanter Versto\u00df gegen die dort geltenden Sicherheitsbestimmungen ist. Gebraucht wird dieses Natriumcyanid f\u00fcr z.B. Galvanisierungsprozesse, also um Metalle mit anderen Metallen durch eine Elektrolyse zu beschichten.<\/p>\n<p>Neben der Zerst\u00f6rung hat sich aus dem Natriumcyanid in Verbindung mit der Luft ein Blaus\u00e4uregas entwickelt. Mit der Explosion und dem Wind konnte sich dieser gef\u00e4hrliche Stoff in gro\u00dfem Umfang \u00fcber die Stadt ausbreiten und ins Wasser gelangen. Das Gel\u00e4nde war deswegen nur mit Atemschutz zu betreten, um nicht das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Untersuchungen haben einen\u00a0erh\u00f6hten\u00a0Wert \u00a0in Referenz zum\u00a0zul\u00e4ssigen Wert dieses Schadstoffes festgestellt und das nicht nur im Wasser, sondern auch auf dem Land. Dieser Wert ist 27 Mal so hoch. So mussten die Menschen dort schleunigst in einem Umkreis von 3 km evakuiert werden, um nicht noch mehr Menschenleben zu gef\u00e4hrden. Der Tod durch Blaus\u00e4ure ist grausam.<\/p>\n<p>Die Regierung hat keine eindeutigen und klaren Informationen \u00fcber die Vorg\u00e4nge f\u00fcr die Einwohner der 15 Millionenstadt Tianjin verbreitet. Die Rettungskr\u00e4fte waren hoffnungslos mit der prek\u00e4ren Situation \u00fcberfordert und nicht auf F\u00e4lle dieser Art eingestellt. Denn dieses Natriumcyanid schlie\u00dft\u00a0das L\u00f6schen eines Brandes mit Wasser aus. So hat die Regierung auch 50 Webseiten f\u00fcr ihre Berichte bestraft, weil sie nur Ger\u00fcchte und unbest\u00e4tigte Informationen verbreitet haben sollen.<\/p>\n<p>Klarer feststellbar ist jedoch, dass sich die Baubeh\u00f6rden nicht an bestehende Vorschriften gehalten haben, die einen minimalen Abstand von 1000 m bei der Bebauung von Wohnh\u00e4usern zu einer Lagerst\u00e4tte mit Gefahrg\u00fctern dieser Art vorsehen. Mit der dort gelagerten Menge von einigen hundert Tonnen dieser Chemikalie wurden Sicherheitsvorschriften auf eine schon kriminelle Art und Weise missachtet. Das Gef\u00e4hrdungspotential erh\u00f6hte sich um ein Vielfaches und blieb von den Kontrollbeh\u00f6rden unentdeckt. Der unbedarfte Umgang mit Gefahrstoffen ist sicherlich im Allgemeinen ein gro\u00dfes Problem in der Volksrepublik China. Gef\u00e4hrdende Verunreinigungen oder Verseuchungen von Fl\u00fcssen sind an der Tagesordnung und werden immer wieder von den Medien gemeldet. Die Luftverschmutzung durch Abgase erleben die Chinesen jeden Tag und ist f\u00fcr die Menschen im Alltag ein gro\u00dfes Problem. Generell liegt der Umweltschutz dort im Argen. Dort hat China einen sicherlich gro\u00dfen Nachholbedarf.<\/p>\n<p>Selbst bei geschulten Kr\u00e4ften gibt es M\u00e4ngel am Sicherheitsbewusstsein und falsche Reaktionen mit irregul\u00e4ren Praktiken. So soll es auch Feuerwehrleute dort gegeben haben, die als Aushilfskr\u00e4fte arbeiteten. Dieses hat auch Parteichef Xi Jinping festgestellt.