{"id":147,"date":"2012-12-23T18:35:33","date_gmt":"2012-12-23T17:35:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=147"},"modified":"2012-12-23T18:40:45","modified_gmt":"2012-12-23T17:40:45","slug":"die-aachener-campusbahn-um-jeden-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kaleidoskop-aha.de\/?p=147","title":{"rendered":"Die Aachener Campusbahn, um jeden Preis?"},"content":{"rendered":"<p>Am 19.12.2012 fiel die Entscheidung im Rat der Stadt Aachen mit 65 Ja-Stimmen und 8 Nein-Stimmen (FDP) in einer Abstimmung f\u00fcr die Campusbahn, dem sogenannten Jahrhundertprojekt. Diese Abstimmung wurde auch als historisch bezeichnet. Auch soll es eine wertvolle Investition in die Zukunft sein und eine Aufwertung f\u00fcr die Stadt bedeuten. Jedoch kann und soll der B\u00fcrger auch dar\u00fcber abstimmen und zwar in einem sogenannten Ratsb\u00fcrgerentscheid. Eine Abstimmung \u00fcber das Projekt Campusbahn wurde vom Rat der Stadt f\u00fcr M\u00e4rz 2013 festgelegt. Dabei wurden die Regeln gemindert und zwar von einer 20%-tigen auf eine 10%-tige Zustimmung oder Ablehnung der Campusbahn. Soll hei\u00dfen, von 190000 Einwohner soll die Zahl 19000 W\u00e4hler mindestens f\u00fcr oder gegen das Projekt abstimmen.<\/p>\n<p>Dieses Projekt hat ein Kostenvolumen von 243 Millionen Euro, wobei die Stadt Aachen davon 130 Millionen Euro schultern soll. Das ist wahrlich eine immense Summe mit der sich die Stadt belasten will, obwohl die Grenze des belastbaren f\u00fcr den Stadthaushalt schon jetzt erreicht ist. Und dann kommen noch 6,5 Millionen Euro als j\u00e4hrliche Mehrbelastung hinzu. Also wenn ich im Rat der Stadt meine Stimme daf\u00fcr abgeben sollte, w\u00fcrde ich sicherlich weiche Knie haben. Man muss sich die Frage stellen, wurde vielleicht zu schnell entschieden und hat man ausf\u00fchrlich ein F\u00fcr und Wider betrachtet?<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrworter bekunden offen in Leserbriefen an die Aachener Zeitung, dass die Gegner der Campusbahn Blockierer und Neinsager sind, die die gro\u00dfe Chance f\u00fcr Aachen einfach nicht erkennen wollen. Auch h\u00e4tten die Gegner, so einige Zuschriften, einfach keine Alternativen zum geplanten Jahrhundertprojekt. Vielleicht haben sich die Gegner einfach nur mehr Gedanken gemacht und das Projekt losgel\u00f6st von allen Zw\u00e4ngen und Einfl\u00fcssen bewertet. Bei der Aussage einiger Bef\u00fcrworter das die Gegner einfach keine Alternativen haben, kann ich nur entgegnen, dass dieses eher auf die Bef\u00fcrworter zutrifft, also einfach nur in eine Richtung schauen, was ihre Campusbahn betrifft. Die Menschen, die f\u00fcr die Campusbahn sind, sagen, die \u00f6ffentliche Stra\u00dfenbahn muss den steigenden Bef\u00f6rderungszahlen gerecht werden, schnell sein und f\u00fcr den B\u00fcrger bezahlbar sein. Bei diesen Aussagen hege ich erhebliche Zweifel und die werden durch sch\u00f6nf\u00e4rben und sch\u00f6nreden der idealisierten Aussagen nicht ausr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Aber wieso eigentlich Campusbahn? Die Bedeutung dieses Projektes soll eine optimierte Aufmachung mit dem Begriff Campus signalisieren, obwohl diese Bahn doch bestimmt nicht f\u00fcr den neu entstehenden Campus erdacht wurde oder? Warum nennt man die Stra\u00dfenbahn nicht einfach Stadtbahn, das kommt der Sache sicher einen Schritt n\u00e4her, aber \u00e4ndert auch nichts an den Gegebenheiten.