<\/p>\n<p>Die dort stattfindende Untersuchung durch Spezialisten und Funktion\u00e4re soll Vers\u00e4umnisse kl\u00e4ren. Viele Menschen haben dort einfach alles verloren und konnten nur ihr Leben noch retten. Diese Menschen protestieren gegen die Regierung und wollen eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr ihr verlorenes Hab und Gut. Bis jetzt sieht es so aus, dass die Beh\u00f6rden anscheinend ohne Bedenken Bauten errichten lie\u00dfen. Weiterhin gab es eklatante obskure Machenschaften, verbunden mit einer Missachtung aller Sicherheitsbestimmungen.<\/p>\n<p>Ebenfalls hat man eine falsche Lagerung dieser Gefahrstoffe festgestellt, weil diese nicht k\u00fchl und auf Holzpaletten gelagert wurden. Allenfalls waren die Gefahrstoffe nicht ausreichend deklariert und somit auch nicht der Feuerwehr bekannt. So sollen auch noch die Gefahrstoffe Calciumcarbit, Kaliumnitrat, Natriumnitrat und Ammoniumnitrat\u00a0 dort gelagert gewesen sein. Somit als letztem Punkt erfolgte ein L\u00f6schen mit Wasser, was beim Calciumcarbit zur Entstehung von Acetylengas f\u00fchrt.\u00a0Bei den\u00a0anderen genannten Stoffen ergibt sich bei hohen Temperaturen eine explosionsartige Zersetzung. Vielleicht sind dadurch die Explosionen \u00fcberhaupt erst entstanden. Aber wer wei\u00df das zum jetzigen Zeitpunkt wirklich genau? Was die Spezialisten feststellen werden kommt sicherlich nicht unbedingt auch so klar an die \u00d6ffentlichkeit. Wahrscheinlich \u201erollen K\u00f6pfe\u201c bei den \u201eKleinen\u201c und die wirklich Schuldigen bleiben unbehelligt. Denn der Wahrheitsgehalt bei Meldungen aus China ist zweifelhaft.<\/p>\n<p>Nur, wie will man dort in der Stadt Tainjin \u00fcberhaupt bei der gro\u00dfen Verseuchung wieder zur Normalit\u00e4t zur\u00fcck finden. Die Entsorgung der Schadstoffe ist ein gravierendes Problem und so schnell nicht m\u00f6glich. F\u00fcr die Menschen ist es schrecklich und ein weiter Weg zur\u00fcck zur Normalit\u00e4t, wobei das eigene \u00dcberleben an erster Stelle steht. Wenn Verantwortliche f\u00fcr die Katastrophe zu finden sind, ist ein hartes Durchgreifen notwendig, jedoch kann niemand das Ungl\u00fcck wieder gutmachen. Mehr Kontrolle durch staatliche Institutionen ist notwendig, was die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften bei der Lagerung und Verteilung von Gefahrgut angeht. Ebenfalls eine \u00dcberpr\u00fcfung aller Sicherheitsstandards des Landes ist erforderlich und wurde vom Staatschef Xi bereits angek\u00fcndigt. Vielleicht \u00f6ffnet sich China auch zu den Menschen, indem es seine B\u00fcrger \u00fcber Vorg\u00e4nge dieser Art besser und menschenw\u00fcrdiger informiert. Der Machtapparat braucht sich in diesem Fall nicht in Position bringen, sondern nur auf die Menschen zugehen. Auch eine (staatliche) Entsch\u00e4digung f\u00fcr einen Neuanfang w\u00fcrde den dort lebenden Menschen helfen. Sehr wichtig w\u00e4re es, aus den Vorg\u00e4ngen und Abl\u00e4ufen bei dieser Katastrophe Lehren und Schl\u00fcsse zu ziehen. Um es bei allem Schrecklichen positiv zu sehen, das werden die staatlichen Organe sicherlich auch tun.<\/p>\n<p>17.08.2015 &#8211; WM<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch den 12.8.2015 ersch\u00fctterten zwei Explosionen die Stadt Tianjin in China mit ihren 15 Millionen Einwohnern. 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