<\/p>\n<p>Erlaubt muss sein zu fragen, warum wurde die Stra\u00dfenbahn 1972 in Aachen eigentlich abgeschafft?\u00a0 Es scheint mir so zu sein, dass sich niemand mehr daran erinnern m\u00f6chte. Ja, sie wurde abgeschafft, um dem Individualverkehr mehr Entwicklungsm\u00f6glichkeit zu geben. Denn die Stra\u00dfenbahn in Aachen behinderte den Verkehr sehr stark und verursachte im Betrieb hohe Erhaltungskosten. Warum soll es im engen Aachen und bei gestiegenen Zahlen von Kraftfahrzeugen heute anders sein oder anders gefragt, wodurch wollen die Bef\u00fcrworter eine Ver\u00e4nderung gegen\u00fcber damals erreichen? Ganz klar w\u00e4re ich sofort f\u00fcr die Stadtbahn, wenn diese auf einer eigenen, unabh\u00e4ngigen Gleistrasse fahren w\u00fcrde und wirklich dann auch Vorteile h\u00e4tte. Aber das alles ist nicht der Fall.<\/p>\n<p>Bei einer Realisierung des Jahrhundertprojekts w\u00fcrden uns einige unangenehme Dinge betreffen.<\/p>\n<ul>\n<li>Bei einer Steigerung der Entstehungskosten w\u00e4re die Stadt in erheblichem Umfang mit beteiligt und m\u00fcsste einige Kr\u00f6ten schlucken, was die Mehrkosten betrifft<\/li>\n<li>Eine Vernachl\u00e4ssigung anderer st\u00e4dtischer Projekte w\u00fcrden sich ergeben, obwohl jetzt schon einiges im argen liegt<\/li>\n<li>Steuererh\u00f6hungen kommen auf die B\u00fcrger und auch die Firmen in Aachen zu<\/li>\n<li>Letztendlich kommt die Stadt oder auch die ASEAG an Fahrpreiserh\u00f6hungen nicht vorbei<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wollen die Politiker das alles so einfach wegstecken? Will der B\u00fcrger das alles hinnehmen?<\/p>\n<ul>\n<li>Der Erhalt dieser Stadtbahn erfordert hohe Folgekosten (siehe Fahrpreiserh\u00f6hungen)<\/li>\n<li>Es w\u00e4re zwar eine sch\u00f6ne Bahn, jedoch w\u00fcrde der Betrieb den Individualverkehr stark negativ beeintr\u00e4chtigen<\/li>\n<li>Die Zweispurigkeit der Stra\u00dfen, wo gegeben, w\u00e4re zumindest deutlich eingeschr\u00e4nkt, die Gleise zerschneiden die Stra\u00dfe<\/li>\n<li>Zus\u00e4tzlicher Stopp and Go Verkehr durch die Haltestellen, denn der andere Verkehr muss stoppen, es gibt nat\u00fcrlich keine Haltebuchten f\u00fcr die Bahn wie bei Bussen<\/li>\n<li>Was machen alte Leute und Behinderte, die in die Bahn einsteigen wollen, welche sich mitten in der Stra\u00dfe befindet?<\/li>\n<li>Wie reagieren die Fahrg\u00e4ste auf Fahrpreiserh\u00f6hungen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es gibt einfach zurzeit kein abgestimmtes Verkehrskonzept (Individualverkehr, Busse, Stadtbahn) in Aachen, was durch die Campusbahn entscheidend positiv beeinflusst werden k\u00f6nnte. Ich wei\u00df auch nicht, ob man bei einem Stau besser im Bus oder in der Bahn sitzt. Es ist somit in der Planung nicht eindeutig schl\u00fcssig, das ist meine Meinung als Stadtbahngegner.<\/p>\n<p>Es gibt sinnvolle Alternativen zur Stadtbahn, die teilweise auch schon von der ASEAG betrieben werden oder sich zumindest im Probedienst befinden. F\u00fcr den Betrieb von Bussen durch die Hybridtechnik, also im Mischbetrieb Elektro-Kraftstoff-Antrieb. Ein Betrieb mittels Brennstoffzelle, welche bei der Wasserstoff-Sauerstoff Technik gut erforscht ist und gegen\u00fcber Verbrennungsantrieben auch noch einen h\u00f6heren Wirkungsgrad haben, ist m\u00f6glich. Auch ist bei der Brennstoffzelle ist ein organischer Brennstoff wie Methan oder Methanol einsetzbar. Die erzeugte elektrische Energie wird dem Elektromotor (Motoren) zugef\u00fchrt, der als Fahrzeugantrieb fungiert. Diese so angetriebenen Busse erzeugen kein CO<sub>2<\/sub> oder andere die Umwelt belastenden Abgase. Der \u201eLong Wajong\u201c von Aachen ist ein guter Ansatz wie ich finde. Also, es gibt Alternativen, auch wenn die Gegner sagen, das es eine teure Technik ist, aber jede Technik wird st\u00e4ndig weiterentwickelt, was dabei auch meistens mit Kostensenkungen verbunden ist. Der teilweise geplante Batteriebetrieb der Stadtbahn ist auch nicht so ganz ohne, also sehr kostenintensiv. Und die Bahn sowieso.<\/p>\n<p>Es geht deswegen nicht darum nur einfach nein zu sagen oder ein Blockierer zu sein. Tatsachen sind einfach nicht so einfach vom Tisch zu wischen, sondern man muss sich damit auseinandersetzen. Wenn ein Projekt dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung beschlossen wird, muss es finanzierbar sein, es muss in ein Verkehrskonzept passen und wirklichen Nutzen bringen und nicht nur einfach toll sein. Auch die Folgekosten m\u00fcssen sorgsam gewichtet werden. Deswegen sehe ich das Projekt zumindest als fraglich an. Sehr schwer integrierbar in das Aachener Verkehrskonzept ist es allemal, bedingt durch die Bausubstanz, die breitere Fahrbahnen nicht zul\u00e4sst und somit \u00fcberhaupt nicht die Vorteile von Stra\u00dfenbahnen aussch\u00f6pfen kann.<\/p>\n<p>Fazit:<\/p>\n<p>Es w\u00e4re sicher toll eine Stadtbahn zu haben, jedoch nicht mit diesen Entstehungskosten und hohen Betriebskosten. Auch w\u00fcrde die Bahn einfach nicht ihr Potential als umweltfreundliches Bef\u00f6rderungsmittel bei der gegebenen Verkehrssituation in Aachen aussch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Die Stadt Aachen braucht bei der sensiblen Kostensituation im Stadthaushalt kein Prestigeprojekt und schon gar nicht ein hochstilisiertes Jahrhundertprojekt. Die Stadtv\u00e4ter sollten sich darum k\u00fcmmern, die Stadtsubstanz zu erhalten, damit solche F\u00e4lle wie die maroden Geb\u00e4ude der Feuerwehr und der Polizei erst gar nicht entstehen k\u00f6nnen. Vom Bahnhof Rothe Erde m\u00f6chte ich schon \u00fcberhaupt nicht reden. Die Priorit\u00e4tenliste der Geldausgaben scheint mangels Masse (Geld) ziemlich gek\u00fcrzt worden zu sein und die Gewichtung ist den B\u00fcrgern teilweise suspekt, also nicht zu verstehen. Und dann noch die Campusbahn dazu! Wenn sich ein Privathaushalt auch so verh\u00e4lt bleibt irgendwann nur die M\u00f6glichkeit der Privatinsolvenz. Der Stadt Aachen bleibt dieser Schritt erspart, was ich meiner Heimatstadt auch nicht w\u00fcnsche. Der Politikern und einigen Jahrhundertprojektplanern kann ich nur w\u00fcnschen, dass sie die Bodenhaftung nicht verlieren. Viele B\u00fcrger w\u00fcrden sich dar\u00fcber freuen. Es stehen schon einige Projekte der Stadt auf \u201eFlie\u00dfsand\u201c!<\/p>\n<p>23.12.2012<\/p>\n<p>WM<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19.12.2012 fiel die Entscheidung im Rat der Stadt Aachen mit 65 Ja-Stimmen und 8 Nein-Stimmen (FDP) in einer Abstimmung f\u00fcr die Campusbahn, dem sogenannten Jahrhundertprojekt. 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